Wochenpollenvorhersage Tamara - 01.07.2020

Mittwoch, 01. Juli 2020

Die Getreideernte geht mit hohen Schimmelpilzsporen-Konzentrationen einher. © encierro/Shutterstock.com

Buntes Gemisch an Gräser-, Kräuter- und Baumpollen in der Luft – Schimmelpilze belasten stark!

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Ampfer

(Rumex)

Esskastanie

(Castanea)

Linde

(Tilia)

Wegerich

(Plantago)

Gräser

(Poaceae)

 

Noch einmal machten in der vergangenen Vorhersagewoche an trockenen Tagen die Gräser mit verbreitet hohen Belastungen von sich reden, wobei hier vor allem die Mitte und der gesamte Norden Deutschlands hervorzuheben sind, wo besonders viel Blütenstaub gemessen wurde. Weiter nach Süden und Südwesten blinkte das rote Warnlämpchen für hohe Gräserpollenbelastung nur noch vereinzelt auf. Insgesamt gesehen gingen die Konzentrationen selbst unter pollenflugbegünstigenden Bedingungen (leicht) zurück und erreichten nicht mehr ganz das Niveau der Vorwoche(n). Den zweiten, mancherorts sogar den ersten Rang, nahmen die Pollen der Brennnesselgewächse ein. An einzelnen Stationen waren Pollen spätblühender Bäume vor allem von Linde oder Esskastanie, weniger von Götterbaum recht zahlreich vertreten. In den letzten Junitagen hat in Deutschland die Getreideernte begonnen, wodurch teils sprunghaft ansteigende Konzentrationen von Schimmelpilzsporen den Betroffenen „auf die Pelle rückten“.

Überall im Flachland haben die Gräser (Poaceae) nun ihren langen Weg hin zu immer geringer werdenden Pollenkonzentrationen eingeschlagen, freilich ohne, dass damit bereits generell Entwarnung gegeben werden kann. Gräserpollenallergiker können aber langsam optimistischer in die Zukunft blicken, zumal zeitweilige, intensive Regenfälle für zwischenzeitliche Verschnaufpausen sorgen. Doch auf jeden Regen folgt auch Sonnenschein, so dass hohe Belastungen an Tagen mit günstigen Pollenflugbedingungen vor allem in grünlandreichen Regionen Norddeutschlands und in den mittleren und höheren Lagen der Gebirge im Süden weiterhin sehr wahrscheinlich sind. Das dabei noch erreichbare Pollenkonzentrationsniveau wird voraussichtlich einen weiteren Gang gegenüber der Vorwoche zurückgeschaltet. Lokal, bzw. punktuell an Weg-, Wald- und Grabenrändern oder an/in unbewirtschaftetem Grünland sind überall im Land hohe Pollenkonzentrationen zu erwarten. Das Durchqueren ungemähter Wiesen ist dementsprechend keinesfalls zu empfehlen, da so einige spätblühende Gräserarten, wie beispielsweise die Lieschgräser (Phleum), die Reitgräser (Calamagrostis) oder das Weidelgras (Lolium) gerade erst so richtig munter geworden sind.

Zusätzlich treffen Allergiker im Grünland auf die beiden „tapferen Dauerblüher“ Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago). Insbesondere Wegerichpollen enthält bekannte Allergene, die allergische Reaktionen auslösen können. Diese Reaktionen können leicht als Gräserpollenallergie interpretiert werden, aufgrund der sehr ähnlichen Blühzeit der beiden Pflanzenfamilien. Kreuzreaktionen zur Gräserpollen sind ebenfalls möglich. Da Ampfer und Wegerich sehr weit verbreitet sind, trifft man quasi überall auf deren Pollen, auch wenn diese nicht so hochdosiert auftreten, wie Gräser- oder Brennnesselpollen. Die Pollenflugtendenz kennt aktuell nur eine Richtung – seitwärts.

Blühende Brennnesselgewächse – Brennnessel (Urtica) und Glaskraut (Parietaria) führen aktuell zu einem langsamen, aber stetigem Anstieg der Pollenzahlen dieser Pflanzenfamilie in der Luft. Das bereits erreichte Konzentrationsniveau entspricht aktuell an vielen Messstellen in etwa dem Konzentrationsniveau, welches die derzeit aktiven Gräserfamilien zusammen zustande bringen. Äußerlich unterscheiden lassen sich die Pollen der beiden genannten Gattungen der Brennnesselgewächse nicht, wohl aber allergologisch. Während Brennnesselpollen mehrheitlich als wenig allergierelevant betrachtet werden (möglicherweise zu Unrecht), gelten Glaskrautpollen dagegen als wichtiges Allergen, zumindest im Mittelmeerraum. Glaskräuter fühlen sich in warmen Klimaten wohl, spielten daher in der Vergangenheit keine größere Rolle bei uns. Im Zuge der unübersehbaren Erwärmungstendenzen steht der (weiteren) Ausbreitung des Glaskrauts in Deutschland zunehmend Tür und Tor offen. Bisher beschränken sich größere Vorkommen allerdings noch auf die Wärmeinseln von Städten oder auf klimatisch bevorzugte Sonderstandorte.

Der Beifuß (Artemisia) lebt blühtechnisch aktuell noch auf kleinem Fuß. An immer mehr Standorten erreichen allerdings erste Blütenstände dieser allergenen Hochstaudenart den Status: „Blühbereit“. Schwache Belastungen sind in immer größeren Regionen möglich. In der Umgebung ausgedehnter Beifußbestände sind punktuell auch schon stärkere Belastungen möglich – vor allem während der Vormittagsstunden, wenn die unscheinbaren Beifußblüten geöffnet sind und Pollen abgeben. Beifuß bewächst bevorzugt Ruderalstellen, Weg- und Waldränder, temporären Halden oder Baumscheiben. Darin nach tun es ihm auch die hochwachsenden Stauden aus der Familie der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae). Diese sind ebenfalls an immer mehr Standorten mit blühbereiten Pflanzen präsent, haben gegenüber dem Beifuß sogar einen gewissen Vorsprung. Von daher wurden bereits häufiger Gänsefußpollen (bzw. Pollen der gleichnamigen Pflanzenfamilie) gemessen, als Beifußpollen. Auf deutlich größerem Fuß leben damit aber auch die Gänsefußgewächse nicht – das Pollenkonzentrationsniveau ist in den kommen Tagen weiter niedrig. Höchstens punktuell belasten diese mitunter stärker. Die Pollen mancher Arten der Gänsefußgewächse rufen Symptome bei Pollenallergikern hervor. Insbesondere in ariden Gebieten (z.B. Südeuropa, Mittlerer Osten) spielen Allergien gegen Gänsefußgewächse eine (größere) Rolle. Bei uns im Land ist der Einfluss, den diese Gewächse auf Pollenallergiker haben, sicherlich geringer, aber vorhanden. Vereinzelt fliegen erste Pollen aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), wobei hier tatsächlich der Hanf (Cannabis) gemeint ist und nicht der Hopfen (Humulus). 

Der späten Baumblüte von Linde (Tilia), Esskastanie (Castanea) und Götterbaum (Ailanthus) geht langsam der Saft aus. Vor allem die fremdländischen Götterbäume sind bereits zum Großteil am Ende ihrer Blüte angelangt. Esskastanie und Linde halten dagegen noch etwas länger durch. Weiterhin sollten Betroffene in den kommenden Tagen den direkten Aufenthalt unter blühenden Exemplaren der genannten Baumarten meiden, da die Pollenkonzentrationen in der unmittelbaren Umgebung hoch sein können, in der Fläche gesehen aber ein überschaubares, heißt schwaches bis maximal mittleres Konzentrationsniveau erreichen.

Weitere Pollenarten, die in der aktuellen Vorhersagewoche in kleiner, teils zunehmender, teils abnehmender Zahl messbar sein können, stammen insbesondere von diversen insektenbestäubten Kräuterfamilien, wie den Doldenblütlern (Apiaceae), den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), den Korbblütlern (Asteraceae), oder Arten wie dem Natternkopf (Echium), dem Mädesüß (Filipendula) oder dem Büschelschön (Phacelia). Vereinzelt sind Pollen der Zypressengewächse (Cupressaceae), der Sauergräser (Cyperaceae) und von Liguster (Ligustrum) und Holunder (Sambucus) messbar. In den Alpenregionen sind stellenweise noch letzte Erlenpollen der dortigen Grünerlenbestände (Alnus viridis) in der Luft. Die Latschenkiefern (Pinus mugo) in den Hochlagen blühen. Deren Pollen haben keinen Einfluss auf Allergiker. Mit Südwind werden einzelne Grünerlen- und Kiefernpollen bis in den Norden Deutschlands verfrachtet.

Die Sporen der beiden wichtigen allergenen Schimmelpilztypen der Gattungen Cladosporium und Alternaria belasten, wie eingangs erwähnt, die Außenluft stark. Tageweise können beachtliche, sich in der Intensität weiter steigernde Sporenkonzentrationen auftreten! Besonders an trockenen Sommertagen, die zur Einfuhr des Getreides auf den Feldern genutzt werden, ist ein massenhaftes Auftreten von Sporen und von Fragmenten des ebenfalls allergenen Pilzmycels in der Luft absehbar. In waldreichen Gegenden, an den Meeresküsten und in den Hochlagen der Gebirge fallen die Belastungen geringer aus. Die von uns ebenfalls erfassten Sporentypen der Gattungen Epiccocum und Pleospora sind in nur geringer Konzentration vertreten.

Matthias Werchan, 01.07.2020

 

*** Wir danken der Allergopharma GmbH & Co. KG, der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Beifußes für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Beifußes in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

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