Aktuelle Wochenprognose des Pollenflugs für Deutschland

Wochenpollenvorhersage Oswin

Mittwoch, 17. August 2022 - Dienstag, 23. August 2022

Traubenkraut (Ambrosia)
Beifuß (Artemisia)
Brennnessel (Urtica)
Gänsefußgewächse (Amaranthaceae/Chenopodiaceae)
Gräser (Poaceae)
Hopfen (Humulus - Cannabaceae)
Wegerich (Plantago)
Blütenstand vom Gänsefuß (Chenopodium) im Berliner Stadtzentrum am 10. August 2022. Deutlich sind die gelben Pollensäcke (Antheren) auf den aufragenden Filamenten zu sehen. © Barbora Werchan

Kräuterpollensaison: Wir sind über den Berg! Beifußpollenflug lässt bereits deutlich nach.

Die allermeisten erlebten hierzulande irgendwann während der letzten sieben Tage bei meist warmem und trockenem (mit Ausnahme des Montags) Wetter den Höhepunkt der diesjährigen Kräuterpollensaison. Dabei legte sich insbesondere der Beifuß mächtig ins Zeug und belastete praktisch die gesamte Nordhälfte des Landes stark mit seinen allergenen Pollen, vom regenreichen Montag einmal abgesehen. Die Südhälfte und die Berge kamen mit häufig nur mäßigen Belastungen insgesamt besser durch den diesjährigen saisonalen Peak. Auch die Pollen anderer Kräuter, wie die des Hopfens (+ Cannabis) und der Brennnesselgewächse performten, neudeutsch gesprochen, ordentlich, wobei der Hopfen teils sogar den Beifuß übertraf und damit wohl den diesjährigen Gipfel seiner „Schaffenskraft“ erreichte. Bei den Brennnesselgewächsen berichteten einzelne norddeutsche Stationen sogar von neuen saisonalen Höchstständen. Daneben tauchten Ambrosiapollen etwas häufiger außerhalb des klassischen Verbreitungsschwerpunktes (Niederlausitz) auf. Kräuterpollen von Wegerich und Gänsefußgewächsen kamen ebenfalls weiterhin vor. Gräserpollen flogen schwach oder tauchten nur noch sporadisch auf. Der Sporenflug der beiden allergenen Sporentypen Alternaria und Cladosporium dürfte die Betroffenen weiter beschäftigt haben. Wiederum bevorzugt in den landwirtschaftlich geprägten Gegenden nördlich der Mittelgebirge kam es fast täglich zu Überschreitungen der angenommenen Warnschwellen zur möglichen Symptomauslöse, insbesondere bei Alternaria. Ungewöhnlich hoch waren die gemessenen Werte allerdings nicht. Weiter im Süden, vor allem in waldreichen Mittelgebirgsgegenden und im Alpenraum tingelten insgesamt (deutlich) weniger Sporen durch die Gegend, Überschreitungen der Warnschwellen blieben teils gänzlich aus.

Nach den derzeitigen Modellrechnungen könnte das Wetter bis zum Wochenende für einige Landesteile, wie den Südosten, Nordosten und hoffentlich noch einige mehr tatsächlich nennenswerten Regen bringen. Damit würde die extreme Dürresituation zwar nicht beendet aber immerhin stellenweise gelindert – man wird ja bescheiden heutzutage. Bis zum Ende der aktuellen Vorhersageperiode kehrt allmählich das vorherige Muster mit hohem Luftdruck, Wärme und Trockenheit zurück. Pollen und Sporen werden also anfangs effektiv ausgewaschen, um in der neuen Woche wieder zurückzukehren, erreichen aber (bis auf Ambrosia) die alten Höchststände nicht mehr.

In den kommenden Tagen geht dem Beifuß (Artemisia) beim Pollenflug recht zügig die Luft aus. Zwar können mittlere Belastungen im Osten und Norden ab dem Wochenende wieder auftreten, vorher macht der Regen hier jedoch erst einmal Tabula rasa. Für verbreitet hohe Belastungen dürfte es danach kaum noch genügend Material – sprich blühende Pflanzen – geben. Im Süden und Westen sind selbst mittlere Belastungen immer weniger wahrscheinlich und beschränken sich auf die Umgebung größerer Beifußbestände, in denen sich noch blühende Pflanzen verstecken. Ansonsten treffen die Betroffenen hier allenfalls auf schwachen oder sporadischen Beifußpollenflug. So oder so, das Gros der Beifußpollen ist hierzulande bereits durch.

Mehr Beachtung kann oder sollte man, auch als Beifußpollenallergiker (Kreuzreaktionen), ab der kommenden Woche, den allergenen Pollen des Traubenkrauts (lat. Ambrosia) schenken. Die Ambrosiablüte gewinnt in den europäischen und deutschen Ausbreitungsgebieten weiter an Fahrt und kann mit der Rückkehr des Sommerwetters für zunehmende Belastungen sorgen. Insbesondere der bekannte deutsche Verbreitungsschwerpunkt dieser invasiven Art, die Niederlausitz im Südosten Brandenburgs, mit teils Millionen von Pflanzen, produziert reichlich Pollen und „verschmutzt“ damit in beträchtlicher Menge die umgebende Landschaft. Anhaltend mittlere bis häufig hohe Belastungen sind dort nach einer regengestützten Entspannung das Maß der Dinge. Auf diese Situation werden sich über die Jahre auch andere Regionen bis hoch nach Norddeutschland einstellen müssen, sofern die weitere Ausbreitung dieser Pflanze nicht verhindert wird. Bevor es so weit ist, hält sich der Ambrosiapollenflug abseits der Niederlausitz jedoch deutlich zurück und erreicht nur lokal Allergiker-problematische Werte im Zusammenhang mit größeren lokalen Beständen. Handelt es sich um mehr als nur ein paar kleinwüchsige Einzelexemplare ist von einer erheblichen Pollenbelastung des nahen Umfelds auszugehen. Ansonsten bleibt es beim Zuflug von Ambrosiapollen aus belasteten Regionen, stellenweise auch aus anderen europäischen Ländern (Frankreich, Ungarn, Ukraine), wenn Wind- und Luftmassentransportrichtung stimmen. Die Vorhersagen hierzu deuten jedoch momentan auf keinen außergewöhnlich intensiven Ferntransport hin.  

In den kommenden Tagen sind die Brennnesselgewächse (Urticaceae) weiterhin „gefragt“, können nach den anfänglichen, regenbedingten Unterbrechungen des Pollenflugs ab dem Wochenende schrittweise in erklecklicher Zahl zurückkehren. Dabei dürften bis zum Ende des Vorhersagezeitraums selbst hohe Konzentrationen wieder verbreitet möglich sein, vor allem in der gesamten Nordhälfte des Landes. Ansonsten sind zumindest mittlere Konzentrationen einzukalkulieren. Die Zeit neuer saisonaler Gipfelpunkte ist nun allerdings vorbei.

Der Pollenflug der Hanfgewächse (Cannabaceae), gemeint ist vor allem der Hopfen (Humulus), dreht nach den Höchstständen der vergangenen Tage nun ebenfalls ins Minus, allerdings geht es insgesamt nicht so weit runter wie beim Beifuß. Die Regenfälle von Donnerstag und Freitag sorgen zunächst für regionale Pollenfreiheit, danach werden wieder Hopfenpollen auftauchen, wobei schwache bis mittlere Belastungen möglich sind. Wo Hopfen noch in größerer Zahl blüht, können durch die stark stäubenden Pflanzen sichtbare Pollenwolken in die Luft abgegeben werden, mit damit einhergehend hohen Pollenkonzentrationen an diesen Orten. Diesen Pollenwolken sollten sich Betroffene mit Verdacht auf eine Sensibilisierung gegen Hopfenpollen besser nicht aussetzten, da hier die Hintergrundbelastung an unseren Messstellen um ein Vielfaches übertroffen werden dürfte. Hopfenpollen wird hierzulande allergologisch wenig beachtet, gilt aber zumindest als potenziell allergen. In Südostasien wird häufig von Sensibilisierungen gegen Hopfenpollen berichtet. Hopfen bevorzugt feuchte, stickstoffreiche Weg-, Wald und Gebüsch-, sowie Gewässerränder, wo dann auch die Belastungsschwerpunkte zu erwarten sind.

Die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/ Amaranthaceae) blühen unverändert weiter. Nach regenbedingter Pollenflugunterbrechung sind ab dem Wochenende mit Rückkehr des Sommerwetters wieder geringe bis vereinzelt mittlere Pollenkonzentrationen im gesamten Land zu erwarten. In der Umgebung größerer Bestände können sich selbst hohe Pollenkonzentrationen aufbauen. Voraussichtlich erst gegen Monatsende werden die Gänsefußgewächse allmählich schlapp machen.
Dann ist auch von Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) nichts relevantes mehr zu sehen. Bis dahin können Wegerichpollen leichten, Ampferpollen sporadischen Pollenflug verursachen.

Der Gräserpollenflug (Poaceae) dümpelt auf sehr geringem, Allergiker-freundlichem Niveau herum. Die vielerorts völlig vertrockneten Wiesen geben einfach nichts mehr her. Einzig die bewässerten Ziergräser in den Gärten oder das klimarobuste Hundszahngras können Pollen in gewisser Weise zum Einsatz bringen. Dann kann es bei Betroffenen punktuell auch für spürbare Symptome reichen.

Zu den oben genannten Pollentypen gesellen sich einige Pollen von spätblühenden, fremdländischen Lindenarten, wie der Henrys Linde (Tilia henryana) oder ein paar Pollen der Zypressengewächse (Cupressaceae). Eine große Anzahl insektenbestäubter Kräuter blüht. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), diversen Korbblütlern (Asteraceae), Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), Doldenblütlern (Apiaceae) und Heidekrautgewächsen (Ericaceae) in unseren Pollenflugmessgeräten und auch überall sonst auftauchen. Deren allergene Relevanz ist aufgrund der sehr geringen Pollenzahl in der Luft in den meisten Fällen unbedeutend oder zumindest deutlich gedeckelt.

Der Sporenflug bricht bis zum Wochenende im Zuge des prognostizierten Niederschlages in größeren Landesteilen deutlich ein, erholt sich aber in den Folgetagen zögerlich, da sich das warme Sommerwetter danach fortsetzt. Die beiden allergologisch bedeutsamen Sporentypen Alternaria und Cladosporium können also weiterhin (auch starke) Symptome bei den Betroffenen auslösen, auch wenn der Höhepunkt des diesjährigen Sporenflugs sehr wahrscheinlich vorüber ist. Sporen von Epicoccum bleiben zwar zahlenmäßig vorerst hinter den vorgenannten Sporentypen zurück, könnten aber aufgrund ihrer insgesamt nicht unbedeutenden Zahl ebenfalls für Allergiesymptome verantwortlich sein.  Der Sporenflug von Epicoccum läuft in der Regel erst in den frühen Herbsttagen zur Höchstform auf.  

Matthias Werchan, 17.08.2022


*** Wir danken der Allergopharma GmbH & Co. KG, der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und des Traubenkrauts (Ambrosia) für Deutschland finden Sie hier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Traubenkrauts (Ambrosia) in der Luft in Europa finden Sie hier.

 

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