Pollenflucht im Urlaub

Patienten mit einer Pollenallergie wissen meist spätestens im zweiten Jahr der Beschwerden, wann am Wohnort die Zeit gekommen ist, in der ihr Pollenschnupfen den Aufenthalt im Freien zur Qual macht.

Es ist ein natürlicher Wunsch, in der betreffenden Pollenzeit im Urlaub an einen Ort zu fahren, der möglichst pollenfrei ist.

Um diesen Ort zu finden, muss man wissen, durch welche Pollen die Allergie ausgelöst wird. Dann kann man unter Beachtung der Blütezeit der landschaftlichen und klimatischen Verhältnisse Orte finden, in denen die entsprechenden Pollen noch nicht, nicht mehr oder nie fliegen.

Diese Orte sollen besprochen werden.

Hohe See

Dies ist bei genügender Küstenferne ein Ort, bei dem Pollenfreiheit zu jeder Jahreszeit angenommen werden kann, dies erfordert Seereisen.

Inseln

Die deutschen Nord- und Ostseeinseln gelten – allen voran Helgoland – als relativ "heuschnupfensicher", weshalb sich auch der Deutsche Allergiker- und Asthmatikerbund hier im Jahre 1897 gründete; die älteste Patientenselbsthilfeorganisation.

Der Pollengehalt der Luft ist aber auf den Inseln stark von der herrschenden Windrichtung abhängig. Bei Landwind können große Pollenwolken vom Festland zu den Inseln transportiert werden, so dass die Beschwerdefreiheit also eng an die Windrichtung gebunden ist.

Küsten

Alle meernahen Küstenlandschaften mit überwiegenden Seewinden sind pollenarm und daher empfehlenswert. Insbesondere der europäische Mittelmeerraum ist küstennah durch eine geringe Belastung mit Gräser- und Birkenpollen ausgezeichnet; damit ist von April bis Mitte Juni eine Ausweichmöglichkeit gegeben. An der Schwarzmeerküste besteht eine ähnliche Vegetation wie in Mitteleuropa und aus dem gebirgigen Hinterland können bei ablandigem Wind erhebliche Pollenbelastungen einsetzen. Durch die südlichere Lage setzt die Blütezeit allgemein etwa 14 Tage früher als in Deutschland ein.

Hochgebirge

Die Pollenbelastung ist in Lagen oberhalb 2000 m Höhe und im alpinen Bereich in der Regel deutlich geringer und die Pollensaison kürzer. So dauert die Gräserblüte dort oben kaum länger als vier bis sechs Wochen (Tiefland über 10 Wochen), kann aber in dieser Zeit genauso intensiv wie in den Tieflagen sein (speziell auf Almwiesen). Baumpollen fliegen oberhalb der Baumgrenze in meist nur geringer Konzentration. Speziell die Belastungsspitzen fallen dort deutlich geringer als im Tiefland aus. Völlige Beschwerdefreiheit ist allerdings in den zentraleuropäischen Hochgebirgsregionen nicht zu erwarten, da Pollen bei enstprechenden Luftströmungen aus den benachbarten (Tiefland-)Regionen heraufgeweht werden können. 

Ausland/Übersee

Im fernen Ausland besteht eine andere Botanik als in Deutschland und zumeist andere Blütezeiten, weshalb meist mit einer Beschwerdefreiheit, z. B. in den USA, gerechnet werden kann. Auf der anderen Seite ist bei längeren Aufenthalten eine Sensibilisierung gegen neue Pollenarten nicht ausgeschlossen, weshalb bei einem erneuten Besuch ein oder zwei Jahre später auch dort Pollenbeschwerden eintreten können.

Binnenland

In Nordeuropa blühen Gräser, Getreide und Bäume generell später. Während Birkenpollen in Skandinavien besonders massiv auftreten können, spielen Kräuterpollen dort kaum eine Rolle. In England überwiegen Gräserpollen und Kräuterpollen, Baumpollen sind etwas im Hintergrund.

Patienten mit einer Gräser- und Getreidepollenallergie müssen wissen, dass sie mit hohen Pollenkonzentrationen rechnen müssen von April bis Juni in den Mittelmeerländern, von Mitte Mai bis Mitte Juni mit einem "Nachläufer" in Mitteleuropa, von Juni bis Juli in Nordeuropa.

Patienten mit einer Birkenpollenallergie können damit rechnen, dass im März die Hauptblüte in Südeuropa im April in Mitteleuropa, im Mai in Nordeuropa und in Gebirgen einsetzt.

In Südwesteuropa, im südlichen Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln fehlen Birkenpollen praktisch. Hasel- und Erlenpollenallergiker rechnen mit Hauptbeschwerden von Januar bis Ende Februar in Nordspanien, Pyrenäen, Balkan, Türkei, von Ende Januar bis März in Mitteleuropa, von März bis April in Nordeuropa.

Beifußallergiker erwarten ihre Beschwerden im Juli in Südeuropa und im August in Mitteleuropa. Nach Westen und Norden (Skandinavien) nimmt die Belastung mit Kräuterpollen deutlich ab.

Der "pollenarme" Urlaub lässt sich unter Beachtung der botanischen und klimatischen Gesichtspunkte also durchaus planen, wenn man weiß, gegen welche Pollen man allergisch ist. Weiter oben haben Sie schon gelesen, dass Veränderungen der Temperatur von Jahr zu Jahr zu unterschiedlichen Blüte- und damit Pollenzeiten führen, weshalb alle angegebenen Zeitpunkte erhöhter oder niedriger Pollenkonzentrationen nur annäherungsweise zutreffen.
Details zum Pollenflug in Europa des Europäischen Polleninformationssystems (epi) finden Sie im Internet unter: www.polleninfo.org

(Textauszug aus: Heuschnupfen – Wenn Pollen krank machen, Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann, Gesundheit in Wort & Bild, Bestell-Nr. 43)