Wochenpollenvorhersage Thilo - 05.08.2020

Mittwoch, 05. August 2020

Der Beifuß (Artemisia) ist aktuell wichtigster Allergenträger © aga7ta/Shutterstock.com

Kräuter sind nun sehr aktiv – Beifuß lässt die Korken knallen, Höhepunkt der Blüte voraus!

Deutscher

Name

Lateinischer

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Tendenz für die nächsten 7 Tage

Beifuß

(Artemisia)

Hopfen

(Humulus)

Traubenkraut

(Ambrosia)

Ampfer

(Rumex)

Brennnessel

(Urtica)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Wegerich

(Plantago)

 

Während der vergangenen Tage haben sich überall im Land die Kräuter, allen voran der allergene Beifuß, in Stellung gebracht. Die Belastungen mit Beifußpollen wechselten verbreitet von „schwach bis mäßig“ auf „mäßig bis stark“ (mit Ausnahme des regnerischen Alpenrandes). Die Brennnesseln konnten an zahlreichen Messstellen weiter Boden gut machen und stehen konzentrationsmäßig auf ihrem saisonalen Zenit. Dazu flogen viele weitere Pollenarten wind- und insektenbestäubter Kräuter. Auch die Belastung der Luft mit Schimmelpilzsporen blieb zumindest bei Alternaria-Sporen sehr hoch, teilweise durften wir neue Jahreshöchststände an unseren Messstellen begrüßen. Nicht (mehr) ganz so hoch waren dagegen die Werte für Cladosporium. Durch die nächsten Tage begleitet uns eine treue Hochdruckbrücke, die Hochsommer für alle verspricht. Das damit gute Pollen- und Sporenflugbedingungen einhergehen, ist fast unnötig zu erwähnen.

Beim Beifuß (Artemisia) steht uns in den kommenden Tagen das alljährliche Belastungsmaximum bevor! Die (für Beifuß) bereits recht hohen Pollenkonzentrationen machen besonders im Norden, im Osten und in den mittleren Lagen der Gebirge voraussichtlich noch einmal einen Satz nach oben und belasten zumindest mäßig, meist aber stark. Auch ganz im Süden, entlang des Alpenrandes, streut der Beifuß nach dem Abzug des Dauerregens wieder mehr Pollen aus. Die höchsten Pollenkonzentrationen über die Jahre wurden immer wieder von Stationen im Nordosten des Landes gemeldet, während der Südwesten glimpflicher davonkam. Punktuell, um größere Beifußbestände herum, können die Pollenbelastungen überall im Land locker die hohe Belastungsschwelle überspringen. In den Hochlagen der Alpen spielt Beifußpollen mangels Pollenquellen dagegen kaum eine Rolle. Ansonsten wächst Beifuß in den unterschiedlichsten Landschaften bis hinein in die großen Städte. Er bevorzugt es unordentlich und zeigt sich daher gerne in ungepflegten Grünanlagen, auf Brach- und Ruderalflächen, Böschungen und Halden, sowie an Weg- und Grabenrändern.

Neben Beifußpollen tauchen bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums allmählich erklecklichere Konzentrationen von Pollen des allergenen Traubenkrauts (lat. Ambrosia) auf, zumindest in Gebieten mit größeren Ambrosiabeständen. Gemeint sind damit vorwiegend die Niederlausitz (Südostbrandenburg bis Nordostsachsen) und stellenweise das Rheinland. Die bevorstehende Wärme beschleunigt die Blütenbildung und das Öffnen der Pollensäcke der Ambrosia hierzulande. In anderen Ländern südwestlich bis südöstlich von Deutschland ist die Ambrosia schon weiter und beginnt in den kommenden Tagen in großer Zahl zu blühen. Die dort freigesetzten Ambrosiapollen haben bei entsprechenden Luftmassentransport das Potential bis zu uns vorzudringen und den Pollengehalt der Luft selbst in Ambrosia-freien Gegenden Deutschlands auf ein fühlbares Level anzuheben. Abgesehen von möglichen Ferntransporten werden geringe bis mittlere Ambrosiapollenkonzentrationen in den angesprochenen Verbreitungszentren innerhalb unseres Landes erwartet. Sporadisch auftauchende Ambrosiapollen in den restlichen Gebieten belasten dagegen kaum merklich.

Die Gräser (Poaceae) eiern mit einigen klassischen Spätblühern, beispielsweise dem Hundszahngras (Cynodon dactylon) und Arten, die nach dem Abmähen ein zweites Mal schwach zu blühen beginnen, beispielsweise dem Knäuelgras (Dactylis glomerata), auf einem allgemein schwachen Belastungsniveau herum. Gelegentlich bzw. örtlich wird auch noch ein mäßiges Belastungsniveau erreicht, beispielsweise auf länger ungemähten Gebirgswiesen (Hoch- und Mittelgebirge), an schattigen und feuchten Wiesenabschnitten im Tiefland (insbesondere im kühleren Norden). In einigen ausgedörrten Gebieten des Westens blüht ohne Bewässerung oder Grundwassernähe kaum noch ein Gras. Entsprechend mau ist der Pollenflug und umso mehr können sich die Gräserpollenallergiker am Dauersommerwetter erfreuen, sofern angesichts gelb gefärbter Blätter an den Bäumen und tropischer Nächte noch Freude aufkommen kann. Der in Deutschland angebaute Mais (Zea mays) kann Spaziergängern, die die derzeit noch vielerorts blühenden Felder passieren, Probleme bereiten. Bei etwas stärkerem Wind verbleibt eine genügend große Zahl der sehr großen und schlecht flugfähigen Maispollen in der Luft, um bei Gräserpollenallergikern sogar starke Reaktionen hervorzurufen. Beim direkten Durchlaufen eines Maisfeldes fallen die Pollen durch das Berühren der Maispflanzen aus den Blütenständen von oben direkt auf die Betroffenen. Entsprechend sind heftige Allergiereaktionen möglich – also besser etwas Abstand zu einem Maisfeld halten. In einiger Entfernung zu den Feldern, speziell beim Aufenthalt in Wäldern oder in größeren Städten spielen Maispollen für Allergiker keine Rolle.

Wie eingangs erwähnt, prägen die Pollen der Brennnesselgewächse (Urticaceae) das Bild auf den Fangstreifen unserer Pollenmessgeräte und dominieren damit klar den Pollenflug gegenüber anderen Kräutern. Mehr Pollen in der Luft als jetzt sind kaum mehr irgendwo zu erwarten. Dank guter Pollenflugbedingungen dürften in den kommenden Tagen die hohen Werte an Brennnesselpollen in der Luft in etwa auf vergleichbarem Niveau erhalten bleiben.  Eventuell geht es an kühlen und feuchten Standorten (vor allem in den Mittelgebirgen) noch etwas nach oben mit den Pollenzahlen, an trocken-heißen Standorten verdorren dagegen mehr und mehr Brennnesseln und die Pollenwerte verringern sich allmählich. Zum Glück reagieren wohl nur wenige Menschen auf Brennnesselpollen (Urtica) im eigentlichen Sinne. Eine erheblich höhere Allergierelevanz wird einem weiteren Vertreter der Brennnesselgewächse, dem Glaskraut (Parietaria) bescheinigt – zumindest im angestammten europäischen Verbreitungsgebiet am Mittelmeer. Nennenswerte Glaskrautvorkommen sind hierzulande auf die Zentren und Ränder städtischer Wärmeinseln oder auf andere wärmebegünstigte Gegenden beschränkt. An diesen Orten mischen sich die Pollen der beiden genannten Gattungen. Der Anteil an Glaskrautpollen in der Luft kann allerdings nur vage anhand der Größe der Vorkommen dieser Gattung geschätzt werden. Eine Differenzierbarkeit am Mikroskop ist nicht möglich. Das zunehmend wärmere Klima fördert die Ausbreitung des Glaskrauts und vergrößert den Anteil an Glaskrautpollen in unseren Breiten.

Die Gänsefußgewächse/Fuchsschwanzgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) blühen bereits seit einigen Wochen. Wenig volatil zeigt sich der Pollenflug dieser Pflanzenfamilie. Mal gelangt dabei auf die Fläche gesehen etwas mehr, meist aber nur recht wenig Pollen in die Luft. Die höchsten Konzentrationen an Gänsefußpollen werden – wie so oft – in der Umgebung zu den blühenden Pflanzen angetroffen. Hier können die Pollenkonzentrationen das an unseren Messstellen ermittelte, recht geringe Konzentrationsniveau um ein Vielfaches übersteigen und bei Betroffenen Probleme verursachen. Pollen mancher Arten der Gänsefußgewächse können Ursache einer Pollenallergie sein. Insbesondere in ariden Gebieten (z.B. Südeuropa, Mittlerer Osten) spielen Allergien gegen Gänsefußgewächse eine (größere) Rolle. Zu den Gänsefußgewächsen zählen neben den Arten der namensgebenden Gattung Gänsefuß (Chenopodium) auch die Melden (Atriplex), der salztolerante Queller (Salicornia) und der sich in Ausbreitung befindliche Amaranth (Amaranthus).

Der Pollenflug des wildwachsenden Hopfens (Humulus) und des Hanfs (Cannabis), die zusammen die einzigen heimischen Vertreter der Hanfgewächse (Cannabaceae) darstellen, marschiert mit dem Durchmarsch des Sommers in den kommenden Tagen rasch in Richtung der alljährlichen Höchststände. Beide Gattungen besitzen moderat allergene Pollen. Die Pollenzahl der beiden Arten in der Luft ist in der Fläche gesehen recht gering (grob gesagt: Beifuß-Niveau), wodurch Allergiesymptome wohl die Ausnahme bilden dürften. Dort wo Hanf angebaut wird (z.B. in der Uckermark in Brandenburg) oder Hopfen in größerer Zahl wächst (z.B. feuchte, stickstoffreiche Weg- und Waldränder) ist die Pollenzahl mitunter (deutlich) größer und Allergiesymptome können stärker ausfallen.

Bleiben noch die „Dauerblüher“ Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) zu nennen. Ihr Pollen belastet mittlerweile meist nur noch schwach die Luft, insbesondere in den stärker ausgedörrten Regionen West- und Mitteldeutschlands. Ansonsten blühen auch nach wiederholter Mahd weiter neue Ampfer- und Wegerichpflanzen auf und geben ihre Pollen ab, so dass keine grundlegende Änderung an der Pollenflugsituation eintritt.

Weitere Pollenarten, die in der aktuellen Vorhersagewoche in kleiner, teils zunehmender, teils abnehmender Zahl messbar sein können, stammen größtenteils von den zahllosen bunten Blüten insektenbestäubter Kräuterfamilien, insbesondere von diversen Arten der Korbblütler (Asteraceae), die, wenn in sehr großer Zahl vorkommend, eine kreuzreaktive Relevanz zu den beiden Allergieverursachern Beifuß und Ambrosia haben. Arten wie beispielsweise die Goldrute (Solidago) produzieren einiges an Pollen, der beim Durchschreiten eines Bestandes dieser Art den Betroffenen um den Kopf wirbelt. Daneben finden sich Kräuterpollen von Doldenblütlern (Apiaceae), Raublattgewächsen, wie dem Natternkopf (Echium), Rosengewächsen, wie dem Mädesüß (Filipendula) oder Knöterichgewächsen (Polygonaceae) und Heidekrautgewächsen (Ericaceae) in der Luft. Vereinzelt sind Pollen der Zypressengewächse (Cupressaceae) und der Esskastanie (Castanea) messbar.

Der Flug von Schimmelpilzsporen der beiden allergologisch bedeutsamen Gattungen Cladosporium oder Alternaria ist auch in den kommenden Tagen für die Betroffenen relevant. Die Sporenflugintensität sollte sich jedoch langsam verringern, da ein Großteil der Getreideanbauflächen in den Tieflagen bereits abgeerntet worden ist und damit der Zunder zum Erreichen weiterer Spitzenbelastungen ausgeht. In den etwas höheren Lagen stehen noch größere Getreidebestände, die bei Bewirtschaftung (Drusch) lokale Sporenausbrüche verursachen. Beim Dreschen des Getreides werden die Sporen und Bruchstücke des Pilzmycels aufgewirbelt und belasten die Luft. Die trockenwarme Sommerluft begünstigt eine Ausbreitung von Sporen. Die allergologisch relevante Sporengattung Epicoccum tritt in geringer Zahl gleichfalls in Erscheinung, kann sich neben den vielen Cladosporium- und Alternariasporen aber nicht behaupten.

Matthias Werchan, 05.08.2020   


*** Wir danken der Allergopharma GmbH & Co. KG, der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und der Ambrosia für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und der Ambrosia in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

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