Trockene Witterung hält den Pollenflug in Gang – Birkenpollen werden trotzdem weniger.
Während der zurückliegenden Vorhersageperiode prangte zunächst gut sichtbar das Frühlings-Schild über dem Land, und selbst der Norden Deutschlands konnte erstmals in diesem Jahr die 20 °C-Marke aus der Nähe betrachten. Ab Sonntag (19. April) und bis in den Montag hinein feierte der ausgedörrte Nordosten eine Regensause in unterkühlter Luft, während es im Süden größtenteils trocken weiterging. Zum Dienstag und am heutigen Vorhersagetag kam die Sonne überall zurück, allerdings unter einer kalten, nachtfrostigen Nordostströmung. Für die Pollen der Windbestäuber waren vor allem die milden und freundlichen ersten Tage der Vorhersagewoche ein gefundenes Fressen. So richtig Appetit zeigte einmal mehr die Birke, die an zahlreichen Messstationen in der Nord- und Osthälfte zu saisonalen Höchstständen beim Pollenflug ausholte. Selbst im Südwesten verteilten sich nochmals jede Menge Birkenpollen, sodass am Ende das ganze Land auf der Belastungskarte rot aufleuchtete. Mit den aufziehenden Regenfällen und in der eingeflossenen Kaltluft ging es in der Folge wieder gesitteter zu. In der gesamten Osthälfte, vom Norden bis in den Süden, sind die hohen Belastungen jedoch weiterhin nicht vom Tisch. Eschenpollen belasteten größtenteils nur noch mild, Richtung Küsten sowie lokal in den Bergen auch noch mäßig, mancherorts auch gar nicht mehr. Dort, wo Esche und Birke bereits abgeblüht sind, also vor allem in der Süd- und Westhälfte bis in die Landesmitte und lokal in städtischen Wärmeinseln des Nordens und Ostens, avancierten die Pollen der Eiche und Buche zu den neuen Blockbustern. Eichenpollen hatten dabei häufig, aber nicht immer die Nase vorn. In den ländlichen Gebieten des Nordens und Ostens kam es bisher nur zu etwas Pollenimport aus dem Süden. Dort war es den Eichen und Buchen bisher noch zu frisch. Während Platanenpollen in Städten und Dörfern (Park- und Straßenbaum!) am Rhein schon seit Ende März fliegen, ging es nun auch weiter nach Norden und Osten mit ersten markanten Pollenflügen los. Der äußerste Norden und Osten blieben davon weiterhin verschont. Mit immer mal wieder geringem bis mäßigem Pollenaufgebot waren Weide und Zypressengewächse, im Nordosten teils auch Hainbuche, im Süden und Westen die Rosskastanie dabei. Vereinzelt erreichten auch Ahorn (Nordosten) oder Raps ein mäßiges Pollenaufkommen. Lokal tummelten sich im Süden und Westen Pollen von Ginkgo, Maulbeere, Walnuss und zunehmend Gräserpollen. Außerdem startete hier die Fichten- und Kiefernpollensaison mit seichten Pollenflügen. Ansonsten konnte man auf einzelne Pollen von Ampfer, Erle, Hopfenbuche, Pappel, Binsen- und Rosengewächsen, Sauergräsern oder Spierstrauch stoßen.
Für die nächsten Tage sind praktisch keine Niederschlagssignale in den Wettermodellen zu finden. Für die meisten Regionen steht eine komplett trockene Witterungsphase an. Im Süden und Südwesten ist es zudem über viele Tage selbst um ein paar Wolken schlecht bestellt, während im Norden und in der Mitte hin und wieder Grau statt Blau dominiert. Ohne zwischenzeitliche Regenfälle nimmt der Pollenflug ungehindert seinen Lauf, wobei sich das Pollenspektrum in der Luft der fortschreitenden Jahreszeit entsprechend wandelt.
Die Zeiten richtig brummigen Birkenpollenflugs (Betula) gehen in den kommenden Tagen allmählich zu Ende. Das Belastungsrisiko sinkt Tag für Tag ein Stück weit ab. Am meisten los ist bis zum Ende der Vorhersagewoche im Nordosten und Südosten sowie in den Höhenlagen der Gebirge, also überall dort, wo den Bäumen bisher die wenigste Wärme angeboten wurde. In diesen Gebieten sind demnach weiterhin hohe Belastungen an vielen Tagen möglich. Neuerliche Saisonspitzen sollten nun allerdings Geschichte sein. In allen anderen Regionen streicht die Birke die Segel, wodurch die Betroffenen immer mehr aus der Schusslinie geraten. Der Pollenflug kann hier am Ende des Vorhersagezeitraums gebietsweise sogar schon auf geringe Werte zurückgehen – wo nix mehr aus den Kätzchen zu holen ist, helfen eben auch Sonnenschein und milde Luft nicht mehr weiter.
Eschenpollen (Fraxinus) betreffen vorwiegend noch die küstennahen Regionen, speziell der Ostsee und die höher gelegenen Gebiete im Osten und Südosten. Hier sind bei Sonnenschein stellenweise mäßige Belastungen möglich. Ansonsten werden Eschenpollen ein rares Gut. Nur im Umfeld der neu in Blüte geratenen Blumen-Esche (Fraxinus ornus) sind punktuell mehr Eschenpollen unterwegs. Diese Art kommt nur gepflanzt vor und deren Pollen sind daher ein städtisches Phänomen.
Die meisten Gräser (Poaceae) befinden sich aktuell in der Wachstumsphase. Erste Arten blühen aber bereits. So sind im Westen und Süden auf naturnahen Wiesen mit größeren Beständen des Wiesen-Fuchsschwanzes (Alopecurus) unter Sonnenschein und in milder Luft stellenweise bereits Allergiker-wirksame Pollenkonzentrationen möglich. Abseits der Wiesen fliegen Gräserpollen eher schwach, im Norden und Osten sowie in den Bergen sogar nur vereinzelt.
Buche (Fagus) und Eiche (Quercus) befinden sich in den kommenden Tagen verbreitet in ihrer Hauptblühphase, genau genommen vor allem vom Süden über die zentralen Teile des Landes bis in den Norden und weniger im äußersten Nordosten und in höher gelegenen Gegenden, wo die Entwicklung am weitesten hinterherhinkt. Im äußersten Südwesten und entlang des Rheins sind Buchen und Eichen dagegen schon in der zweiten Hälfte der Saison und damit größtenteils bereits hinter dem Peak. Von vielfach starkem Eichenpollenflug sind unter den vorhergesagten Witterungsbedingungen große Landesteile betroffen, insbesondere die Südhälfte, in der es besonders ausdauernd sonnig und mild bleibt. Die Buchenblüte unterliegt in Blüten- und Pollenzahl großen Schwankungen von Jahr zu Jahr. In manchen Jahren zirkulieren nur wenige Pollen, in diesem wirft sie anscheinend mal wieder alles nach vorne, wie die hohen Werte an den Messstationen im Süden und Westen bisher belegen. Daher sollte man in buchenwaldreichen Gegenden mit starkem Pollenaufkommen rechnen, ansonsten zumindest mit mäßigem. Pollen von Eiche und Buche sind kreuzreaktiv zu Birkenpollen und führen als „Mitläufer-Allergene“ bei einigen Birkenpollenallergikern zu einer ausgedehnteren Leidenszeit.
Die Platane (Platanus) lädt ihre Pollen in den nächsten Tagen in vielen Städten und Dörfern vom Süden bis in den Norden ab. Dabei kann es für einige Tage zu starkem Pollenflug an Orten mit zahlreichen Platanen kommen. Die Intensität des Pollenflugs kann in „Platanenstädten“ wie Berlin oder Köln durchaus an das Niveau des Birkenpollenflugs während der Birkenblüte heranreichen. In der freien Landschaft oder im Wald ist der Pollenflug dagegen oft nur schwach. Im Südwesten guckt man den Platanenpollen mehr oder weniger bereits beim Wegfliegen zu – die Blüte endet, während der hohe Norden, der Nordosten und die Küstenregion die kommenden Tage noch in Erwartung des beginnenden Pollenflugs verbringen dürften.
Die Zeit der Hainbuchenpollen (Carpinus) ist größtenteils vorüber. Letzte Pollenkontingente werden in höher gelegenen Berglagen und im äußersten Nordosten vergeben, wo mäßiger Pollenflug möglich ist. Überall sonst verabschieden sich letzte Pollen im Verlaufe dieser Vorhersagewoche.
Die Zypressengewächse (Cupressaceae) sind nur noch mit wenigen Arten aktiv. Daher nimmt die Wahrscheinlichkeit für starken und selbst für mäßigen Pollenflug allgemein ab. Die berühmte Ausnahme von der Regel stellen blühende Wacholderheiden (Juniperus) dar, die zu dieser Jahreszeit und auch später im Mai noch einmal für einen letzten Schwung im Pollenflug sorgen können.
Weidenpollen (Salix) fliegen gering bis mäßig. Noch sind nicht alle Weidenarten verblüht. Das Ende der Saison ist aber absehbar, insbesondere im temperaturbegünstigten Südwesten.
Der windblütige Eschenahorn (A. negundo) ist inzwischen weiträumig abgeblüht. Damit spielen Ahornpollen unter den Baumpollen kaum noch eine Rolle.
Die Blüte von Kiefern (Pinus) und Fichten (Picea) hat am Rhein begonnen. Der Pollenflug gewinnt dort nun rasch an Dynamik. Die großen, mit bloßem Auge erkennbaren Pollen dieser beiden Gattungen sorgen damit wieder für den alljährlichen „Schwefelregen“, der sich als gelblicher Sedimentschleier niederschlägt und Autoscheiben, Gartenmöbel und Fensterbänke „verschmutzt“. Abseits des Rheins beginnen zumindest örtlich erste Bäume zu blühen und mit ihren Pollen zu grüßen.
Die Rapsblüte (Brassica) erreicht ihren Höhepunkt. Im Umfeld der Felder ist teils starker Pollenflug möglich, ansonsten zumindest gelegentlich schwacher oder mäßiger.
Ein ganzes Potpourri weiterer Pollenarten fliegt vereinzelt oder nur lokal begrenzt in größerer Zahl. Dazu gehören Pollen von Ampfer (Rumex), Binsen- (Juncaceae) und Brennnesselgewächsen (Urticaceae), Flügelnuss (Pterocarya), Ginkgo (Ginkgo), Hopfenbuche (Ostrya), Löwenzahn (Taraxacum), Maulbeere (Morus), Pappel (Populus), Rosengewächsen (Rosaceae), Rosskastanie (Aesculus), Sauergräsern (Cyperaceae), Spierstrauch (Spiraea), Tanne (Abies) und Walnuss (Juglans).
Der Sporenflug der Schimmelpilze spielt für die Betroffenen in den nächsten Tagen keine Rolle. Warnungen sind daher nicht nötig.
Matthias Werchan, 22.04.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
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