Vielen Pflanzen geht beim Pollenflug die Puste aus – Zuwächse schafft höchstens noch Ambrosia.
Während der zurückliegenden Vorhersagewoche wehte uns der Wind aus dem Norden Europas einen Hauch Frühherbst ins Land mit kalten Nächten und frischen Tagen. Erst zum Ende drehte der Wind wieder auf südliche Richtungen und restaurierte den Spätsommer. Die Pollen zogen sich gegenüber der Vorwoche an allen Ecken und Enden zurück. Insbesondere die allergenen Pollen des Beifußes wurden im Wochenverlauf immer seltener verstreut, sodass auch die anfangs noch hohen Belastungen im Norden und Osten verschwanden und meist mäßigen oder bereits schwachen Belastungen Platz machten. In der Mitte und vor allem im Südwesten waren insgesamt nur noch wenige Beifußpollen unterwegs. Die zahlenmäßig stärkste “Pollenkraft“ des Spätsommers – die Brennnesselgewächse – verloren ebenfalls massiv und gingen häufig nur noch mit mittleren oder knapp hohen Pollenkonzentrationen an den Start – vorbei ist die Zeit der saisonalen Rekordwerte. Die Hopfenblüte hielt die Pollenkonzentrationen der Hanfgewächse speziell im Norden und Osten anfangs noch auf mittleren Werten, um auch hier im Verlauf mit immer weniger Pollen aufzufallen. Ambrosiapollen traten, wenn überhaupt, eher als Solist auf, denn als Duett, Terzett oder gar als ganzes Ensemble. Eine Ausnahme stellte die altbekannte Ambrosia-Hotspotregion Niederlausitz dar, die weiträumig mit teils hohen Ambrosiapollenbelastungen aufwartete. Von den weiteren krautigen Pflanzen waren mal der Ampfer, mal der Wegerich oder auch mal die Gänsefußgewächse aktiver. Bei diesen Pflanzen kam es gegenüber der Vorwoche zu kaum merkbaren Änderungen. Gräserpollen flogen in geringer Zahl. Selten reichte es für mehr. Je nach Örtlichkeit schlossen sich den Pollen windbestäubter Arten auch Pollen insektenbestäubter Arten an, allen voran der Dolden-, Korb- oder Kreuzblütler. Auch die Sporen bekannter Schimmelpilze wie Alternaria, Cladosporium oder Epicoccum schlugen sich die letzten Tage eher seitwärts in die Büsche als hoch in die Luft, sodass es kaum noch zu nennenswerten Überschreitungen der Sporentyp-spezifischen Warnschwellen kam. Wenn, dann erreichte Alternaria hin und wieder (speziell im Nordosten) warnwürdige Werte. Im Gros des Landes wurde es jedoch ruhig um die Sporen.
In den kommenden Tagen nimmt bei temperaturmäßiger Durchschnittskost die Niederschlagsneigung insgesamt zu. Die Pollensaison schwenkt so langsam auf die Zielgeraden ein. Mengenmäßige Überraschungen zu „später Stunde“ sind beim Pollenflug erst einmal nicht zu erwarten.
Der Beifußpollenflug (Artemisia) nimmt in den kommenden Tagen weiter ab, sodass gegen Ende nur noch wenige Beifußpollen die Luft unsicher machen. Die Hauptblütezeit ist bereits beendet. Weiterhin treten die höchsten Konzentrationen in der Nordosthälfte und im Speziellen in der Nähe zu größeren Beifußbeständen auf. Stellenweise sind dabei im Norden und Osten noch mittlere bzw. punktuell hohe Belastungen möglich, ansonsten eher geringe bzw. keine nennenswerten mehr.
Beim Traubenkraut (lat. Ambrosia) ist die Entwicklung der Blüte, anders als beim Beifuß, noch im Gange. Damit können die Belastungen an trockenen und milden Tagen tendenziell zulegen. Dabei ist es im größten Teil des Landes wie immer: Es sind nur wenige Pollen unterwegs mit entsprechend geringer Belastungswirkung. Den Hauptteil der Pollenlast in Deutschland übernimmt mal wieder der Südosten von Brandenburg mit seinen ausgedehnten Ambrosiabeständen bestehend aus vielen Millionen Pflanzen. Anderswo sind es kleinere oder mittlere Bestände, die beispielsweise für Bayern seit Jahren gut dokumentiert sind und die lokal oder linienhaft (entlang von Straßen) mit einigen Dutzend oder auch mal mehreren hundert oder tausend Pflanzen aufwarten. Auch hier sind dann punktuelle Belastungsschwerpunkte zu setzten, denen man jedoch in der Regel gut aus dem Weg gehen kann, was in der brandenburgischen Niederlausitz kaum noch möglich ist. Südliche Winde können zudem mal in den Westen, mal in den Osten des Landes Ambrosiapollen aus unseren Nachbarländern mit sich führen. Die erhöhte Niederschlagsneigung der nächsten Tage schränkt allerdings die Möglichkeit ausgedehnter Flugmanöver ein, sodass heftige Entwicklungen auf größerer Fläche aus heutiger Sicht unwahrscheinlich sind.
Vom schwächelnden Pollenflug der Brennnesselgewächse (Urticaceae) ist in den kommenden Tagen keine Glanzleistung mehr zu erwarten. Solange es trocken bleibt, können zwar zwischenzeitlich noch hohe Pollenkonzentrationen auftauchen, mehrheitlich ist jedoch eher von mäßigem, an regnerischen Tagen von geringem Pollenflug auszugehen. Die Pollenflugtendenz ist überall klar abwärtsgerichtet.
Die Gräser (Poaceae) belasten vereinzelt und punktuell. Flächendeckend sind jedoch keine spürbaren Belastungen mehr zu erwarten. Zu den Orten, an denen zwischenzeitlich nochmals verstärkt Gräserpollen auftauchen können, gehören aktuell insbesondere Gewässerufer oder größere Feuchtgebieten in denen das Schilfrohr (Phragmites) blüht. Schilfrohr gehört zu den Süßgräsern, mit entsprechenden Folgen für die Betroffenen bei ausreichend starkem Pollenkontakt. Punktueller Pollenkontakt kann innerhalb menschlicher Siedlungen auch durch die gern gepflanzten, fremdländischen Deko-Gräser entstehen, die mit einer späten Blüh- und Pollenflugzeit aufwarten.
Der Pollenflug der Hanfgewächse (Cannabaceae), namentlich Hanf (Cannabis) und Hopfen (Humulus), befindet sich auf absteigendem Ast. Nur an wenigen Stellen sind jetzt noch blühende Pflanzen zu finden. Damit klingt der Pollenflug in der Fläche allmählich aus und zieht sich auf die wenigen Lokalitäten zurück, an denen die Blüte noch nicht abgeschlossen ist. Damit lässt sich einem möglicherweise symptomauslösender Pollenkontakt immer besser ausweichen. Hanfpollen gilt als moderat allergen, Hopfenpollen löst möglicherweise Kreuzreaktionen bei einigen Birken- Beifuß- und Gräserpollenallergikern aus.
Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) halten sich beim Pollenausstoß allmählich zurück. Die Anzahl neu gebildeter Blüten kann die Anzahl der abgeblühten Blüten nicht mehr ausgleichen. Mäßiger Pollenflug tritt daher kaum noch irgendwo auf, ein allergierelevanter Pollenkontakt wird daher immer unwahrscheinlicher. Die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) bleiben aktiv. Der Pollenflug ist in der Fläche gleichbleibend gering, an Orten mit reichem Besatz von Gänsefuß (Chenopodium), Melde (Atriplex) oder Amarant (Amaranthus) aber auch mal stärker. Da die Pollen mancher Arten der Gänsefußgewächse nachweislich allergen sind, können Allergiesymptome nicht ausgeschlossen werden. Vermeidet man dann den direkten Kontakt mit diesen Pflanzen bzw. deren direktes Umfeld, sind die Pollenkonzentrationen wahrscheinlich größtenteils zu niedrig für (starke) Allergiereaktionen.
Pollenarten, die weiterhin oder erstmals in kleiner Zahl messbar sein können, gehören zu Efeu (Hedera), Heidekrautgewächsen (Ericaceae), Löwenzahn (Taraxacum – Cichorioideae) und Zypressengewächsen (Cupressaceae). Zahlreich, aber größtenteils nachlassend, blühen insektenbestäubte krautige Pflanzen, wie Dolden- (Apiaceae), Kreuz- (Brassicaceae) und Korbblütler (Asteraceae). Die Kreuzblütler bekommen jedoch zusätzlich Unterstützung durch die Blüte des Senfs (Sinapis), welcher „Raps-gleich“ auch mal auf größeren Flächen zur Gründüngung angebaut wird und dann zu möglicherweise relevantem Pollenflug im Umfeld führt. Pollen von Raps und Senf kann bei ausreichend starkem Pollenkontakt Allergiesymptome hervorrufen. Einzelne Pollen steuern auch die Röte- (Rubiaceae) und Knöterichgewächse (Polygonaceae), das Springkraut (Impatiens) oder die Büschelblume (Phacelia) bei. Auch Blumensträuße in der heimischen Stube können zu Allergiesymptomen führen, speziell bei Sträußen mit Korbblütlern, wie der Goldrute (Solidago). Die Pollen verschiedener Korbblütler-Arten können untereinander kreuzreaktiv sein, sodass am ehesten Beifuß- oder Ambrosiapollenallergiker Leidtragende sind.
Der Sporenflug der Schimmelpilze ist durch die verbreitet langanhaltende Trockenheit zur Ruhe gekommen. Im Zuge der allmählichen „Wiedervernässung“ in den kommenden Tagen und bei teils knapp sommerlichen Temperaturen können die Sporenkonzentrationen insbesondere von Cladosporium wieder etwas zulegen. Ein Überschreiten der Sporentyp-spezifischen Warn- bzw. Reizschwelle ist im Verlauf gebietsweise wieder möglich. Bei Alternaria ist dagegen weniger Belebung zu erwarten. Bis auf einzelne Landstriche in der norddeutschen Tiefebene bewegt sich der Sporenflug voraussichtlich unterhalb der Reizschwelle. Epicoccum-Sporen dürften nach der ruhigeren Vorwoche wieder aktiver werden und nach Regenfällen an trockenen Tagen mit verbreitet mäßigem, lokal starkem Sporenflug aufwarten.
Matthias Werchan, 27.08.2025
*** Wir danken allergyinsider, einem Service von Thermo Fisher Scientific, für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
Zur Wochenpollenvorhersage des PID für die Stadt Berlin gelangen Sie hier.
Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und der Ambrosia für Deutschland finden Sie hier. Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und der Ambrosia in der Luft in Europa finden Sie hier.
Für die Anmeldung unseres wöchentliches Newsletters schreiben Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Anmeldung des PID Newsletters“ an barbora.werchan[at]charite.de Dankeschön!