Auf und Ab beim Pollenflug – Baumpollensaison vielerorts auf dem Höhepunkt.
Die zurückliegende Vorhersagewoche lässt sich wettertechnisch nur unscharf zusammenfassen. Immer wieder zogen kraftlose Regenfronten von links nach rechts und dann wieder von rechts nach links über das Land, wobei grob gesagt der Nordosten den wenigsten und der Südwesten, Westen und Teile der Landesmitte den meisten Regen abbekamen. In der ersten Hälfte der Vorhersagewoche (bis Samstag, 11. April) war es besonders im Südwesten noch deutlich wärmer als im Nordosten, wo es sogar zu deutlichen Nachtfrösten kam. Danach glich sich das Temperaturniveau landesweit nach unten an. Beim Pollenflug dominierte klar die Birke. In der gesamten West- und Südhälfte kam es infolge des anfänglichen Warmluftvorstoßes und der Vollblüte der Birke zu saisonalen Peak-Konzentrationen. Mit den aufziehenden Niederschlägen rutschten ab Sonntag (12. April) nicht nur die Temperaturen in den Keller, auch Birkenpollen waren teils kaum noch auffindbar. Weiter nach Nordosten und im äußersten Norden flogen Birkenpollen insgesamt gleichmäßiger über die Tage verteilt und etwas gemäßigter als im restlichen Land. Hier wurden keine Spitzenwerte registriert; mit Ausnahme des unmittelbaren Küstenumfelds traten jedoch abseits zwischenzeitlicher Regenphasen stetig hohe Belastungen auf. Der Eschenpollenflug war anfangs gebietsweise stark, besonders im Südosten, ließ dann aber insgesamt nach. Meist kam es in allen Landesteilen zu geringen bis mäßigen Belastungen. Die Hainbuche hat vor allem in der Südhälfte im Rausch der milden Frühlingsluft noch einmal ordentlich geliefert. Hier kam es daher anfangs zu hohen Pollenkonzentrationen, die örtlich an das Niveau des Birkenpollenflugs heranreichten. Ganz anders im Norden und Osten, wo Hainbuchenpollen an allen Tagen nur gering bis mäßig häufig vertreten waren. Außergewöhnlich sind weiterhin die Unterschiede in der Vegetationsentwicklung hierzulande. So hasten im Südwesten und entlang des Rheins Buche, Eiche und Platane durch ihre Saison und hinterlassen, so das Wetter es zulässt, bereits seit vielen Tagen hohe Pollenkonzentrationen, saisonale Spitzenwerte inklusive. Mit etwas Abstand von Rhein und Ruhr und insbesondere in der gesamten Nord- und Osthälfte tat sich bei der Blüte und beim Pollenflug dieser Bäume bisher dagegen wenig bis nichts. Zum Ausgleich konnte der Nordosten aber „immerhin“ mit teils mäßigem Ahorn- und schwachem bis mäßigem Pappelpollenflug aufwarten. Größtenteils schwach bis mäßig flogen überall im Land Pollen von Weide und Zypressengewächsen. Geringer Pollenflug von Raps und Walnuss betraf wiederum nur den Westen und Südwesten und exakt null Komma null den Osten und Norden. Lokal kann es in den wärmeren Ecken des Landes auch zu deutlichem Pollenflug von Maulbeere oder Ginkgo gekommen sein – je nach Anpflanzungen vor Ort. Einzelne Pollen stammten von Süß- und Sauergräsern, Spierstrauch, Rosen- und Binsengewächsen, Rosskastanie, Fichte und Ulme. Die Sporen der Schimmelpilze hatten auch während der letzten sieben Tage nichts zu melden. Es bestand kein erhöhter Sporenflug.
In der kommenden Woche wiederholt sich beim Wetter ein wenig das Geschehen der Vorwoche. So sitzt in der ersten Hälfte der Vorhersageperiode milde und freundliche Frühlingsluft am Drücker, die dann zum Sonntag (19. April) und in den Folgetagen durch kühle Polarluft und häufige Niederschläge abgelöst wird. Selbst verbreitete Nachtfröste im Tiefland und Schneeoptionen in den Mittelgebirgen werden von den Wettermodellen aus der Winter-Mottenkiste geholt. Alles in allem „flutscht“ es beim Pollenflug bis einschließlich Samstag (18. April) recht gut. Danach geht das kühle und unbeständige Wetter den Pollen massiv an den Kragen.
Der Entwicklungsstand der Birken (Betula) ist auch in den kommenden Tagen von großen Unterschieden innerhalb des Landes geprägt. Während die Bäume im Südwesten und im Rheinumfeld „ihr Blühgeschäft“ bereits mehr oder weniger verrichtet haben, kommen die Birken in den ländlichen Gebieten im Nordosten gerade erst dick in selbiges. Oder anders ausgedrückt: Während der Birkenpollenflug im Südwesten und Westen bis zum Ende der Vorhersagewoche nicht nur witterungsbedingt abflaut, legt er bis Samstag (18. April) in der nördlichen Mitte und vor allem im Osten und Nordosten in milder Luft merklich zu. Hier sind dann hohe Belastungen bis in den Bereich saisonaler Spitzenwerte verbreitet einzukalkulieren. Dies betrifft auch die Landesmitte und die mittleren Lagen der meisten Gebirge. Später lässt der Birkenpollenflug infolge des Wetterwechsels signifikant nach. Dann sind nicht mehr nur in Rheinnähe überwiegend mittlere Belastungen zu erwarten, sondern häufig auch in vielen anderen Landesteilen. Nur an trockenen Tagen werden in der großen Nordosthälfte die hohen Belastungen rasch zurückkehren.
Die Eschenblüte (Fraxinus) betrifft vorwiegend noch die küstennahen und die höher gelegenen Gebiete der Bergländer. Dort kann man in den kommenden milden Tagen nochmals auf verbreitet mittleren bis stellenweise starken Eschenpollenflug und entsprechende Belastungen treffen. Im übrigen Land ist der Pollenflug schwächer, teils nur noch gering bzw. speist sich in den mildesten Regionen aus der beginnenden Blüte der wärmeliebenden Blumen-Esche (Fraxinus ornus), die zwar überwiegend durch Insekten bestäubt wird, aber zumindest punktuell die Fahne beim Pollenflug mittel- bis hochhalten kann. Ab Sonntag sind dann landesweit überwiegend geringe Eschenpollenbelastungen zu erwarten.
Die Blüte von Buche (Fagus), Eiche (Quercus) und Platane (Platanus) arbeitet sich in den nächsten Tagen allmählich in die (städtischen) Wärmeinseln im Norden und Osten vor und lässt dort die Saison starten. Am schnellsten geht es für gewöhnlich mit der Platane, die ihre Pollen nach Blühbeginn in kürzester Zeit in großer Zahl mobilisieren kann. Dafür kommt diese, inklusive ihrer Pollen, fast ausschließlich gepflanzt in Städten und Dörfern vor, während Buche und Eiche mit ihren Bäumen und Pollen weit verbreitet sind. Solange die milde Luft vorherrscht, ist in der West- und Südwesthälfte durchgehend mäßiger bis starker Pollenflug möglich, während es in der Nord- und Osthälfte erst allmählich bzw. räumlich begrenzt zu ersten Pollenflügen kommt. Der Kaltlufteinbruch in der zweiten Hälfte der Vorhersageperiode limitiert den Pollenflug deutlich, sodass nur vereinzelt hohe Pollenwerte auftreten. Pollen von Eiche und Buche können Birkenpollenallergiker durch Kreuzreaktionen betreffen und deren Leidenszeit über die Birkenblüte hinaus verlängern.
Die Hainbuche (Carpinus) kann ebenfalls für Birkenpollenallergiker relevant sein, macht aber mit ihren Pollen nicht mehr allzu viel Wind. Nur der Norden sowie Nord- und Südosten und höher gelegene Gebiete in der Landesmitte können anfangs noch mit mittlerem oder lokal starkem Pollenflug aufwarten. Ansonsten fliegen meist nur wenige Pollen, nach dem Wetterwechsel zum Sonntag sowieso.
Die Zypressengewächse (Cupressaceae) bleiben aktiv. Je nach Lokalität und Blühzustand der in der Umgebung wachsenden Arten dieser Pflanzenfamilie sind an den anfangs milden Tagen mal geringe, mal mittlere bis hohe Konzentrationen möglich. Ab Sonntag macht der Pollenflug dann Pause.
Pollen der Pappel (Populus) spielen im Südwesten und Westen keine Rolle mehr. Nach Nordosten und in den höheren Lagen der Mittelgebirge ist bei guten Pollenflugbedingungen weiterhin etwas Pappelpollenflug möglich. Die Zeit möglichen starken Pollenflugs ist aber überall vorbei. Der Weidenpollenflug (Salix) ist überwiegend gering bis mäßig, ab Sonntag in kühler Luft vorerst unbedeutend.
Im äußersten Osten bleibt der windbestäubte Eschenahorn (A. negundo) aktiv und ruft bis Samstag teils mäßigen Pollenflug hervor. Ansonsten speisen die gelbblühenden Insektenbestäuber unter den Ahornen geringfügig zusätzlichen Pollen in die Luft ein.
Der Raps (Brassica) blüht an immer mehr Orten auf. Infolgedessen kommt es zu Pollenflug. In typischen Rapsanbaugebieten ist bei gutem Wetter geringer bis mittlerer Rapspollenflug zu erwarten. Im Umfeld bereits voll erblühter Felder treten auch höhere Konzentrationen auf, die vereinzelt allergische Beschwerden hervorrufen können. Im Südwesten und äußersten Westen sind frühe Gräserarten (Poaceae) blühbereit, die lokal gering belasten.
Ein ganzes Potpourri weiterer Pollenarten fliegt vereinzelt oder (bisher) nur örtlich begrenzt in größerer Zahl. Diese Pollen gehören zu Ampfer (Rumex), Binsengewächsen (Juncaceae), Douglasie (Pseudotsuga), Erle (Alnus), Fichte (Picea), Flügelnuss (Pterocarya), Ginkgo (Ginkgo), Hopfenbuche (Ostrya), Löwenzahn (Taraxacum), Maulbeere (Morus), Rosengewächsen (Rosaceae), Rosskastanie (Aesculus), Sanddorn (Hippophae), Sauergräsern (Cyperaceae), Spierstrauch (Spiraea) und Walnuss (Juglans).
Der Sporenflug der Schimmelpilze ist derzeit gefahrlos gering. Allergiebetroffene dürfen sich daher unbeeindruckt zeigen.
Matthias Werchan, 15.04.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
Zur Wochenpollenvorhersage des PID für die Stadt Berlin gelangen Sie hier.
Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen für die Esche, die Birke und die Gräser für Deutschland finden Sie hier. Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen für die Erle, die Birke und die Gräser in der Luft in Europa finden Sie hier.
Für die Anmeldung unseres wöchentliches Newsletters schreiben Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Anmeldung des PID Newsletters“ an barbora.werchan[at]charite.de Dankeschön!