Wochenpollenvorhersage Kay - 10.06.2020

Mittwoch, 10. Juni 2020

Wechselhafte Wetterlage steht an. © LeManna/Shutterstock.com

Auf und ab beim Gräserpollenflug – saisonale Spitzenwerte weiterhin möglich!

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Brennnessel

(Urtica)

Esskastanie

(Castanea)

Linde

(Tilia)

Ampfer

(Rumex)

Gräser

(Poaceae)

Wegerich

(Plantago)

Holunder

(Sambucus)

Kiefer

(Pinus)

 

Das Wetter der zurückliegenden Tage verlief größtenteils recht unspektakulär. Kühle bis maximal mäßig warme Luftmassen mit vielen Wolken und gelegentlichen Regenfällen, die nach Süden auch mal länger andauerten, prägten das Bild. Dementsprechend blieb auch der Pollenflug, insbesondere der der Gräser, fast überall unter seinen jahreszeitgemäßen Möglichkeiten. Mit nur schwachen bis mäßigen Gräserpollenbelastungen verlief die letzte Vorhersagewoche in großen Teilen des Südens bis in die Mitte hinauf durchaus allergikerfreundlich. Weiter nach Norden und Osten hin schien häufiger die Sonne und Regen trat seltener auf. Dort rückten Pollenallergikern an manchen Tagen durchaus beachtliche Gräserpollenkonzentrationen auf die Pelle, die teils neue saisonale Höchstmarken setzten. Bei den Baumpollen waren es besonders die Kiefern, die noch Pollen zu verteilen hatten, viel Staub wurde aber nicht mehr aufgewirbelt.

Auch in den kommenden Tagen kommt der Pollenflug nicht ungeschoren davon. Stärkere Regenfälle und Gewitter suchen Deutschland ab Samstag/Sonntag heim. Vorher kann es auch noch einmal abtrocknen und bei sommerlichen Temperaturen zu einem sprunghaften Anstieg der Pollenbelastungen kommen. Pollenbelastungen gehen zu dieser Jahreszeit ganz besonders durch (Süß-)Gräserpollen (Poaceae) aus. Wir befinden uns mittlerweile im ganzen Land in der Zeit der höchsten Gräserpollenkonzentrationen. Damit können sich an regenfreien Tagen schnell hohe Belastungen in Richtung saisonaler Spitzenwerte einstellen. Folgt anschließend eine Gewitterlage ist auch undefinedGewitterasthma wieder ein Thema. Darauf sind wir auch in den undefinedmedizinischen Hinweisen in unserer letzten Vorhersage eingegangen. In stark versiegelten Innenstädten, innerhalb geschlossener Wälder, an den Küsten bei auflandigem Wind und im Alpenraum oberhalb der Baumgrenze ist die Not der Gräserpollenallergiker unter Umständen deutlich gemindert gegenüber dem „platten Land“ mit großem Grünlandanteil. Der Roggen (Secale), als wichtiger Vertreter der Kulturgräser, ist außer im Norden und in höher gelegenen, kühleren Ecken bereits mehrheitlich abgeblüht und steuert mit seinen Gräserpollen kaum noch zusätzlich zur Gesamt-Gräserpollenbelastung bei.

Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) befinden sich inmitten ihrer langanhaltenden Pollenflugzeit. Die Pollenflug-Tendenz ist daher gleichbleibend. Geringe bis mittlere Pollenkonzentrationen werden von unseren Pollenfallen registriert. Unsere Messgeräte sind auf Dächern installiert, um einen möglichst repräsentativen Überblick über die Pollenflugsituation einer Region zu gewinnen. Daher kann es durchaus sein, dass näher am Boden und damit näher an der Quelle, die Pollenkonzentrationen höher sind und Symptome auftreten die ursächlich auf Wegerich oder Ampfer zurückzuführen sind, wobei Allergien auf Ampferpollen nur sehr selten beschrieben wurden. In Wegerichpollen sind dagegen Allergene detektiert worden, die allergische Reaktionen auslösen können. Diese Reaktionen können leicht als Gräserpollenallergie interpretiert werden, aufgrund der sehr ähnlichen Blühzeit der beiden Pflanzenfamilien. Kreuzreaktionen zur Gräserpollen sind ebenfalls möglich.

Die Pollenproduktion der weit verbreiteten Brennnessel (Urtica) und deren nahen Verwandten, den Glaskräutern (Parietaria), läuft bereits auf Hochtouren, an der Freisetzung der Pollen hapert es allerdings noch. Mehr als ein geringes bis zaghaft mäßiges Pollenflugniveau ist bei den Brennnesselgewächsen in den kommenden Tagen – auch bei guten Pollenflugbedingungen – nicht drin. Von einer möglichen Dominanz im Pollenspektrum, wie im Juli und August, kann also nicht die Rede sein. 

Die Kiefern (Pinus) haben dieses Jahr fleißig Pollen gestreut. Damit ist nun Schluss. In den Tieflagen setzten sich die dortigen Bäume (meist Pinus sylvestris) zur Ruhe, womit die Pollenkonzentrationen auf ein unbedeutendes Niveau fallen. In den Alpenregionen geht der Kieferpollenflug durch die Blüte der Latschenkiefern (Pinus mugo) in eine Verlängerung. Der Einfluss der Kiefernpollen auf Allergiker bleibt hier wie dort unerheblich.

Auch wenn die Baumblüte allmählich zu Ende geht, gibt es noch ein paar interessante Nachzügler: Als erstes zu nennen wäre die Linde (Tilia), die in den kommenden Tagen verstärkt zu blühen beginnt. Die häufig als Straßenbaum gepflanzten aber auch natürlich vorkommenden Linden produzieren Pollen, der bei einigen Pollenallergikern nachweislich Beschwerden hervorruft. Erfreulicherweise sind die Konzentrationen an Lindenpollen in der Luft nie besonders hoch, da vorwiegend insektenbestäubt (Lindenblütenhonig!) – also kein Vergleich mit den Windbestäubern wie Birke oder Erle. Betroffene sollten jedoch längere Aufenthalte unter blühenden Linden meiden. Die Tendenz im Pollenflug ist überall zunehmend. Ein weiterer Nachzügler ist der wärmeliebende und schnell wachsende Götterbaum (Ailanthus), der zwar noch längst nicht überall vorkommt, sich aber in Deutschland rasch ausbreitet. Er ist insbesondere in größeren Städten verbreitet und blüht immer erst im Juni. Der Blühbeginn fällt in diesem Jahr in etwa auf die Monatsmitte. Pollen werden ab diesem Zeitpunkt in kleiner bis mittlerer Zahl freigesetzt. Das zu erwartende Pollenflugniveau entspricht, dort wo diese Baumart verbreitet ist, in etwa dem einer Lindenblüte – auch der Götterbaum ist vorwiegend insektenbestäubt. Die dritte „Spätzünder“-Baumart im Bunde ist die Esskastanie (Castanea). Ihr Pollen kann bei Birkenpollenallergikern zu Kreuzreaktion führen. Reichlich Esskastanienpollen treten südlich der Alpen auf, wo diese Baumart ihren Verbreitungsschwerpunkt hat. In Deutschland sind Esskastanien eher seltene Gesellen. Es gibt meist nur kleinere Anpflanzungen oder einzelne wild wachsende Bäume. Daher sind die kleinen Esskastanienpollen, die wir in Deutschland messen, häufig zugereist aus südlichen Gefilden, wobei dann tage- oder stundenweise hohe Konzentrationen möglich sind. Ansonsten verursachen die heimischen Bäume auf die Fläche gesehen nur einen kleinen Beitrag und geringe Pollenkonzentrationen, wahrscheinlich ohne Einfluss auf Pollenallergiker.

Die Holunderblüte (Sambucus) ebbt allmählich ab, womit auch der Pollenflug insgesamt nachlässt. Etwas länger können sich die Bewohner des Nordens und des höheren Bergland an den duftenden Blütendolden erfreuen. In der Nähe zu noch blühenden Büschen können die Pollenkonzentrationen weiterhin hoch sein, im Allgemeinen bewegen sich die Werte aber auf geringem Niveau oder Holunderpollen kommen nur noch vereinzelt vor.

Weitere Pollenarten, die in der aktuellen Vorhersagewoche in kleiner, teils zunehmender, teils abnehmender Zahl messbar sein können, stammen insbesondere von der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), der Sauergräser (Cyperaceae), der Rosengewächse (Rosaceae) und der Binsengewächse (Juncaceae), von der Birke (Betula), der Fichte (Picea), dem Liguster (Ligustrum), und diversen insektenbestäubten Kräuterfamilien, wie den Doldenblütlern (Apiaceae), den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), den Korbblütlern (Asteraceae) u.a.. Es sind auch erste Pollen der windblütigen Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) in der Luft. In den Alpenregionen ist weiterhin teils bedeutender allergener Erlenpollenflug möglich, ausgehend von dortigen Grünerlenbeständen (Alnus viridis) in den Hochlagen. Es kommt zu lokal hohen Erlenpollenbelastungen. Mit Südwind werden einzelne Grünerlenpollen bis in den Norden Deutschlands verfrachtet.

Schimmelpilze finden in den kommenden Tagen gute Bedingungen für ihr Wachstum. Von den von unseren Messstellen erfassten, bedeutsamen allergenen Schimmelpilzsporengattungen (Alternaria, Cladosporium, Epicoccum und Pleospora) ist die Cladosporium-Zahl an ersten Messstellen bereits vereinzelt in einen warnwürdigen Bereich vorgestoßen, bei dem angenommen werden kann, dass Betroffene Allergiesymptome entwickeln. Allmählich wird sich dieser Trend nun verstetigen. Weniger akut verhält es sich bei Alternaria-Sporen, deren Konzentrationen in der Außenluft aktuell noch kein allergiekritisches Niveau erreicht haben, die absehbar aber ebenfalls Bedeutung erlangen (spätestens mit Beginn der Getreideernte).

Matthias Werchan, 10.06.2020

 

*** Wir danken der Allergopharma GmbH & Co. KG, der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Roggens für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Birke und der Gräser in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

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