Die Sommerluft zieht ab und nimmt die Pollen gleich mit.
Die erste Herbstwoche des Jahres ist vorbei, entsprach temperaturmäßig allerdings nur anfangs (Donnerstag und Freitag) der Jahreszeit. Danach wurde der Schalter noch einmal auf Sommer umgelegt, mit insbesondere in der Süd- und Westhälfte zahlreichen neuen Temperaturrekorden für die dritte Septemberdekade und selbstredend viel Sonnenschein und anhaltender Trockenheit. Pollen und Schimmelpilzsporen nahmen am Rekordversuch nicht teil, trotz geradezu idealer Flugbedingungen. Bemühungen waren aber erkennbar. So begleiteten die Abschiedstour des Hochsommers noch einmal viele der dem Sommer zugehörigen Pollenarten. In sehr bescheidenem Maße und damit wohl ohne allergologische Relevanz traten Gräserpollen, Pollen von Ampfer, Beifuß, Brennnessel- und Gänsefußgewächsen oder Wegerich auf. Etwas auffälliger zeigte sich noch einmal Ambrosia. Seit Montag (28. September) wurden mit südöstlichen Winden zusätzliche Pollen in den äußersten Osten und Nordosten Deutschlands verfrachtet. Dort führten sie zu großflächig geringen, stellenweise auch knapp mäßigen Belastungen. Den Rest des Landes trafen nur sehr vereinzelt Ambrosiapollen. Eher dem frühen Herbst zugehörig sind Zedernpollen, die sich dann auch das schöne Spätsommerwetter zunutze machten und stellenweise recht zahlreich umherflogen, lokal möglicherweise auch mit starkem Pollenflug. Zedernpollen gelten hierzulande allerdings nicht als Allergiebringer. Einzelne Pollen wurden durch Efeu, Knöterichgewächse, Kreuzblütler, hier vor allem Senf, insektenbestäubte Korbblütler und Zypressengewächse beigesteuert. Räumlich eng begrenzt können die genannten Pollenarten auch in höherer Zahl aufgetreten sein. Das sonnig-warme Wetter belebte erneut den Sporenflug. Die erreichten Konzentrationsniveaus blieben jedoch sowohl bei Alternaria als auch bei Cladosporium bis auf wenige Ausnahmen unterhalb der Sporentyp-spezifischen Reizschwelle. Die Sporen von Epicoccum gingen weiterhin reichlich auf Wanderschaft. Dabei wurde mittlerer bis starker Sporenflug verzeichnet. Epicoccum-Sporen waren dabei oftmals ebenso häufig oder gar häufiger in der Luft als Alternaria-Sporen.
Das zu Temperaturrekorden neigende Spätsommerwetter findet nach dem heutigen „Grande Finale“ zunächst in der Westhälfte, ab Freitag (2. Oktober) auch in der Osthälfte ein Ende. Das Ausräumen der Warmluft bringt der ausgedörrten Landesmitte und dem Südwesten erkleckliche Regenmengen. Auf dem Weg nach Osten verhungert das Regengebiet jedoch, sodass an Oder und Neiße wahrscheinlich nur wenige Tropfen ankommen. Danach setzt sich leicht zu mildes und wolkenreicheres Oktoberwetter durch. Niederschläge werden dabei jedoch schnell wieder Mangelware. Für die allerallermeisten Pollenallergiker ist das Leben nun zumindest für einige Wochen schön, da Pollen in den kommenden Tagen ganz allgemein bereits Seltenheitswert bekommen. Bei den Sporen lässt der endgültige Abschied dagegen noch auf sich warten.
Beständiger Pollenflug findet in den nächsten Tagen praktisch nicht mehr statt. Nur einzelne Pollen von Ampfer (Rumex), Wegerich (Plantago), Gräsern (Poaceae), Brennnessel- (Urticaceae) und Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) bemühen sich hier und da noch in die Luft – Allergiegefahr praktisch gleich null.
Auch die zwischenzeitlichen Gastbesuche von Ambrosiapollen (dt. Traubenkraut) aus Südosteuropa enden spätestens am Freitag (2. Oktober), betrafen allerdings auch zuvor nur die Gebiete nordöstlich der Elbe. Danach ist es dort, wie zuvor bereits im großen Rest des Landes, allenfalls das einsame Pollenkorn, das im Wochenverlauf vielleicht noch den Weg in eine Pollenfalle findet.
Die Zedernblüte (Cedrus) hat kurz vor dem Ende der Pollensaison unsere Pollenfallen mancherorts noch einmal mit Blütenstaub „gefüllt“. Das „GeZedere“ geht auch in der aktuellen Vorhersagewoche weiter. Um die in Gärten und Parkanlagen angepflanzten Bäume kann sich unter günstigen Umständen (mild und sonnig) sogar starker Pollenflug entwickeln. Mit größerer Distanz zu den Pflanzen bleibt diese Pollenart allerdings ein unauffälliger Exot.
Weiterhin nicht ausgeschlossen sind einzelne Pollen von Beifuß (Artemisia), Efeu (Hedera), Kreuz- (Brassicaceae) und Korbblütlern (Asteraceae), Knöterichgewächsen (Polygonaceae), Springkraut (Impatiens) und Zypressengewächsen (Cupressaceae). Der Pollenflug der Kreuzblütler erhält im Frühherbst zusätzlich Unterstützung durch die Blüte von Senf (Sinapis) und Ölrettich (Raphanus), die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auch hektarweise blühen können. Damit ist relevanter Pollenflug im nahen Umfeld der Felder möglich. Genauso wie Rapspollen können Senf- oder Rettichpollen bei ausreichend starkem Pollenkontakt in seltenen Fällen Sensibilisierungen und Allergiesymptome hervorrufen.
Hinweis: An Haseln (Corylus), Erlen (Alnus) und Birken (Betula) wird gut sichtbar bereits am Drehbuch für die nächste Pollensaison gearbeitet. Die frisch angelegten Kätzchen stellen momentan allerdings keine Gefahr für die Betroffenen dar – die Pollensäcke bleiben zu.
Der in der vergangenen Woche noch einmal aufgelebte Sporenflug allergener Schimmelpilze verliert sich in der Oktoberluft der kommenden Tage schnell wieder. Ein flächiges Überschreiten der Sporentyp-spezifischen Reizschwelle dürfte nicht mehr auftreten. Betroffene mit einer Allergie gegen Alternaria oder Cladosporium haben kaum noch etwas zu befürchten. Epicoccum-Sporen fliegen weiterhin mäßig, gelegentlich auch stark. Dabei sind vereinzelt Konzentrationen möglich, die oberhalb der für Alternaria-Sporen definierten Reizschwelle liegen. Eine eigene Reizschwelle ist für Epicoccum allerdings nicht bekannt. Über mögliche Kreuzreaktionen zwischen den Sporen von Epicoccum und Alternaria wird in der Fachliteratur jedoch berichtet.
Matthias Werchan, 30.09.2026
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