Die Pollensaison ist auf die Zielgeraden – die Sporensaison noch nicht.
Die zurückliegende Vorhersagewoche begann noch einmal hochsommerlich heiß, gefolgt von einem raschen Ausräumen der Hitze bereits am vergangenen Freitag (28. August). Nachfolgend herbstelte es besonders im Norden und Nordwesten, während im Süden und Osten noch der Spätsommer mitmischte. Der Wind blies gerne mal ordentlich und auch der Regen verrichtete hin und wieder sein Geschäft, speziell über dem Nordwesten und über der südlichen Mitte. Die spätsommerliche bis frühherbstliche Pollenausbeute hielt sich im Rahmen. Gegenüber der schon recht schwachbrüstigen Vorwoche kam es nur zu unbedeutenden Rückgängen, die bei Beifuß und Hanfgewächsen in der Nordhälfte noch mit am auffälligsten waren. Beifuß verursachte hier anfangs noch mittlere Belastungen, später mehrheitlich geringe. Pollen der Hanfgewächse zeigten sich nun auch im Norden selten, von Pollenwerten auf mittlerem Konzentrationsniveau war nichts mehr zu sehen. Zuwendung erhielt in den letzten Tagen allerdings Ambrosia in Form herangeführter Pollen, die anfangs mit der Warmluft aus Südosteuropa in den Osten gelangten, später mit Südwestwind aus Frankreich in den Südwesten einflogen. Mithilfe dieser Ferntransporte wurde erstmals in dieser Saison auf größerer Fläche nennenswerter Ambrosiapollenflug registriert. Man könnte gebietsweise sogar von einem oder möglicherweise bereits dem saisonalen Maximum sprechen. So etwas wie ein saisonales Maximum vermeldeten einige Stationen auch für den Pollenflug der Gänsefußgewächse, die derzeit überall in voller Blüte stehen und deren Pollen durch den böigen Wind besser in der Landschaft verteilt werden konnten. Bei Gräsern, Ampfer und Wegerich konnte auch der Wind nichts mehr reißen. Das Pollenaufkommen blieb gering. Insbesondere im Süden und Westen wurden tageweise keine Pollen dieser Pollenarten mehr nachgewiesen. Beständigen Pollenflug mit fast ausnahmslos mittleren Pollenwerten verursachten die Brennnesselgewächse. Ein hohes Pollenflugniveau wurde nicht mehr erreicht, wohl aber ein gewisses Konzentrationsgefälle von Südwest nach Nordost mit den höchsten Werten im Nordosten. Ansonsten fielen an einigen Stationen die Pollen insektenbestäubter Korbblütler auf, die durch den starken Wind beständiger und auch zahlenmäßig häufiger in Erscheinung traten als normalerweise. Mit dem Wind wurden zudem einzelne alte, bereits abgelagerte Kiefern- und andere Baumpollen wieder aufgewirbelt. Bei den Sporen brillierte vor allem noch Cladosporium mit teils deutlichen Überschreitungen des Sporentyp-spezifischen Schwellenwerts zur möglichen Symptomauslösung. Alternaria-Sporen gelang das Überschreiten des Schwellenwerts nur noch an einzelnen Tagen und auch nicht mehr an allen Stationen. Die Konzentrationen von Epicoccum-Sporen lagen ähnlich hoch wie die von Alternaria-Sporen, teilweise auch darüber, und erreichten damit Werte nahe der üblichen saisonalen Maxima.
Meteorologisch hat nun der Herbst begonnen. Das bekommt in den nächsten Tagen erst einmal der hohe Norden Deutschlands mit Regen, Wind und kühler Luft zu spüren. Je weiter nach Süden und Südwesten, umso mehr hält warme und niederschlagsarme Sommerluft dagegen, die zumindest zum Sonntag und Montag auch mal im Norden Fuß fassen kann, bevor die nächsten Störungen von Westen reinrauschen. Die Pollensaison befindet sich auf der Zielgeraden. Selbst die meisten krautigen Pflanzen können kaum noch etwas an Pollen liefern, von Bäumen und Gräsern ganz zu schweigen. Der Sporenflug geht naturgemäß eigene Wege, doch dazu später mehr.
Die Beifußpollenbelastung (Artemisia) ist mit dem Wort „gering“ für alle niederschlagfreien Tage der aktuellen Vorhersagewoche und alle Regionen ausreichend beschrieben und bewarnt. Dass sich um einzelne spätblühende Exemplare mal ein paar mehr Pollen tummeln können, macht den Kohl auch nicht mehr fett. Allergiebetroffene haben in den kommenden Tagen zumindest von dieser Seite der Familie der Korbblütler nichts zu befürchten.
Die „andere Seite“ der Familie gibt sich dagegen noch deutlich umtriebiger. Das Traubenkraut (lat. Ambrosia) steht vielerorts weiterhin in voller Blüte und kann an trockenen Tagen reichlich Pollen freisetzen. Entsprechend sind insbesondere in den bekannten Ambrosiaregionen im Südosten Brandenburgs weiterhin hohe Belastungen möglich. Abseits dieser Region sind die Bestände sehr viel kleiner und fragmentierter. Entsprechend fällt der Pollenflug außerhalb der Niederlausitz deutlich schwächer aus, erreicht nur lokal ein hohes, ansonsten ein geringes Belastungsniveau. Mit zusätzlicher Würze durch Ferntransporte kann in den nächsten Tagen am ehesten der Südwesten rechnen, da mit Südwestwinden Pollen aus den großen Verbreitungsgebieten in Frankreich herangeweht werden können. Am warmen Montag (7. September) könnten bei Südwind möglicherweise auch im Osten angereiste Pollen mitmischen.
Bei den Gräserpollen (Poaceae) gibt es nur rudimentäre Veränderungen gegenüber der Vorwoche, da der Pollenflug ohnehin bereits schwach war und in den kommenden Tagen nicht mehr viel Luft nach unten bleibt. Ausschläge nach oben sind im Umfeld großer Schilfbestände (Phragmites australis) möglich. Diese spätblühende Gräserart ist in ausgedehnten Moorgebieten oder an Gewässerufern heimisch und befindet sich in der Hauptblütezeit. Darüber hinaus existieren weitere spätblühende Gräserarten wie die Blutrote Fingerhirse (Digitaria) oder die Borstenhirse (Setaria), die noch Pollen freisetzen können und insgesamt dafür sorgen, dass die Pollensaison weiter vor sich hin dümpelt.
Der Pollenflug der Brennnesselgewächse (Urticaceae) lässt auch an Tagen mit eitel Sonnenschein allmählich weiter nach. Mittlere Konzentrationen sind an trockenen Tagen zwar noch möglich, werden aber im Verlauf immer häufiger durch geringe Werte ersetzt.
Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) können noch Pollen beisteuern. Die Kraft der Blüte erlahmt allerdings immer mehr. Im „besten Fall“ ist weiterhin geringer Pollenflug zu erwarten, beim Ampfer wird selbst dieser immer seltener. Mögliche allergene Belastungen durch diese Pollenarten gehen damit sukzessiv zu Ende.
Den Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) geht die Puste auch in den nächsten Tagen nicht aus. Bei geeigneten Pollenflugbedingungen sind die für diese Pflanzenfamilie typischen, eher bescheidenen saisonalen Maxima möglich. Nur im Umfeld größerer Ansammlungen von Gänsefuß (Chenopodium) und Co. treten auch mal hohe Pollenkonzentrationen auf. Pollen einiger Arten der Familie der Gänsefußgewächse sind nachweislich allergen und zählen zumindest in Ländern des ariden Südens, z. B. im Nahen Osten, zu den bedeutsamen Allergieauslösern.
Ansonsten lassen sich folgende Pollenarten zu Protokoll geben – diese sind meist nur mit einzelnen Pollen präsent oder spielen sehr punktuell eine Rolle: Efeu (Hedera), Hanfgewächse (Cannabaceae), Heidekrautgewächse (Ericaceae), Kreuz- (Brassicaceae) und besonders auch Korbblütler (Asteraceae), Röte- (Rubiaceae) und Knöterichgewächse (Polygonaceae), Springkraut (Impatiens) oder Zypressengewächse (Cupressaceae). Achtung: Selbstgesammelte Feldblumensträuße sind für Beifuß- oder Ambrosiapollenallergiker nicht immer ganz harmlos. Enthalten sie zahlreiche insektenbestäubte Korbblütler, können deren Pollen in derartiger Menge auftreten, dass sie allergische Kreuzreaktionen auslösen und auf diese Weise auch in Innenräumen für entsprechende Symptome sorgen.
Die Zeit allergener Schimmelpilzsporen ist noch nicht vorüber. Gerade Cladosporium kann sich nach vorangegangenen Regenfällen auch im September noch zu hohen Sporenkonzentrationen hinreißen lassen. So deuten sich nach einem regenreichen Freitag besonders am kommenden Wochenende und teils darüber hinaus von der Mitte bis in den Norden erneute deutliche Überschreitungen der Sporentyp-spezifischen Reizschwelle an. Mit Allergiesymptomen ist daher zu rechnen. Inwieweit auch der trockenere Süden davon betroffen sein wird, muss abgewartet werden. Bei Alternaria lässt die Intensität des Sporenflugs schrittweise nach. Gerade in der Nordhälfte verhindert der anfangs häufige Regen das Erreichen der Reizschwelle. Zu vereinzelten Überschreitungen des Schwellenwertes kann es dort frühestens wieder ab dem Wochenende kommen. Ein x-faches Übertreffen dieses Werts, wie es im Juli und August noch vorkam, wird mit fortschreitender Jahreszeit jedoch selbst unter idealen Flugbedingungen immer unwahrscheinlicher. Epicoccum-Sporen haben Hochkonjunktur. An windigen und milden Tagen ist starker Sporenflug möglich, wobei die Konzentrationen erneut oberhalb der für Alternaria-Sporen definierten Reizschwelle liegen können. Eine eigene Reizschwelle ist für Epicoccum allerdings nicht bekannt. Über mögliche Kreuzreaktionen zwischen den Sporen von Epicoccum und Alternaria wird in der Fachliteratur jedoch berichtet.
Matthias Werchan, 26.08.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
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