Wochenpollenvorhersage Simone - 03.07.2019

Mittwoch, 03. Juli 2019

Sommerlicher Sonnenuntergang in Brandenburg am 30.06.2019 © Matthias Werchan

Gräser- und Kräuterpollen fliegen im Duett. Belastungen durch Gräser aber noch höher als durch Kräuter.

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Esskastanie

(Castanea)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Linde

(Tilia)

Wegerich

(Plantago)

 

 

Zahlreiche heiße und größtenteils trockene und sonnige Tage führten im Juni zu einem neuen Allzeitrekord in Sachen Temperatur und Sonnschein in Deutschland. Trotzdem hatten es nach dem unterkühlten Monat Mai beispielsweise die heimischen Gräser (Poaceae) nicht besonders eilig ihre saisonalen Höchstwerte im Pollenflug zu erreichen. Erst im letzten Monatsdrittel meldeten viele unserer Messstationen (insbesondere Richtung Norden und in der Mitte Deutschlands) bei mehrheitlich sehr guten Pollenflugbedingungen Höchststände, wie sie ähnlich auch aus Vorjahren bekannt sind. Trotz alledem bleibt in der Fläche diese Gräserpollensaison in ihrer Intensität bisher mehr oder weniger deutlich hinter der 2018er Saison zurück. Die späten Höchststände können nicht darüber hinwegtäuschen, dass unseren heimischen Gräsern immer mehr die „Pollenpuste“ ausgeht, erlahmt auch durch die anhaltende Trockenheit in vielen Regionen. Bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums fallen insbesondere in der ausgedörrten Mitte Deutschlands immer mehr Gräserarten als Pollenproduzenten aus, so dass auch beste Pollenflugbedingungen nicht mehr ausreichen, das Absinken der Belastungen zu verhindern. In diesem Teil des Landes stellen sich dann mehrheitlich noch mäßige Belastungswerte ein, in den kühleren (und oft feuchteren) Berglands- und Küstenregionen setzt ein spürbares Nachlassen der Belastungen erst später ein, so dass hier hohe Pollenkonzentrationen auch in den nächsten Tagen Bestand haben dürften. Meiden sollten Gräserpollenallergiker den Aufenthalt auf ungemähten Wiesen und Rainen. Auch der Zeitpunkt der Mahd wirbelt meist nochmals viele Pollen von der bearbeiteten Fläche in die Luft und belastet die unmittelbare Umgebung.

Während sich für Gräserpollenallergiker der Himmel nun allmählich aufzuhellen beginnt, verdunkelt er sich schrittweise für Kräuterpollenallergiker. An immer mehr Orten im Tiefland zwischen Rhein und Oder machen sich allergene Beifußpollen (Artemisia) auf die Reise und können empfindlichen Betroffenen bereits Probleme bereiten. Speziell in der Nähe größerer Beifußbestände mit zahlreichen Blütenständen können die Pollenkonzentrationen schnell deutlich über den Konzentrationen in der weiteren Umgebung liegen. Beifußblüten geben bevorzugt in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden Pollen ab, wodurch dies meist der Zeitraum mit den höchsten Belastungen des Tages ist. Gräser zeigen im Vergleich keine solch deutlichen Belastungsgipfel zu bestimmten Tageszeiten. Die Hauptflugzeit für Beifußpollen beginnt im Tiefland gegen dieses Monats und dauert etwa 4 Wochen.

Die beiden Kräutergattungen Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) behalten ihr Aktivitätsniveau der Vorwochen gleichbleibend bei und wachsen und gedeihen, sofern genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. Auch nach wiederholter Mahd werden den ganzen Sommer über neue Blüten ausgebildet und führen zu schwachem bis mäßigem Ampfer- und Wegerichpollenflug ohne deutliche und charakteristische Saisonspitzen im Pollenflug auszubilden.

Die Brennnesselgewächse (Urticaceae) steigern ihr Aktivitätsniveau weiter, die Pollenzahl nimmt zu. Das erste Drittel auf dem Weg zum Konzentrationsgipfel ist gemeistert. Der restliche Weg wird nun zügig bestritten. Zwischen Ende Juli und Ende August erreicht der Flug der Pollen der Brennnesselgewächse seinen alljährlichen Höhepunkt. Neben den klassischen – als wenig allergen bekannten – Brennnesselpollen (Urtica) sind diesem Pollentyp auch die Pollen der sehr allergenen Glaskräuter (Parietaria) zugeordnet. Glaskräuter bevorzugen ein warmes Klima und sind deshalb in der Mittelmeerregion häufig anzutreffen. Der sich vollziehende Klimawandel begünstigt die Ausbreitung in Deutschland, mit zu vermutender Auswirkung auf die Allergieproblematik hierzulande. Trotz der allergologischen Unterschiede sind Glaskrautpollen mikroskopisch nicht von Brennnesselpollen unterscheidbar. Ein höherer Anteil von Glaskrautpollen ist an Ruderalstellen und Wegrändern am Rande oder innerhalb städtischer Wärmeinseln oder in anderen wärmebegünstigten Gegenden zu erwarten.

Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) blühen bereits an zahlreichen Orten, entsprechend sind Pollen von Melde (Atriplex), Gänsefuß (Chenopodium) und Co. in meist recht kleiner aber noch etwas ansteigender Zahl unterwegs.

Vereinzelt fliegen Pollen der Hanfgewächse (Cannabaceae) – jedoch noch nicht des Hopfens (Humulus), sondern des Hanfs (Cannabis).

Die pollenflugtechnisch bedeutenden Nachzügler unter den Baumarten wie Linde (Tilia), Esskastanie (Castanea) und Götterbaum (Ailanthus) haben in den heißen Tagen im Juni in weiten Bereichen des Tieflands ihre Blüte recht zügig durchlaufen, die Pollenzahlen gehen zurück oder sind bereits wieder nahe null angekommen. Im etwas gemäßigterem Norden und Nordwesten oder in den Höhenlagen der Mittelgebirge können die Linden ihren Pollenflug noch weiter aufrechterhalten. Götterbäume und Esskastanien sind wärmeliebend und in den kühleren Gegenden und in den Höhenlagen nur selten bzw. gar nicht anzutreffen. Die kleinen Pollen der Esskastanie können aus Ländern südlich der Alpen zu uns geweht werden und hin und wieder für etwas „Schwung“ in unseren Messgeräten sorgen. Die kleinen heimischen Anpflanzungen dieser Art sind beispielsweise in Berlin schon abgeblüht oder geben nur noch wenige Pollen ab.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Kiefer (Pinus), Holunder (Sambucus), zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Sauergräsern (Cyperaceae), Binsengewächsen (Juncaceae) und Doldenblütlern (Apiaceae). Zahlreich blühen die unterschiedlichsten insektenbestäubten Kräuter und Sträucher. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), Pfeifenstrauch (Philadelphus), Mädesüß (Filipendula), diversen Korbblütlern (Asteraceae) oder Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) in unseren Pollenflugmessgeräten auftauchen. In den Alpenregionen belasten teils noch Grünerlenpollen (Alnus viridis) die Besucher der Hochlagen mit ihren allergenen Pollen. Mit Südwind werden einzelne Grünerlenpollen bis in den Norden Deutschlands getragen.

Der frühe Beginn der Getreideernte hat die Sporenbelastung im nord- und mitteldeutschen Tiefland in den vergangenen Tagen recht sprunghaft ansteigen lassen. Die beiden allergologisch wichtigen Schimmelpilz-Gattungen Alternaria und Cladosporium belasten die Außenluft stark. Betroffene müssen mit dem Auftreten von (auch deutlichen) Symptomen rechnen. Weiter ansteigende Konzentrationen sind in Trockenphasen zu erwarten. In den Höhenlagen der Berge, in waldreichen Gegenden und an den Küsten bei Seewind sind die Belastungen teils deutlich schwächer.

Matthias Werchan, 03.07.2019

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Beifußes für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Beifußes in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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