Wochenpollenvorhersage Yvonne - 03.06.2020

Mittwoch, 03. Juni 2020

Geöffnete Blüte des Schwingels (Festuca) auf einer Wiese am 03.06.2020 in Berlin © Matthias Werchan

„Pollenflug im Juniwind ändert sich oft sehr geschwind“ – Kaltlufteinbruch verhindert Eskapaden beim Gräserpollenflug

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Brennnessel

(Urtica)

Gräser

(Poaceae)

Holunder

(Sambucus)

Linde

(Tilia)

Wegerich

(Plantago)

Fichte

(Picea)

Kiefer

(Pinus)

 

Für viele Gräserpollenallergiker ist das Leben derzeit kein Ponyhof. Überall blühen die verschiedensten Gräserarten. Dazu kamen in den vergangenen Tagen meistenteils hervorragende Pollenflugbedingungen – dementsprechend stieg der Leidensdruck für die Betroffenen. Besonders hohen Pollenkonzentrationen ausgesetzt waren die Menschen im Südwesten und Westen Deutschlands bis in etwa in die Landesmitte hinein. Pollenzahlen im Bereich saisonaler Spitzenwerte wurden von unseren Messstellen gemeldet. Weiter nach Norden und Osten fiel der Gräserpollenflug schwächer aus – nur an einzelnen Tagen belasteten Gräserpollen stark. Noch besser hatten es die Küstenbewohner. Gräserpollen war hier so spärlich gesät, dass kaum das mittlere Belastungslevel erreicht wurde. Mit dem kräftigen Nordwind sind über Nord- und Ostsee praktisch keine Gräserpollen in das Küstengebiet gelangt. Außerdem hatte die Gräserblüte im kühlen Norden von Deutschland bisher noch nicht richtig „gezündet“. Als Begleiterscheinung des Nordwinds waren insbesondere in den nordöstlichen Landesteilen an mehreren Tagen hintereinander noch einmal Birkenpollen aus Mittelskandinavien zu Gast, die die Luft schwach bis teils sogar mäßig belasteten. Bei den Baumpollen war es einmal mehr die Kiefer, die reichlich Pollen im Gepäck hatte. Besonders der Nordosten von Deutschland bekam noch einmal eine große Hucke ab.

Ab Donnerstag wird uns die die Schafskälte durch die Vorhersagewoche begleiten, wodurch es überall mal kräftiger regnen wird – keine schlechte Nachricht also für Pollenallergiker.

Aktuell vollzieht sich die Hochsaison der (Süß-)Gräserblüte (Poaceae). Auch ganz im Norden und Nordosten fehlt den Gräsern nicht mehr viel, um für potenziell starken Pollenflug zu sorgen. Allerdings verliert die Gräserpollensaison durch das wechselhafte Wetter etwas den roten Faden. Die Belastungen werden in den nächsten Tagen irgendwo zwischen „keine“ an sehr regenreichen Tagen und „hoch“ an trockenen Tagen mit Sonnenschein liegen. Neue saisonal Höchststände im Gräserpollenflug sind am ehesten im Osten zu erwarten. Hier ist es am häufigsten trocken und die Temperaturen drängen nicht ganz so häufig nach einem Wollpullover. Im Nordwesten und Westen laben sich die Gräser am (hoffentlich) reichlichen Nass. Die Pollenkonzentrationen werden hier kaum noch das Niveau der Vorwoche erreichen können. Ebenfalls auf wenig Pollenbelastung treffen Allergiker im Alpenraum (regnerisch und kühl) und auf den Nordseeinseln (ringsum Wasser). Anfangs können die ersten durchziehenden Gewitter nach der anhaltenden Trockenheit und in Verbindung mit hohen Gräserpollenkonzentrationen sogenanntes Gewitterasthma herbeiführen. Hierzu bitte auch die medizinischen Hinweise der heutigen Vorhersage beachten!

Die Blüte der Kulturgräser, allen voran des Roggens (Secale) nähert sich im Südwesten bereits dem Ende entgegen. Im norddeutschen Tiefland ist aktuell der Höhepunkt der Roggenblüte erreicht. Bevor der Regen die Pollen zu Boden spült, sind noch hohe Belastungen durch Roggenpollen möglich. Danach schwächt sich die Roggenblüte und damit die Pollenbelastung von Südwest nach Nordost fortschreitend immer weiter ab. 

Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) blühen verbreitet. Sofern das Wetter es zulässt, können schwache bis maximal mäßige Belastungen durch die Pollen dieser beiden Kräutergattungen hervorgerufen werden. Wegerichpollen gilt als kreuzreaktiv zu Gräserpollen und kann daher entsprechend Sensibilisierte zusätzlich reizen. Die weit verbreitete Brennnessel (Urtica) und deren nahe Verwandten, die Glaskräuter (Parietaria) habe zaghaft mit der Pollenproduktion und -freisetzung begonnen. Aufgrund der pollenflughemmenden Wetterlage der kommenden Tage werden die bisher gemessenen geringen Pollenkonzentrationen vorerst nicht weiter aufgestockt.

Die Kiefernblüte (Pinus) „kommt allmählich in die Jahre“. Auch im Nordosten sinken die vormals sehr hohen Pollenkonzentrationen; erst recht durch die angekündigten Regenfälle. Nach Ende der Schafskälte wird vom alten „Glanz“ der Blüten nicht mehr viel übrig sein. Kieferpollen werden jedoch vermutlich vor allem im (Süd-)Osten und Norden weiterhin die Pollenkomposition der Luft dominieren.

Holunderpollen (Sambucus) können einen Einfluss auf Pollenallergiker haben. Ihr meist schwacher Pollenflug steigert sich in der Nähe zu blühenden Büschen bis auf ein hohes Niveau. Auch in den kommenden Tagen sind in fast allen Landesteilen die großen weißen und duftenden Blütendolden des weit verbreiteten Holunders zu sehen, bzw. nicht zu übersehen.

Die einsetzende Lindenblüte (Tilia) sorgt im Westen bereits für erste Pollen in der Luft. Den überwiegend insektenbestäubten Lindenblüten wird auch vom Wind einiges an Pollen entrissen und durch die Luft verfrachtet. Besonders in der Nähe zu den häufig als Straßenbaum gepflanzten Linden kann der Pollen zu Allergiebeschwerden führen. Betroffene sollten längere Aufenthalte unter diesen Bäumen meiden. In den kommenden Tagen tut sich aufgrund des verhaltenen Temperaturniveaus und der Regenfälle nicht allzu viel. Eventuell kommen ein paar mehr Pollen in die Luft, das Gros der Blüten wird sich erst im Verlauf der kommenden Vorhersagewoche enthüllen. Erst dann ist auch von allergierelevanten Mengen Lindenblütenpollen in der Luft auszugehen. Neben der Linde beginnen auch die beiden wärmeliebenden Baumarten Esskastanie (Castanea) und Götterbaum (Ailanthus) Blüten zu bilden. Ob sich diese schon in den nächsten Tagen öffnen, bleibt abzuwarten. Einzelne Esskastanien- bzw. Götterbaumpollen können im Südwesten und Westen Deutschlands bereits in der Luft sein – je nach Vorhandensein der beiden Baumarten in der Umgebung. Die kleinen Esskastanienpollen können aber auch von bereits blühenden Bäumen im Mittelmeerraum zu uns geweht werden.

Weitere Pollenarten, die in der aktuellen Vorhersagewoche in kleiner, teils zunehmender, teils abnehmender Zahl messbar sein können, stammen insbesondere von der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), der Sauergräser (Cyperaceae), der Rosengewächse (Rosaceae) und der Binsengewächse (Juncaceae), von der Birke (Betula), dem Liguster (Ligustrum), und diversen insektenbestäubten Kräuterfamilien, wie den Doldenblütlern (Apiaceae), den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), den Korbblütlern (Asteraceae) u.a.. In den Alpenregionen ist lokal teils bedeutender allergener Erlenpollenflug möglich, ausgehend von dortigen Grünerlenbeständen (Alnus viridis) in den Hochlagen. Es kommt zu lokal hohen Erlenpollenbelastungen. Mit Südwind werden einzelne Grünerlenpollen bis in den Norden Deutschlands verfrachtet.

Von den von unseren Messstellen erfassten, bedeutsamen allergenen Schimmelpilzsporengattungen (Alternaria, Cladosporium, Epicoccum und Pleospora) hat die Cladosporium-Zahl in den vergangenen Tagen stellenweise ein Konzentrationsniveau in der Außenluft erreicht, dass bei empfindlichen Sporen-Allergikern Symptome hervorzurufen kann. Ein weiterer Konzentrationsanstieg ist  vorerst nicht zu erwarten. Für stärkeren Sporenflug müssten erst einmal wieder trocken(warme) Bedingungen herrschen.

Matthias Werchan, 27.05.2020   

 

Ärztliche Hinweise (Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann)

Liebe Leserinnen und Leser der Wochenpollenvorhersage,

In dieser Vorhersage erfahren Sie, dass sich in den kommenden Wochen zahlreich Gräserpollen in der Luft befinden. Und besonders Gräserpollen können zu einem bemerkenswerten Phänomen führen – dem sog. Gewitterasthma. Was hat es damit auf sich?
In der Luft befindliche Gräserpollen platzen bei einer hohen Luftfeuchtigkeit und es kommt dadurch zum Auftreten sowohl leerer Pollenhülsen als auch zu kleinen allergenhaltigen Partikeln, dem Inhalt der Pollenkörner. Diese Partikel von z.B. 1- 3 µm Größe enthalten auch Allergene der Gräserpollen. Sie stellen für Pollenallergiker eine größere Belastung als die „heilen Pollen“ dar, da sie durch ihre Kleinheit deutlich tiefer in die unteren Atemwege eindringen und deshalb asthmatische Reaktionen auslösen können. Menschen, die üblicherweise durch ihren Heuschnupfen nur Beschwerden an der Nase, im Rachen und in vielen Fällen (um die 80 %) auch Augenbeschwerden, nicht aber asthmatische Symptome (trockener Husten, Gefühl einer Atemenge und Luftnot) haben,  können beim Einatmen dieser kleinen Allergenteilchen plötzlich Asthma empfinden. Ganze Pollen von z.B. 25 µm werden in der Nase abgefangen, gelangen nicht in die Bronchien und können daher kein Asthma auslösen. Glaskrautpollen (Parietaria) aber auch Schimmelpilzsporen, z.B. von Alternaria, können offenbar ähnliche Reaktionen auslösen.

Das Auftreten asthmatischer Beschwerden entsteht am häufigsten unmittelbar vor bzw. während eines Gewitters, das mit Regen und häufig verstärkten Wind einhergeht. Die Pollen, so die bisherige Erkenntnis, werden bei einem Gewitter besonders tief am Boden gehalten und Erreichen hier hohe Konzentrationen.
Gewitterasthma wurde insbesondere in Australien beschrieben, letztmalig besonders stark ausgeprägt im November 2016. Am 21.11.2016 gingen beim Notdienst in Melbourne 2.954 Anrufe ein. Das waren über 1.000 mehr als im Durchschnitt. Insgesamt 332 Anrufer hatten akute respiratorische Beschwerden, im Vergleich zu sonst 52 Fällen. Insgesamt suchten rund 13.000 Personen die Krankenhäuser in Melbourne und der Region Victoria auf – noch nie gab es dort einen solchen Bedarf an Erster Hilfe (mehr als beim Buschfeuer und der Hitzewelle 2009).

In Deutschland ist das Phänomen relativ unbekannt; fragt man aber Heuschnupfenpatienten gezielt nach Beschwerden um ein Gewitter herum, so werden auch bei uns asthmatische Symptome von Betroffenen beschrieben  - aber nur, wenn sie sich im Freien aufhielten, nicht etwa beim Aufenthalt in der Wohnung.
Also – seien Sie aufmerksam bei einem Gewitter, wenn Sie Heuschnupfen haben, lassen Sie den „Pollenblitz“ nicht in Ihre Atemwege.

 

*** Wir danken der Allergopharma GmbH & Co. KG, der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen  der Gräser und des Roggens für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Birke und der Gräser in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

Für die Anmeldung unseres wöchentlichen Newsletters schreiben Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Anmeldung des PID Newsletters“ an barbora.werchan[at]charite.de Dankeschön!

Ihr Team des Polleninformationsdienstes

 

undefinedFacebook

undefinedTwitter

 

 Alle Informationen sind ohne Gewähr.



Aktuelles:

Wochenpollenvorhersage Gabriel - 08.07.2020

08.07.2020

Gräserblüte erlahmt zusehends – Schimmelpilzsporen weiter sehr zahlreich!

Wochenpollenvorhersage Tamara - 01.07.2020

01.07.2020

Buntes Gemisch an Gräser-, Kräuter- und Baumpollen in der Luft – Schimmelpilze belasten stark!

Wochenpollenvorhersage Amadeus - 24.06.2020

24.06.2020

Allmählicher Rückgang der Gräserpollenbelastung voraus.