Aktuelle Wochenprognose des Pollenflugs für Deutschland

Wochenpollenvorhersage Laurent

Mittwoch, 17. Juli 2024 - Dienstag, 23. Juli 2024

Beifuß (Artemisia)
Gänsefußgewächse (Amaranthaceae/Chenopodiaceae)
Ampfer (Rumex)
Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Wegerich (Plantago)
Gräser (Poaceae)
Bei der Fahrt durchs Land derzeit ein häufiger Anblick – die Getreideernte, inklusive potenzieller Alternaria-Emissionen, 15. Juli 2024 © Matthias Werchan

Gräserpollenflug verschlankt sich weiter – Schimmelpilzsporen fliegen zahlreich aller Orten.

Durchschnittliches mitteleuropäisches Sommerwetter bestimmte die zurückliegende Vorhersagewoche. Dabei wechselten sich mal warme bis heiße Tage mit mal kühleren Tagen genauso ab wie mal Sonnenschein mit mal kräftigen Regenschauern/Regenfällen. Den Pollenflug führten mit Abstand die Brennnesselgewächse an, deren Pollen an vielen Stationen hoch konzentriert auftauchten, allerdings die in dieser Saison bereits aufgestellte Bestmarken in der Regel verfehlten. Der gefürchtete Gräserpollenflug ließ selbst in den typischen Gräserpollenhochburgen (grünlanddominierte Gegenden im Norden und Süden) deutlich nach und schaffte es dort nur noch mit Mühe über die Schwelle zur hohen Belastung. An einzelnen Stationen kam es jedoch zu einem eingestreuten „Hochbelastungstag“, der ein lokales Phänomen blieb und von umgebenden Stationen nicht abgebildet wurde. Wahrscheinlich sind lokale Einflüsse, wie der Wiesenschnitt oder das Wenden des Heus in der Umgebung der Pollenfalle für diesen Ausschlag auf der Belastungsskala verantwortlich. Beim Mähen kann nochmals reichlich (auch zuvor sedimentierter) Gräserpollen aufgewirbelt werden.
Daneben flogen weitere Pollen krautiger Pflanzen, wobei der Beifußpollenflug küstennah und im Nordosten bereits häufig ein mittleres Belastungsniveau erreichte, ansonsten ein geringes. Ampfer- und Wegerichpollen zeigten keine substanziellen Veränderungen gegenüber den Vorwochen. Bei den Gänsefußgewächsen stieg die Gesamtpollenzahl leicht an, womit deren Pollen nun insgesamt beständiger flogen, teils durchgehend mit geringer Intensität. Der letztwöchige Pollenschub bei der Esskastanie setzte sich nicht weiter fort. Allenfalls geringe Pollenkonzentrationen wurden gemessen. Einzelne Pollen stammten weiterhin von den Hanfgewächsen, Dolden- und Korbblütlern oder diversen anderen insektenbestäubten Pflanzen der Krautschicht.
Jahreszeitengemäße Dynamik herrschte beim Sporenflug von Alternaria und Cladosporium. Häufig wurden die Sporentyp-spezifischen Warnschwellen zur Auslöse möglicher Allergiesymptome erreicht oder (deutlich) überschritten, bei Alternaria besonders oft und verbreitetet in der Nord- und Osthälfte des Landes (Getreide- und Rapsanbau) unter teils erheblichen, intertäglichen Schwankungen der örtlichen Belastungsintensität. Cladosporium nutzte trockenwarme Tage zur Verbreitung und konzentrierte sich ebenfalls mehr auf offene Landschaften im Norden und Osten als auf die waldreiche südliche Mitte des Landes. Sporen von Epicoccum flogen in mittlerer Zahl, vereinzelt auch darüber.

Die Temperaturkurve der nächsten Tage geht zunächst in Richtung Hitze, begleitet von viel Sonnenschein. Spätestens ab Sonntag/Montag kehrt dann wieder kühleres und vor allem in der Nordhälfte wechselhafteres Wetter ein. Entsprechend werden Pollen und Sporen mehr dem Wetter bis Samstag etwas abgewinnen können und sich danach ein Stück zurückziehen.

Gräserpollen (Poaceae) geraten in den kommenden Tagen immer mehr zum Nischenprodukt verglichen mit dem Pollenaufkommen der Vorwochen. Das ist nicht verwunderlich, da zumindest in den tieferen Lagen zum jetzigen Zeitpunkt (Mitte Juli) im langjährigen Schnitt bereits 9 von 10 Gräserpollen der laufenden Saison emittiert, von unseren Pollenfallen eingefangen und anschließend analysiert wurden. Somit ist nun verbreitet eher von geringen bis mittleren, denn von hohen Belastungen auszugehen. Die hohe Belastungsschwelle wird noch an einzelnen Tagen in überwiegend grünlandgeprägten Gegenden (Alpenvorland, Norddeutschland) erreicht oder knapp überschritten, sowie in den höheren Lagen der Alpen, insbesondere dort, wo viel Almwirtschaft betrieben wird. Ansonsten sind hohe Belastungen punktueller Natur und können durch die Grünlandmahd oder das Wenden des Heus entstehen. Auch Orte, an denen viele spätblühende Gräser (wozu auch dekorative Gräser oder Schilfrohr gehören) oder Gräser in zweiter Blüte zusammenkommen, sind weiterhin für hohe Belastungen gut.
Mit der Ausweitung der Maisblüte (Zea mays) sind zusätzlich Maispollen unterwegs. Maispollen sind die Schwergewichte unter den Gräserpollen und daher nicht wirklich reisefreudig.  In blühenden Feldern und in deren direkter Umgebung sind jedoch Belastungen bis auf ein hohes Niveau möglich.

Bei den Pollen der Brennnesselgewächse (Urticaceae) halten sich die Veränderungen gegenüber der Vorwoche in Grenzen. Bis zum Samstag werden Brennnessel (Urtica) und örtlich Glaskraut (Parietaria) weiterhin ihr Äußerstes geben und die Luft mit ihren sehr kleinen und gut flugfähigen Pollen anreichern und mehr Pollen in den Ring schmeißen als alle anderen derzeit herumfliegenden Pollenarten zusammen. Hohe Pollenkonzentrationen sind demnach an den trockenen und warmen Tagen bis Samstag überall möglich. Mit den durchziehenden Regenfällen schwanken die Konzentrationen ab Sonntag und in den Folgetagen erheblich und können zwischenzeitlich auch mal gering ausfallen. Da Brennnesseln buchstäblich an jeder Ecke wachsen, sind auch alle Ecken des Landes vom hohen Pollenaufkommen dieser Gattung betroffen. Glaskräuter sind wärmebedürftiger und bevorzugen überwärmte Orte wie Berlin, wo ein gewisser Prozentsatz der Pollen dieser speziellen Gattung entspringt. Der Anteil, der als (sehr) allergen geltenden Glaskrautpollen in der Luft, kann dennoch nur vage anhand der Größe der Vorkommen geschätzt werden. Eine Differenzierbarkeit zwischen Glaskraut- und Brennnesselpollen ist unter dem Mikroskop nicht möglich. Von Allergien gegen Brennnesselpollen wird ebenfalls berichtet. Trotzdem gelten Brennnesselpollen meist als allergologisch unbedeutend bzw. deutlich weniger auffällig als Glaskrautpollen.

Veränderungen beim Pollenflug von Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) bleiben in den nächsten Tagen marginal. Geringe bis mittlere Pollenkonzentrationen sind durchgehend zu erwarten.

Die allergenen Pollen des Beifußes (Artemisia) sind dieses Jahr recht früh dran. Ein weiterer Aufwärtstrend hin zu verbreitet geringen bis mäßigen Belastungen zeichnet sich – zumindest in den Tieflagen – in den kommenden Tagen ab. Ein flächiges Durchstarten der Blüte ist jedoch noch nicht zu erwarten. An den Küsten und im Nordosten sind schon gebietsweise hohe Pollenbelastungen einzukalkulieren, ansonsten punktuell im Umfeld größerer Bestände mit blühenden Pflanzen.

Die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) blühen mittlerweile recht verbreitet. Ein schwacher Aufwärtstrend ist beim Pollenflug zu erwarten. Viele Pollen werden in der Fläche allerdings kaum fliegen. Der Pollenkonzentrationen bleiben insgesamt gering, mit lokal höheren Werten im Umfeld größerer Pflanzenansammlungen von Gänsefuß (Chenopodium), Melde (Atriplex), Amaranth (Amaranthus) und Co.

Ein paar wenige Pollen der Esskastanie (Castanea) können in den nächsten Tagen noch fliegen. Ansonsten ist an Baumpollen generell nicht mehr viel zu holen.

Weitere Pollenarten, die momentan in kleiner, lokal auch in bedeutsamer Zahl fliegen, gehören zu Binsen- (Juncaceae) und Rötegewächsen (Rubiaceae), Doldenblütlern (Apiaceae), Hanf – Hanfgewächsen (Cannabis Cannabaceae), Korbblütlern (Asteraceae) beispielsweise von der Goldrute (Solidago), Sauergräsern (Cyperaceae) oder Zypressengewächsen (Cupressaceae). Selten sind Pollen von Löwenzahn (Taraxacum Cichorioideae), Kreuzblütlern (Brassicaceae) oder unzähligen weiteren insektenbestäubten Kräutern, wie dem Natternkopf (Echium) in der Luft. Im Südosten von Brandenburg ist leichter bis örtlich mäßiger Pollenflug des Traubenkrauts (lat. Ambrosia) möglich. Ansonsten fliegen Ambrosiapollen vorerst nur vereinzelt.  

Den Sporen allergologisch wichtiger Gattungen von Schimmelpilzen stehen in den nächsten Tagen (weiterhin) alle Türen offen. Die Getreide und Rapsernte ist in vollem Gange und dürfte vor allem die Konzentrationen an Alternaria-Sporen an den trockenen Tagen bis Samstag zu neuerlichen Höhenflügen animieren. Lokal sind dabei saisonale Spitzenkonzentrationen und gebietsweise das mehrfache Überschreiten der Sporentyp-spezifischen Warnschwelle einzukalkulieren. Von den Sporen besonders heimgesucht wird vor allem das gesamte norddeutsche Tiefland einschließlich der Ballungsräume, (etwas) weniger die bewaldeten Gebirgsregionen oder generell die Alpen. Auch der Sporenflug von Cladosporium dürfte sich in den kommenden warmen und sonnigen Tagen intensivieren und oft (weit) oberhalb der Warnschwelle liegen. Saisonale Spitzenkonzentrationen sind auch bei diesem Sporentyp lokal möglich. Epicoccum-Sporen sind in mittlerer bis vereinzelt hoher Konzentration vertreten. Pleospora spielen aktuell keine Rolle in der Außenluft.

Matthias Werchan, 17.07.2024

 

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