Pollenflug zwischen Birken- und Gräsersaison – Eiche, Fichte und Kiefer prägen das Bild
Die zurückliegende Vorhersagewoche war durch markante Wetterwechsel geprägt: von zunächst sonnig-kühl über sonnig-warm am Maifeiertag und am Wochenende hin zu der aktuell feucht-kühlen Witterung. Aber nicht nur wetter-, sondern auch pollentechnisch hatten die letzten Tage einiges zu bieten. So langten vor allem die Baumpollen während der trockenwarmen Tage noch einmal voll zu. Starker Eichenpollenflug dehnte sich mit der warmen Luft endgültig auch bis in den äußersten Norden und an die Küsten aus. Mit Ausnahme einiger Regionen im Südwesten, wo Eichenpollen bereits auf dem Rückzug sind, dürften vielerorts die saisonalen Konzentrationsmaxima erreicht worden sein, die so manchem Birkenpollenallergiker durch starke Kreuzreaktionen unangenehm aufgefallen sein könnten. Der Buchenpollenflug überzeugte vor allem noch in der großen Nord- und Osthälfte, wo ebenfalls saisonale Maxima eingefahren wurden. Von der Mitte nach Süden und Westen kam die Buche allmählich ins Schlingern und die vormals zumindest mäßigen bis teils sehr hohen Pollenwerte gingen merklich zurück. Die Buchenpollensaison erwies sich dieses Jahr als stark und brachte damit deutlich mehr Pollen auf die Beine als im Vorjahr. Der Birkenpollenflug ließ in den letzten Tagen zwar insgesamt nach, erwies sich aber vor allem in weiten Teilen des Nordens und Ostens weiterhin als „zäher Bursche“. Bis zum Einsetzen der großflächigen Niederschläge waren Birkenpollen in diesen Gebieten häufig nochmals in hoher Konzentration unterwegs. Nach Westen und Süden brach der Birkenpollenflug mit Winddrehung auf Süd (zum Maifeiertag) fast vollständig ein und erholte sich seitdem auch nicht mehr. Harmlose Pollen von Koniferen – speziell von Kiefer, gebietsweise auch von Fichte – gingen an allen (halbwegs) trockenen Tagen ebenfalls in großer Zahl ins Netz, anfangs bevorzugt im Süden und Südwesten, später ausgreifend bis in den Osten und die nördliche Mitte. Platanenpollen lagen nur im Norden noch voll im Trend, wobei der stärkste Pollenflug an Städte mit größeren Platanenvorkommen gebunden war. Im restlichen Land waren diese Pollen meist gering bis mäßig häufig, in Rheinnähe sogar kaum noch vertreten. Weitere Baumpollen stammten von Ginkgo, Maulbeere, Rosskastanie, Walnuss, Weide und Zypressengewächsen. Meist wurde während trockener Tage geringer bis mäßiger Pollenflug beobachtet. Lokal können diese Bäume ihre Umgebung aber auch stark mit Pollen beeinflusst haben. Im Südwesten begann zudem der Holunderpollenflug mit geringen Zahlen. Die Blumenesche sorgte stellenweise erneut für etwas Eschenpollen in der Luft, der punktuell zu spürbaren Belastungen geführt haben kann. Exoten wie Amberbaum oder Flügelnuss rundeten diesen, wahrscheinlich letzten bedeutenden Höhepunkt des Baumpollenflugs ab. Neben den Bäumen machten sich die Gräser zu schaffen. In der gesamten Westhälfte und im Süden wurde während des warmen Wochenendes immer häufiger und verbreiteter ein mittleres Belastungsniveau erreicht. Weiter in Richtung der vormals kühlen Nordosthälfte und in den höheren Berglagen blieb das Gräserpollenaufkommen dürftig oder die Luft noch überwiegend Gräserpollen-frei. Im Zuge des auflebenden Gräserpollenflugs im Westen und Süden setzten dort auch krautige Pflanzen mit ihren Pollen erste oder bereits zweite Akzente, allen voran Ampfer, stellenweise auch Brennnessel/Glaskraut und Wegerich. Meist erreichten dabei nur Ampferpollen mal mittlere Werte, sonst blieb es bei geringer Pollenaktivität. Der Sporenflug der Schimmelpilze blieb belanglos gering.
Nach dem Temperaturtief am heutigen Vorhersagetag wird es schrittweise wieder milder und vielerorts auch trockener, wobei das kommende Wochenende (9. und 10. Mai) mit den höchsten Temperaturwerten und den wahrscheinlich höchsten Pollenwerten brillieren wird. In den Folgetagen pfuscht von Nordwesten her erneut Tiefdruckeinfluss und kühle Luft den Pollen ins Handwerk. Wie viel Regen sich am Ende, wo im Land verteilt, ist aktuell noch ungewiss.
Die Birke (Betula) dankt in den kommenden Tagen als bedeutender Allergietreiber endgültig ab. Im Westen und Südwesten ist der Himmel bereits nahezu leergefegt von Birkenpollen. Inländische Exposition findet nur noch vereinzelt in den höchsten Lagen der östlichen und südöstlichen Mittelgebirge sowie in den Alpen statt. Eine gewisse Renaissance könnte der Pollenflug nur im Nordosten bei entsprechender Anströmung der Luft aus Nord bis Ost erleben. Damit würden dort, wie auch in den angesprochenen Gebirgsregionen, weiterhin mäßige Belastungen auftreten, ganz vereinzelt auch starke. In den noch nicht erwähnten Gebieten ist von meist geringem Birkenpollenflug auszugehen. Die Eiche (Quercus) liefert weiterhin Pollen ab, die besonders vom Südosten über die Mitte bis in den Norden in hoher Zahl auftreten können. Zwischen Freitag und Sonntag sind dort mancherorts sogar (erneute) saisonale Konzentrationsmaxima möglich. Weiter nach Westen und Süden sind deutlich weniger Eichenpollen in der Luft, was hier auf die nachlassende Blühaktivität zurückzuführen ist. Trotzdem sind bis zum Wochenende stellenweise nochmals hohe Pollenwerte möglich, speziell in den höheren Berglagen. Die Buche (Fagus) ist in den Tieflagen der Süd- und Westhälfte größtenteils abgeblüht. Größere Pollenkontingente sind in den nächsten Tagen vor allem noch im Nord- und Südosten sowie im Umfeld hoch gelegener Buchenvorkommen in der Luft, wo dann starker Pollenflug möglich ist. Ansonsten stehen meist geringe, stellenweise auch noch mittlere Werte an. Eiche und Buche können die Leidenszeit von Birkenpollenallergikern durch allergische Kreuzreaktionen verlängern.
Neben Eiche machen Kiefer (Pinus) und Fichte (Picea) den mengenmäßig größten Teil des luftgetragenen Pollens der nächsten Tage aus, wobei die Kiefer in fast allen Regionen die Nase vorn hat. Der teils starke Pollenflug kann zu gut sichtbaren gelblichen Ablagerungen auf glatten Oberflächen führen. Nach Niederschlägen ziert der Blütenstaub dann häufig die Ränder von Pfützen. Die allergologisch harmlosen Koniferenpollen können durch ihre Anzahl und Korngröße manchmal zu Fremdkörpergefühlen im Auge führen.
Gräserpollen (Poaceae) fliegen in den nächsten Tagen witterungsbedingt nicht viel häufiger als in der Vorwoche. Es bleibt größtenteils beim alten Bild mit mäßigen Belastungen in größeren Teilen des Westens und Südens, sofern dort das Wetter mitspielt. Stellenweise können die Belastungen dort auch schon hoch sein; Vorsicht also vor naturnahen, ungemähten Wiesenflächen. Weiter nach Osten und Nordosten verstetigt sich der Pollenflug zwar, belastet aber in der Fläche nur gering oder gar nicht. Punktuelle Ausnahmen bilden hier größere Bestände frühblühender Gräserarten. Im Rheinumfeld beginnt allmählich die Roggenblüte (Secale). Erste Roggenpollen treten hier auf. Ampfer (Rumex) und zaghaft Wegerich (Plantago) blühen, insbesondere in den wärmeren Landesteilen im Süden und Westen. Entsprechend kann hier bei trockenem Wetter leichter, bei Ampfer auch mal mäßiger Pollenflug auftreten. Signifikanter Pollenflug der Brennnesselgewächse (Urticaceae) ist erst etwas für den Juni. Dennoch beginnt entlang des Rheins mildes Stäuben, was zu geringen Pollenkonzentrationen führen kann.
Die Platane (Platanus) setzt in den kommenden Tagen nur im Küstenumfeld noch etwas (mehr) Pollen ab. In den meisten Landesteilen ist die Blüte vorbei und der Pollenflug unbedeutend.
Pollen der Zypressengewächse (Cupressaceae) erleben gebietsweise einen letzten Schub, ausgelöst durch den Wacholder (Juniperus). Sobald dieser abgeblüht ist, wird der Pollenflug schwach oder Pollen treten nur noch sporadisch auf.
Die Weiden (Salix) stehen vor dem Ende ihrer Blütezeit. Schwacher Pollenflug ist noch verbreitet möglich, mäßiger nur noch in den besonders kühlen Ecken des Landes sowie lokal in den Bergen.
Die Rapsblüte (Brassica) zeigt von Westen her erste Auflösungstendenzen. Überall, wo die Farben der Rapsfelder allerdings noch gelb leuchten, ist der Rapspollenflug in der weiteren Umgebung schwach bis mäßig, in direkter Feldnähe oder bei Pflanzenkontakt auch stark.
Viele weitere Pollenarten fliegen vereinzelt oder nur lokal begrenzt in größerer Zahl. Dazu gehören Pollen von Ahorn (Acer), Amberbaum (Liquidambar), Binsen- (Juncaceae), Hahnenfuß- (Ranunculaceae) und Rosengewächsen (Rosaceae), Esche (Fraxinus), Flügelnuss (Pterocarya), Holunder (Sambucus), Löwenzahn (Taraxacum), Mädesüß (Filipendula), Maulbeere (Morus), Rosskastanie (Aesculus), Sauergräsern (Cyperaceae), Spierstrauch (Spiraea), Tanne (Abies) und Walnuss (Juglans).
Die Schimmelpilzsporen spielen weiterhin größtenteils in der Kreisliga. Allerdings werden Sporen von Pleospora durch die verstärkten Regenfälle etwas belebt. Auch Cladosporium-Sporen dürften die „Rumdümpel-Phase“ an warmen Tagen nach Regenfällen ebenfalls langsam verlassen.
Matthias Werchan, 06.05.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
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