Mit dem Abschied des Winters kommen die Pollen auch in den Norden – Hasel und Erle sind die ersten.
Während der vergangenen Tage setzte sich die Wetter- und Pollenflugzweiteilung der vorangegangenen Wochen unverändert fort. Ein winterlich kalter Norden und Nordosten profitierte von größtenteils pollenarmer bis pollenfreier Luft, während im deutlich milderen Westen, Südwesten und Süden die Pollen von Hasel und Erle in jeder längeren Regenpause auf Brautschau gingen. Aufgrund des hier beständig unbeständigen Wetters unterlag der Pollenflug starken Schwankungen, erreichte zwischen den Niederschlägen aber schnell mal hohe Konzentrationen und damit hohe Belastungen. Während der momentanen Hauptblütezeit der Hasel sind die Belastungen nicht mehr nur lokaler Natur, sondern werden rasch auf breiter Flur spürbar. Auch die Erle erreichte nun in den wärmsten Ecken des Landes allmählich die Phase der Hauptblüte. Neben Hasel- und Erlenpollen waren in den milden Pollenvorzugsregionen bereits erste Eiben- und Ulmenpollen unterwegs, dazu kleinere Mengen von Pollen der Zypressengewächse. Bei den Sporen der Schimmelpilze war praktisch nichts los. Hier blieben die Bürgersteige die ganze Zeit über hochgeklappt. Die bisher aufgetretenen geringen Mengen dürften keinen Effekt auf die Betroffenen haben.
Noch während der aktuellen Vorhersagewoche stellt sich die Wetterlage komplett um. Frei nach Goethes Osterspaziergang zieht sich ab dem kommenden Wochenende der alternde Winter, in seine Schwäche, in raue Berge zurück. Selbst im äußersten Nordosten werden Strom und Bäche vom Eise befreit. „Endlich!“ werden die meisten wohl sagen, „Bitte noch nicht!“ manch Allergiebetroffener einwenden. Denn eines ist gewiss: Mit der durchgreifenden Milderung kommt die Natur in Gang, zögerlich noch im Norden und Nordosten, mit größerem Elan von der Mitte aus bis in den Süden und Westen. Damit endet dann bis auf Weiteres die langandauernde Zweitteilung beim Wetter und beim Pollenflug. Bis zum Freitag (20. Februar) bleibt allerdings noch alles beim Alten, selbst strenge Nachtfröste sind nach Osten möglich. Danach, mit Übergang zu „Mild West“, werden zum Wochenende dicke Regenpakete ins Land geschleust, die den Pollenflug ebenfalls noch begrenzen. Gegen Ende der Vorhersagewoche könnten dann kurzzeitig deutlich pollenflugtauglichere Bedingungen herrschen – Sonnenschein und milde Luft im Duett macht’s möglich.
Mit dem Ende der Frostperiode zum kommenden Wochenende setzt die Haselblüte (Corylus) auch im bisher eisigen Norden und Osten ein. Überall im Land werden dann Haselpollen fliegen. Schlimmeres verhindern zunächst die zahlreichen Regenfälle. Sollte es zum vorhergesagten Mildpeak inklusive Sonnenschein gegen Ende der Vorhersagewoche (um den Dienstag, 24. Februar herum) kommen, dürfte verbreitet, vor allem in der Landesmitte und weiter nördlich, sowie im Süden und Südosten, „Pollen satt“ in Umlauf gebracht werden. Erste saisonale Konzentrations- und Belastungsgipfel würden hier erklommen. Auch in der großen Südwesthälfte treten bei längeren Trockenphasen verbreitet mittlere bis hohe Pollenkonzentrationen und damit entsprechende Belastungen auf, die hier dann schon fast ein alter Hut sind. Neu wäre, dass selbst die Berglagen der westlichen Mittelgebirge dann pollenmäßig voll im Trend liegen könnten.
Die Erlenblüte (Alnus) schafft es bis zum Ende der aktuellen Vorhersagewoche noch längst nicht in alle Landesteile. Bevorzugt im Süden, Südwesten und Westen nimmt die bereits begonnene Blüte jedoch weiter Fahrt auf. Erlenpollen werden hier immer mehr zum Bestimmer im Luftraum und lassen die Haselpollen zahlenmäßig hinter sich. Für die Erle gilt ansonsten das gleiche „Pollenflugwetter“ wie für die Hasel – bis Freitag ändert sich beim Pollenflug nicht viel, da weiterhin kalt mit Schnee und Regen, zum Wochenende dann in milder Luft ebenfalls viel Regen, der den Pollenflug dämpft. Gegen Ende der Vorhersagewoche würde ein Vorfrühlingszwischenhoch dann für deutlichen Auftrieb sorgen. Im Zuge dessen käme es in der Südwesthälfte und entlang des Rheins zu saisonalen Belastungsgipfeln! Mit Südwind könnte zumindest ein Teil der emittierten Pollenwolken aus den Blühregionen weiter nach Norden verfrachtet werden und die dortigen Betroffenen ebenfalls mäßig bis stark unangenehm betreffen. Erinnert sei an dieser Stelle an den rekordmilden Februar 2024: Der deutschlandweite Gipfel der Erlenpollensaison lag am heutigen Vorhersagetag bereits hinter uns, und die Belastungen gingen wieder zurück.
In der großen Südwesthälfte kommen im Zuge der andauernden Milde immer mehr Pollenarten „auf den Markt“. Hier beginnt die Eibenpollensaison (Taxus) und während längerer Trockenphasen sind rasch zahlreiche Eibenpollen in der Luft – speziell gegen Ende der Vorhersagewoche. Hohe bis sehr hohe Konzentrationen sind besonders im Umfeld blühbereiter Eiben möglich. Weiter entfernt schwanken die Werte stark, je nach Anzahl bereits aktiver Pollenquellen in der Nachbarschaft bzw. in der Region. In den Norden und Osten gelangen wahrscheinlich erst zum Dienstag erste Eibenpollen. Die dortigen Pollenquellen bleiben vorerst noch verschlossen. Frühe Vertreter fremdländischer Zypressengewächse (Cupressaceae) können ebenfalls gering bis mäßig zum Pollenflug beitragen, zumindest entlang des Rheins und in den umliegenden Gebieten. Die Blütezeit von Pappel (Populus) und Ulme (Ulmus) steht, ebenfalls nur im Südwesten, bevor. Erste blühende Ulmen sind bereits Pollen losgeworden.
Vereinzelt lassen sich Pollen von Ahorn (Acer), Esche (Fraxinus), Weide (Salix) oder Ziergehölzen wie der Kornelkirsche (Cornus mas) detektieren, allerdings – man ahnt es schon – nur im Südwesten und entlang des Rheins. Gerade die Eschenpollen wären aber ihrerseits auch nur Gäste aus dem Süden Europas.
Der Schimmelpilzsporenflug von Alternaria, Cladosporium und Epicoccum macht den Betroffenen mangels Masse weiterhin nichts aus. Die saisonal zeitigen Pleospora können in mild-feuchter Luft hingegen zulegen. Vermutlich bleibt es aber bei geringen Konzentrationen.
Matthias Werchan, 18.02.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
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