Südwinde mischen den Pollenflug neu auf – weniger Birke, mehr andere Baumpollen.
Das Wettergeschehen der letzten sieben Tage lässt sich mit dem Wort anhaltende Trockenheit gut beschreiben, denn es gab deutschlandweit praktisch keinen Regen. Die Sonnenscheindauer lag oftmals am Rande des astronomisch möglichen, nur anfangs lag noch eine zähe Hochnebeldecke über Teilen des Nordens. Bei meist nördlichen bis nordöstlichen Winden spielten die Temperaturen speziell in der Nordhälfte des Landes eher in der 2. Liga, selbst Nachtfröste traten wiederholt auf und hemmten dort das Pflanzenwachstum. Der Pollenflug hatte demnach trotz des trockenen und sonnenscheinreichen Wetters im Norden nicht allzu viel auf den Rippen. Weiter nach Süden war die Luft insgesamt wärmer und der Pollenflug üppiger. So traten in etwa von der Landesmitte bis in den Süden verbreitet und an vielen Tagen hohe Pollenwerte von Eiche und Buche auf. Ganz im Norden und Nordosten hielt sich vor allem die Eiche noch stark zurück, aber auch bei der Buche war hier weniger los. Daneben flogen vorrangig in Städten häufig hohe Konzentrationen von Platanenpollen und im ganzen Land mal mittlere, mal hohe Konzentrationen von Birkenpollen mit den höchsten Werten vom Südosten Bayerns bis in den Nordosten und Norden Meck-Pomms. Mit saisonalen Spitzenbelastungen durch Birkenpollen musste sich allerdings niemand mehr herumschlagen. Andere Pollenarten lagen im Bereich geringer bis mittlerer Konzentrationen, wie etwa Pollen von Weide, Rosskastanie und im Südwesten zunehmend Fichten- und Kiefernpollen. Einen fließenden Übergang von der Birken- in die Gräserpollensaison erlebt aktuell der besonders milde Südwesten und Westen, wo neben den heranfliegenden Birkenpollen aus dem Norden gleichzeitig die Gräserpollen aus lokalen Quellen heraus zu ersten mittleren Belastungen geführt haben. Meist örtlich begrenzt lieferten Esche, Ginkgo, Maulbeere, Raps, Tanne und Walnuss ihre Pollen aus. Stellenweise dürften dabei auch hohe Pollenmengen im Spiel gewesen sein, die aber von unseren Pollenfallen nicht immer erfasst werden können. Im Südwesten tummelten sich zudem erste Ampfer-, Holunder- und Wegerichpollen, womit sich hier bereits der Frühsommer meldet. Pollen von Ahorn, Hainbuche und Zypressengewächsen spielten mangels Masse nur eine (sehr) geringe Rolle im Pollenspektrum. Traditionell ebenso unbedeutend war der Pollenflug der Binsen- und Rosengewächse sowie der Sauergräser. Sporen von Schimmelpilzen ließen sich nur selten blicken und spielten demnach keine Rolle für die Betroffenen.
In den nächsten Tagen stellt sich die Wetterlage komplett um. Aus kühler und trockener Kontinentalluft wird mit Winddrehung auf Süd mir nichts, dir nichts mediterrane Warmluft, die in unseren Breiten aufschlägt. Damit sind zum einen die frostigen Nächte im Nordosten vorerst vorbei, zum anderen besteht die leise Hoffnung auf ein paar Regengüsse, die ab Samstagabend auftreten könnten. Das gehobene Temperaturniveau am Wochenende kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Bis hoch in den Norden sind erstmals Sommertage (Höchstwerte > 25 °C) möglich. Während der warmen Tage nimmt das Ergrünen der Natur seinen Lauf und der Baumpollenflug holt erneut zum Schlag aus.
Beim Birkenpollenflug (Betula) kommt die Winddrehung von Nord auf Süd gar nicht gut an. Der bis einschließlich Freitag mögliche Ferntransport von Birkenpollen aus dem Norden und Osten Europas kommt zum Erliegen. Die wenigen noch aktiven heimischen Bäume in den höheren Berglagen können den Ausfall des innereuropäischen Birkenpollenaustausches nicht kompensieren. Damit geht ab dem Wochenende die Zeit hoher Birkenpollenbelastungen in weiten Landesteilen zu Ende. Im Westen und Süden sind Birkenpollen dann nur noch in geringer Zahl unterwegs. Im Osten und stellenweise in den Mittelgebirgen sowie in den mittleren Lagen der Alpen ist der Pollenflug etwas intensiver, kann örtlich auch noch einmal stark ausfallen, ansonsten zumindest mäßig.
Eschenpollen (Fraxinus) verschwinden ab dem Wochenende größtenteils aus der Luft. Nur das Umfeld der weißblühenden, überwiegend insektenbestäubten Blumen-Esche (Fraxinus ornus) kann punktuell durch Pollen heimgesucht werden. Die Blumen-Esche ist eine wärmeliebende Art, die nur gepflanzt vorkommt. Deren Pollen sind daher meist ein städtisches Phänomen.
Die Gräserpollensaison (Poaceae) beginnt zaghaft entlang des Rheins. Hier sollten sich Gräserpollenallergiker in den nächsten Tagen bereits auf Allergiesymptome einstellen. Speziell im Umfeld der örtlichen Quellen können die Symptome schon recht stark ausfallen. In größeren Gebieten entlang von Rhein und Main sind zumindest geringe bis mittlere Belastungen wahrscheinlich. Von der Mitte bis in den Nord- bzw. Südosten steht die Gräserblüte noch ganz am Anfang. Einzelne Pollen fliegen hier bereits. Belastungen, die tatsächlich zu Allergiesymptomen führen, sollten hier nur sehr punktuell auftreten, etwa auf naturnahen Wiesen mit zahlreichen frühblühenden Gräserarten wie dem Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus). In den höheren Berglagen speziell der Alpen und der östlichen Mittelgebirge ist noch kein Gräserpollenflug zu erwarten. Auf Wiesenflächen im Südwesten hat zudem die Blüte des Ampfers (Rumex) eingesetzt, die hier geringen, ansonsten eher sporadischen Pollenflug mit sich bringt.
Ein Großteil der Pollen stammt in den kommenden Tagen von Buche (Fagus) und Eiche (Quercus). Deutschlandweit blühen diese Bäume. In der Westhälfte und im Südwesten verblüht die Buche allerdings bereits, sodass sich deren Pollen in diesen Regionen schon auf den Rückzug befinden wird. In den meisten anderen Regionen geht die Hauptblüte weiter. Neben geringen bis mittleren Pollenkonzentrationen sind vor allem in den buchenwaldreichen Gegenden recht verbreitet große Pollenmengen in der Luft – momentan sieht es nach einem starken Buchenpollenjahr aus. Die verschiedenen Eichenarten sorgen praktisch überall im Land für oftmals starken Eichenpollenflug. Nur anfangs sind im Osten und Nordosten in kühler Luft noch geringere Werte möglich. Pollen von Eiche und Buche sind kreuzreaktiv zu Birkenpollen und führen als „Mitläufer-Allergene“ bei einigen Birkenpollenallergikern zu einer ausgedehnteren Leidenszeit.
Die Platanen (Platanus) sind in den Städten und Dörfern entlang des Rheins bereits ausgestäubt, wodurch der Pollenflug hier kaum noch Relevanz besitzt. Ansonsten setzt sich die begonnene Blüte vielerorts fort oder beginnt erst noch (äußerster Norden) und kann in Ortschaften mit vielen Platanen zu mäßigem bis starkem Platanenpollenflug führen. In der freien Landschaft ist generell nur geringer Pollenflug zu erwarten.
Kiefern (Pinus) und Fichten (Picea) legen infolge des Warmluftvorstoßes verbreitet los. Der Pollenflug weitet sich in den nächsten Tagen vom Rhein bis in den Osten und Norden aus. Teils vermengen sich dabei Ferntransporte aus dem Süden mit lokal produzierten Pollen. Die größte Pollenschwemme wird sich zunächst über die Südwesthälfte des Landes ergießen. Im Nordosten dauert es nach der kalten Vorgeschichte noch etwas, bis die dortigen Kiefern verbreitet in Blühlaune kommen. Die großen, mit bloßem Auge erkennbaren Pollen dieser beiden Gattungen sorgen jedes Jahr aufs Neue für Aufmerksamkeit, da gelbliche Sedimentschleier Autoscheiben, Gartenmöbel, Fensterbänke und Gewässeroberflächen „verschmutzen“.
Die Zypressengewächse (Cupressaceae) sind nur noch mit wenigen Arten aktiv. Meist ist schwacher Pollenflug zu erwarten. Blühende Wacholderheiden (Juniperus) können aber noch einmal für auflebenden Pollenflug sorgen bis hin zu einem örtlich mittleren oder hohen Niveau.
Weidenpollen (Salix) treten weiterhin auf. Vor allem in der Nord- und Osthälfte sind nochmals verbreitet mittlere Konzentrationen möglich. Weiter nach Süden und Westen blühen aufgrund der fortgeschritteneren Vegetationsentwicklung kaum noch Weiden und der Pollenflug ist entsprechend gering; die Weidenpollen beschränken sich hier zunehmend auf die höheren Gebirgslagen.
Die Rapsfelder (Brassica) erstrahlen unverändert in leuchtend gelben Farben. Überall dort ist im Umfeld teils starker Pollenflug möglich, ansonsten zumindest gelegentlich schwacher oder mäßiger.
Ein ganzes Potpourri weiterer Pollenarten fliegt vereinzelt oder nur lokal begrenzt in größerer Zahl. Dazu gehören Pollen von Ahorn (Acer), Amberbaum (Liquidambar), Binsen- (Juncaceae) und Brennnesselgewächsen (Urticaceae), Flügelnuss (Pterocarya), Ginkgo (Ginkgo), Hain- (Carpinus) und Hopfenbuche (Ostrya), Holunder (Sambucus), Löwenzahn (Taraxacum), Maulbeere (Morus), Rosengewächsen (Rosaceae), Rosskastanie (Aesculus), Sauergräsern (Cyperaceae), Spierstrauch (Spiraea), Tanne (Abies), Walnuss (Juglans) und Wegerich (Plantago).
Die Sporen allergierelevanter Schimmelpilze kleckern weiter, anstatt zu klotzen. Damit haben die Betroffenen in den nächsten Tagen nichts zu befürchten.
Matthias Werchan, 29.04.2026
*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***
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