Aktuelle Wochenprognose des Pollenflugs für Deutschland

Wochenpollenvorhersage Raphael

Mittwoch, 29. Juli 2026 - Dienstag, 04. August 2026

Beifuß (Artemisia)
Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Ampfer (Rumex)
Gänsefußgewächse (Amaranthaceae/Chenopodiaceae)
Gräser (Poaceae)
Wegerich (Plantago)
Sommerlicher Rain mit fruchtendem Ampfer (Rumex) rechts. © Matthias Werchan

Beifußpollen auf dem Vormarsch – Gräser bleiben Nebensache, Pilzsporen weiter zahlreich.

Aktuell strömt sehr trockenheiße Luft nordafrikanischen Ursprungs ins Land. In den vorhergehenden Tagen dominierte allerdings mehrheitlich normaltemperiertes Sommerwetter mit den höchsten Temperaturen im Süden und Südwesten. Die Hoffnung auf etwas Regen und vorübergehende Linderung der Dürre erfüllte sich zumindest in der Nordhälfte des Landes. Vielerorts blieb es dennoch sehr trocken. Der Pollenflug legte etwas zu; von einem „Höhenflug“ konnte jedoch keine Rede sein. Die Belastungen mit den „klassischen“ allergenen Pollenarten Beifuß und Gräser hielten sich im Großteil des Landes in (engen) Grenzen. Allerdings nahm vor allem im äußersten Norden der Beifußpollenflug zu, sodass es dort zu ersten hohen Belastungen kam, während von der Mitte bis in den Süden leichter Pollenflug auftrat oder gar nur einzelne Pollen flogen. Wie in allen Jahren dominierten die Brennnesselgewächse den Pollenflug des fortgeschrittenen Sommers mit mittleren bis gelegentlich hohen Pollenkonzentrationen. Trotz einer tendenziellen Zunahme gegenüber der Vorwoche bewegten sich die Werte allenfalls im Bereich des jahreszeitlich Üblichen oder darunter. Pollen von Ampfer, Wegerich und Gänsefußgewächsen flogen in geringer bis knapp mäßiger Zahl und damit in einer untereinander vergleichbaren Größenordnung. Nicht selten war deren Pollenaufkommen höher als das der ausgelaugten Gräser. Meist mit nur wenigen Pollen vertreten waren Esskastanie, Hopfen und Hanf, Linde, Kiefer, Zypressengewächse und allgemein insektenbestäubte krautige Pflanzen à la Dolden-, Korb- und Kreuzblütler. Erste Ambrosiapollen wurden ebenfalls gesichtet. 
Der Flug allergener Schimmelpilzsporen blieb bedeutsam. Die Tendenz zur Überschreitung der Sporentyp-spezifischen Warnschwelle nahm bei Cladosporium gegenüber der Vorwoche allerdings ab. Bei Alternaria wurde die Warnschwelle dagegen häufig geknackt und auch mal um ein Mehrfaches überschritten, ohne auch nur annähernd Rekordwerte zu erreichen. Epicoccum-Sporen erreichten ein durchgehend mittleres Konzentrationsniveau. 

Die nächsten Tage sind von einem Auf und Ab zwischen großer Hitze und gemäßigten Temperaturen geprägt. Zum vorläufigen Höhepunkt der Hitze am morgigen Donnerstag zieht zum Nachmittag eine Konvergenzlinie von West nach Ost quer durchs Land. Damit verbunden sind vor allem in der Mitte und im Norden Schauer und Gewitter mit sehr hohem Böenpotenzial. Dadurch können kurzzeitig Massen an Staub, Pollen und Sporen aufgewirbelt werden. Atemprobleme und Allergiesymptome könnten sich dann verstärken. Zumindest wird es nach Durchzug der Böenfront deutlich kühler. Am Freitag und Samstag erreichen Schauer und Gewitter vor allem die Mitte und den Süden. Danach wird es wieder hochdrucklastiger mit großer Wärme in der Südhälfte und „normalen“ Sommertemperaturen im Norden. Abseits etwaiger Böenfronten mit entsprechender biogener Staubanreicherung der Luft hält sich vor allem der Pollenflug im Rahmen. 

Beim Beifuß (Artemisia) wird in den kommenden Tagen die Hauptblütezeit eingeläutet. Mäßige bis zunehmend hohe Belastungen weiten sich vor allem über die gesamte Nordhälfte aus, während es im Süden bei geringen bis mäßigen Belastungen bleibt. Beifuß bewohnt ungepflegte oder brachgefallene Flächen und ist daher häufig an Weg- und Grabenrändern, auf Baustellen und Bahndämmen, Brachflächen und Halden zu finden. Diese Orte sollten Betroffene möglichst nicht ansteuern, da die Belastungen besonders im Umfeld ausgedehnter Beifußbestände schnell mal um eine Größenordnung höher liegen können als nur einen Steinwurf entfernt. Beifuß wächst nahezu überall, wo genügend Freiraum (Licht) ist und es etwas ruhiger zugeht (keine Mahd oder Ähnliches), sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. In den Höhenlagen der Berge ist Beifußpollen rar oder kommt gar nicht vor. 

Bei den Gräsern (Poaceae) passiert nicht mehr viel. Der in der Fläche schwache und nur noch selten Allergiesymptome hervorrufende Pollenflug setzt sich fort. Auf naturnahen, ungemähten Wiesen mit genügend Feuchteversorgung, auf hochgelegenen Almwiesen und in der unmittelbaren Umgebung „exotischer Dekogräser“ wie Chinaschilf (Miscanthus) können jedoch noch größere Pollenmengen auftreten und in der ansonsten pollenarmen Luft weiterhin Allergiesymptome auslösen. 
Hinzu kommt der vielerorts blühende Mais (Zea), der ebenfalls zu den Gräsern gehört und reichlich Pollen freisetzt. Die großen und gewichtigen Maispollen gehen allerdings meist schon im Umfeld der Felder wieder zu Boden und machen daher trotz ausgedehnter Anbauflächen keinen allzu großen Schaden. 

Die Brennnesselgewächse (Urticaceae) sorgen für das sommerliche Grundrauschen im Pollenflug. Sie behaupten auch in den kommenden Tagen ihre Spitzenposition im Pollenspektrum. Abseits von Schauern und Gewittern ist der Pollenflug somit oft stark, ohne jedoch auf Rekordjagd zu gehen. Im dürregeplagten Westen ist insgesamt weniger los als im Osten und Norden. Hier gibt man sich meist mit mittleren Konzentrationen zufrieden. 

Bei Ampfer (Rumex), Wegerich (Plantago) und Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) ist beständig schwacher Pollenflug zu erwarten. Je näher man den blühenden Pflanzen kommt, umso mehr ist die Luft mit Pollen geladen. Dabei können dann auch hohe Konzentrationen mit Allergierelevanz auftreten. 
Insbesondere beim Wegerich wird in Deutschland immer wieder mal von Allergiesymptomen durch einen (engen) Kontakt zu blühenden Pflanzen berichtet. Beim Ampfer ist über mögliche unangenehme Begleiterscheinungen des Pollenflugs in Deutschland kaum etwas bekannt. Allergiesymptome lassen sich jedoch nicht völlig ausschließen. Pollen einiger Arten der Familie der Gänsefußgewächse sind nachweislich allergen und zählen zumindest in Ländern des ariden Südens, z. B. im Nahen Osten, zu den bedeutsamen Allergieauslösern. 

Bei den Hanfgewächsen (Cannabaceae) schließt sich der weit verbreitete Hopfen (Humulus) dem örtlich angepflanzten oder verwilderten Hanf (Cannabis) in der Blüte an. Auch nach der Legalisierung von Cannabis bleibt der Hopfen der eigentliche Pollentreiber innerhalb der Hanfgewächse. Sobald also die Blüte des Hopfens beginnt, sind Pollen dieser Pflanzenfamilie auch mal in größerer Zahl in der Luft. In den nächsten Tagen ist aber mit der gerade erst einsetzenden Blüte eher zaghafter Pollenflug zu erwarten. 

Das Traubenkraut (lat. Ambrosia) befindet sich größtenteils in der Wachstumsphase. Der ganz überwiegende Teil der Blüten ist daher noch geschlossen. Begonnen hat die Blüte aber bei unseren europäischen Nachbarn in Frankreich und Italien. Von dort kann bei entsprechender Windrichtung Pollen in sehr geringer Zahl zu uns geweht werden. In den nächsten Tagen sind daher kaum Belastungen zu erwarten – dafür ist dann später im August und im September noch genügend Zeit. 

Zu den oben genannten Pollenarten gesellen sich gelegentlich oder in meist sehr geringen Anteilen folgende Pollenarten: Esskastanie (Castanea), Kiefer (Pinus), Linde (Tilia) und Zypressengewächse (Cupressaceae). Zahlreich und weit verbreitet blühen insektenbestäubte krautige Pflanzen wie Dolden- (Apiaceae), Korb- (Asteraceae) und Kreuzblütler (Brassicaceae), Hahnenfuß- (Ranunculaceae), Heidekraut- (Ericaceae) und Rötegewächse (Rubiaceae), Löwenzahn und Artverwandte (Taraxacum Cichorioideae), Natternkopf (Echium), Büschelblume (Phacelia) und weitere, die mit einzelnen Pollenkörnern zum Pollenspektrum beitragen. 

Das Aufkommen allergener Schimmelpilzsporen bleibt weiterhin hoch. Nach den zwischenzeitlichen Regenfällen und in warmer Luft kann der Sporenflug von Cladosporium gegenüber der Vorwoche erneut zulegen. Saisonale Maxima sind möglich. Bei Alternaria dürften die Sporenkonzentrationen abseits der Regenfälle zumindest in den warnrelevanten Bereich vorstoßen. Stellenweise ist auch bei Alternaria mit sehr lebhaftem Sporenflug zu rechnen. Sporen von Epicoccum erreichen weiterhin größtenteils mittlere Konzentrationswerte. Speziell am morgigen Donnerstag (30. Juli) ist ab dem Nachmittag im Bereich der Böenfront zudem für kurze Zeit mit einer großen Menge Sporenmaterial (Sporen und Pilzhyphen) in der Luft zu rechnen, wodurch Allergiesymptome verstärkt werden können.

Matthias Werchan, 29.07.2026

 

*** Wir danken der Allergopharma GmbH und Co. KG und Thermo Fisher Scientific für die Unterstützung dieser Wochenpollenvorhersage. ***


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Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen für die Gräser und den Beifuß für Deutschland finden Sie hier.
Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen für die Gräser, den Beifuß und das Traubenkraut in der Luft in Europa finden Sie hier.

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