Aktuelle Wochenprognose des Pollenflugs für Deutschland

Wochenpollenvorhersage Mara

Mittwoch, 08. Juli 2026 - Dienstag, 14. Juli 2026

Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Gänsefußgewächse (Amaranthaceae/Chenopodiaceae)
Ampfer (Rumex)
Wegerich (Plantago)
Esskastanie (Castanea)
Gräser (Poaceae)
Linde (Tilia)
Der Sommer ist die Zeit der krautigen Pflanzen, wozu auch viele insektenbestäubte Arten gehören. © Matthias Werchan

Gräserpollen schwächeln – Schimmelpilzsporen im Aufwind.

Während der zurückliegenden Tage war Deutschland wettermäßig zweigeteilt. Ein warmer bis heißer (Oberrhein) Südwesten stand einem kühlen und wechselhaften Norden und Nordosten gegenüber. Der häufig starke Wind ließ im Küstenumfeld sogar Herbstfeeling aufkommen. 
Nach dem Ende der extremen Hitzewelle kam der Pollennachschub im gesamten Land stärker zum Erliegen als zunächst gedacht. Besonders die Brennnesselgewächse scheinen bei der vorherigen Wärme und Trockenheit stehend k.o. gegangen zu sein. Statt des zuvor prognostizierten Zuwachses rutschten die Werte in den Keller, und das nicht nur im wechselhaft-frischen Norden. An keiner unserer Messstellen erreichten die Werte noch ein hohes Niveau, teils waren nur wenige Pollen dieser Pollenart unterwegs. Auch die Performance der Gräser blieb unterdurchschnittlich für Anfang Juli. Hohe Belastungen wurden nur noch ganz vereinzelt registriert, speziell in der Landesmitte und an ländlichen Stationen. Ansonsten blieb es bei mäßigem oder auch nur schwachem Pollenflug und entsprechend erträglicheren Belastungen. Auch bei Ampfer und Wegerich lagen die Pollenwerte meist niedriger als in der Vorwoche bzw. dem gesamten Vormonat und erreichten nahezu ausschließlich ein niedriges Niveau. Bescheiden blieben auch die weiteren Pollenarten. Die Linde kam nur im Norden noch stellenweise über geringe Konzentrationswerte hinaus, die Esskastanie am ehesten im Westen und Südwesten. Der Pollenflug der Gänsefußgewächse zeigte zwar einen zaghaften Aufwärtstrend, mehr als ein etwas regelmäßigeres Auftauchen erster Pollen oder sehr niedriger Pollenflug war aber nicht zu verzeichnen. Der Vollständigkeit halber seien die einzelnen Beifußpollen erwähnt, die ebenfalls flogen, sowie Pollen von Dolden- und Korbblütlern, Röte- oder Zypressengewächsen, Götterbaum, Hanf, Kiefer und anderen, die ebenfalls den uns umgebenden Luftraum zierten. Zusammengenommen zählte die vergangene Vorhersagewoche zu den belastungs- bzw. pollenärmsten der vergangenen vier Monate. 
Bei den Sporen der Schimmelpilze ging es um einiges geschäftiger zu als bei den Pollen. Alternaria-Sporen überschritten nun regelmäßiger, aber nicht täglich (unbeständiges Wetter in der Nordhälfte) die Warnschwelle. Es kam jedoch stellenweise zu ersten markanten Konzentrationssprüngen infolge des Beginns der Getreideernte, so z. B. am vergangenen Donnerstag und Freitag (2. und 3. Juli) an der Station Chemnitz. Cladosporium-Sporen segelten mengenmäßig mal unter, mal (deutlich) über der Warnschwelle – es ist jetzt einfach Sporenzeit und mit Sporenflug zu rechnen. Epicoccum-Sporen flogen schwach bis mäßig. Nennenswerte Zuwächse gab es bei diesem Sporentyp in den letzten Tagen also nicht.

Sommerwetter für alle zieht ein. Von der Mitte bis in den Norden sind es in den nächsten Tagen die angenehm warmen bis hochsommerlichen warmen Temperaturen, im Süden und Südwesten gehen die Werte in den heißen Bereich. Sehr mager bleibt der Niederschlagsoutput. Für die meisten könnte es eine komplett trockene Woche werden. Biogene Stäube aka Pollen und Sporen finden damit landesweit gute Bedingungen für längere Ausflüge.

Das Pollenaufkommen der Gräser (Poaceae) ist durch das rasche Abblühen oder Verdorren vieler Gräser (man erinnere sich an die große Hitze Ende Juni) bereits unerwartet stark zurückgegangen. In den nächsten Tagen sind demnach, selbst unter den dann vielerorts hervorragenden Pollenflugbedingungen, keine großen Sprünge mehr zu erwarten. Um die rote Warnfarbe hervorzuholen, muss man sich schon an besondere Orte bemühen. Dazu zählen vor allem die höheren und hohen Lagen der Alpen (Almwiesen), schattig-feuchte Wiesen und Gewässerrandstreifen – ungemäht und mit spätblühenden Gräsern bestückt sowie lokal auch lichte Stellen im Wald mit Gräserbesatz. Nicht zu vergessen die unmittelbare Umgebung blühender Maisfelder (Zea). Die Maisblüte hat im Südwesten eingesetzt und breitet sich von dort rasch nach Norden aus. Abseits von den genannten Orten lebt es sich unter den vorherrschend geringen bis mäßigen Belastungen für Gräserpollenallergiker immer besser. 

Die Durstphase der Brennnesselgewächse (Urticaceae) dürfte so schnell nicht enden. Etwas Zuwachs gegenüber der pollenschwachen Vorwoche ist zwar einzukalkulieren. Eventuell reicht es hier und da auch wieder für hohe Konzentrationen. Eher ist aber von größtenteils mäßigem Pollenflug auszugehen. Immerhin sollte es reichen, um die Gräser „auszustechen“.

Gleichmäßig blühen die Windbestäuber Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago). Der Pollenflug erreicht ein meist geringes bis knapp mäßiges Niveau. Auf größeren Wiesen mit entsprechend umfangreichen blühenden Beständen dieser Gattungen ist örtlich mit starkem Pollenflug zu rechnen. Beim Ampfer ist zumindest im Tiefland die Zeit des stärksten Pollenflugs vorbei. Neue Blüten werden aber bei beiden Gattungen bis in den Spätsommer hinein beständig nachgebildet, zumindest sofern noch genügend Feuchtigkeit zum Wachsen im Boden vorhanden ist.

Die Pollenflugzeit der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae) hat begonnen. Leichter Pollenflug aus dieser Pflanzenfamilie ist möglich. Mehr wird es nur im Umfeld blühender Bestände. Der allergene Beifuß (Artemisia) steckt dagegen noch in der Vorblüte. Das bedeutet, erste Pflanzen geben Pollen ab, die die unmittelbare Umgebung stärker belasten können. Auf größerer Fläche ist der Pollenflug noch schwach oder es ist mit dem sporadischen Auftauchen einzelner Pollen zu rechnen. Von einem verbreiteten Allergierisiko ist daher weiterhin nicht auszugehen. 

Die Baumpollen ziehen sich weiter zurück. Es können aber vor allem im Norden des Landes noch Lindenpollen (Tilia) in mittlerer Zahl fliegen, ansonsten ist schwacher oder sporadischer Pollenflug zu erwarten. Die Esskastanie (Castanea) wartet mit nur wenigen Pollenkörnern auf. Dort, wo noch Bäume blühen, kann der Luftraum im Baumumfeld auch deutlich stärker mit Pollen angefüllt sein. Lindenpollen können bei ausreichend starkem Pollenkontakt bei einigen Menschen zu Sensibilisierungen und spürbaren allergischen Symptomen führen. Pollen der Esskastanien können Kreuzreaktionen bei Birkenpollenallergikern auslösen. 

Zu den oben genannten Pollenarten gesellen sich gelegentlich oder in meist sehr geringen Anteilen folgende Pollenarten: Götterbaum (Ailanthus), Hanfgewächse (Cannabaceae) – aktuell ausschließlich Hanf (Cannabis), Hahnenfuß- (Ranunculaceae) und Rötegewächse (Rubiaceae), Kiefer (Pinus), Löwenzahn (Taraxacum Cichorioideae), Mädesüß (Filipendula) und Zypressengewächse (Cupressaceae). Auch Dolden- (Apiaceae), Korb- (Asteraceae) und Kreuzblütler (Brassicaceae), Natternkopf (Echium) und andere insektenbestäubte Pflanzen können mit einzelnen Pollenkörnern zum Pollenspektrum beitragen. 

Allergene Schimmelpilzsporen liegen voll im Trend. Vor allem bei Alternaria muss man in den kommenden Tagen mit kurzfristig teils stark ansteigenden Sporenkonzentrationen und saisonalen Belastungsspitzen in fast allen Landesteilen rechnen. Das mehrfache Überschreiten des Sporentyp-spezifischen Schwellenwerts zur Auslösung von Allergiesymptomen kann dabei großzügig übersprungen werden. Auch die durch die Getreideernte zerhäckselten Myzelbruchstücke werden weiträumig in der Luft verteilt und tragen, da ebenfalls allergen, zur Belastung bei. Ausgenommen vom Sporenansturm sind zumindest in den ersten Tagen das Küstenumfeld bei den vorherrschend nördlichen Winden und allgemein die höheren Berge sowie das Innere geschlossener Wälder. Cladosporium-Sporen bleiben ebenfalls zahlreich. Deren Schwellenwert liegt zwar deutlich höher als bei Alternaria, es sind aber auch größere Sporenmengen unterwegs. Mit dem häufigen Überschreiten des Schwellenwerts ist zu rechnen. Saisonale Konzentrationsgipfel sind vereinzelt ebenfalls möglich. Auch Epicoccum-Sporen dürften wieder häufiger auftreten. Möglicherweise werden erstmals in dieser Saison hohe Konzentrationen erreicht; wenn nicht, dann zumindest solide mittlere.

Matthias Werchan, 08.07.2026

 

*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***


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Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen für die Gräser und den Beifuß für Deutschland finden Sie hier.
Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen für die Gräser und den Beifuß in der Luft in Europa finden Sie hier.

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