Wochenpollenvorhersage Ralph - 10.07.2019

Dienstag, 09. Juli 2019

Blühende Latschenkiefer (Pinus mugo) am 10.07.2019 in den nördlichen Alpen © Matthias Werchan

Gräserpollenbelastung fällt auf mäßiges Niveau – Beifuß belastet kaum mehr als schwach.

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Esskastanie

(Castanea)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Linde

(Tilia)

Wegerich

(Plantago)

 

Kühle Seeluft, die weiträumige Trockenheit, abgemähte Wiesen und eine bereits fortgeschrittene Pollensaison kommen den Gräserpollenallergikern (Poaceae) spürbar zugute. Die Intensität der Gräserpollenbelastung hat sich im Tiefland – nach teils noch beträchtlich hohen Pollenkonzentrationen Ende Juni – mittlerweile auf einem größtenteils mäßigen, an den Küsten bei Seewind sogar nur schwachen Niveau eingependelt. In den nächsten Tagen wird sich an dieser Gesamtsituation nicht viel ändern. Sofern nicht gelegentliche Regenfälle die Belastung tageweise gegen null drücken sind weiterhin schwache bis mäßige Belastungen die Regel, hohe dagegen nur noch in den grünlandreichen Höhenlagen der Gebirge ab etwa 1000 m NN und punktuell in den tieferen Lagen, beispielsweise innerhalb ungemähter Wiesen und Raine. Auch der Zeitpunkt der Mahd wirbelt meist nochmals viele vor Ort sedimentierte Pollen von der bearbeiteten Fläche in die Luft und kann die unmittelbare Umgebung kurzzeitig stark belasten.

Die Saison der Kräuter steht dagegen unter einem umgekehrten Vorzeichen mit weiter zunehmenden Pollenkonzentrationen. Der an einigen Orten bereits seit Mitte Juni blühende, allergene Beifuß (Artemisia) befindet sich aber selbst jetzt im Juli noch am Anfang seiner Saison und sorgt aktuell für nur geringen „Wirbel“ bei den Betroffenen. Auch die starke Bodentrockenheit kann hier und da das Wachstum der Beifußpflanzen ausbremsen. Bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums verstetigen sich die geringen Belastungen im Tiefland. Erste mäßige Belastungen sind regional (insbesondere in Richtung Nordosten) nicht auszuschließen. Abstand nehmen sollten Beifußallergiker von großen Beifußbeständen mit vielen reifen Blütenständen. Im nahen Umfeld dieser Bestände kann das Belastungsniveau weit über dem Durchschnittswert ihrer Region liegen. Beifußblüten geben bevorzugt in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden Pollen ab, wodurch dies meist der Zeitraum mit den höchsten Belastungen des Tages ist. Beifuß bevorzugt ruderale, brachgefallene Standorte, Schuttablagerungen, Feld- und Wegränder.

Genau an diesen Standorten siedeln sich auch die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae) an. Deren Pollen treten in meist kleiner Zahl auf. Allergiker, die auf Pollen der Gänsefußgewächse reagieren, müssen nur an Orten, die stark mit Melde (Atriplex), Amarant (Amaranthus) oder Gänsefuß (Chenopodium) verunkrautet sind, mit spürbaren Symptomen rechnen. Ansonsten bleiben die Belastungen meist zu schwach, um Reaktionen hervorzurufen. Leicht steigende oder gleichbleibend niedrige Pollenkonzentrationen sind in den kommen Tagen zu erwarten.

Bei den Brennnesselgewächsen (Urticaceae) herrschte in den vergangenen Tagen etwas Flaute. Tendenziell steigen aber die Pollenzahlen, da immer mehr Pflanzen zu blühen beginnen. Bereits jetzt dominieren im Luftstaub die Pollen der Brennnessel (Urtica) die Pollen aller anderen Gewächse. An Ruderalstellen, entlang von Mauern und Wegrändern und in lichten Wäldern am Rande oder innerhalb städtischer Wärmeinseln oder in anderen wärmebegünstigten Gegenden siedeln hierzulande die, ebenfalls zu den Brennnesselgewächsen zählenden, Glaskräuter (Parietaria). Trotzdem sich deren Pollen mikroskopisch nicht von den Pollen der Brennnesseln differenzieren lassen, ist an den genannten Orten zumindest mit einem gewissen Prozentsatz dieser Pollen in der Luft zu rechnen mit potentiellem Einfluss auf das Allergiegeschehen. Glaskrautpollen gilt als stark allergen und ist ein bedeutendes Allergen im Mittelmeerraum. Die allergene Wirkung der Brennnesselpollen ist dagegen (wahrscheinlich) deutlich schwächer. Detaillierte Daten liegen jedoch aufgrund unzureichender Allergiediagnostik nur sehr spärlich vor.
Bei den beiden Kräutergattungen Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) tut sich nicht viel. Die wechselnden Belastungen der Vorwochen, meist schwach, mal mäßig, bleiben uns erhalten. Auch nach wiederholter Mahd werden den ganzen Sommer über neue Blüten ausgebildet, so dass charakteristische Saisonspitzen im Pollenflug ausbleiben. Wegerichpollen kann für Gräserpollenallergiker spürbar sein.
Vereinzelt fliegen Pollen der Hanfgewächse (Cannabaceae) – jedoch noch nicht des Hopfens (Humulus), sondern des Hanfs (Cannabis).

Baumpollen, der zuletzt noch gebietsweise aktiven „Spätblüher“ Linde (Tilia) und Esskastanie (Castanea) vereinzeln sich immer mehr. Es gibt selbst in den kühleren Ecken des Landes kaum noch blühende Bäume, die Pollen in „ernstzunehmender“ Menge abzugeben vermögen. Ein Einfluss auf Allergiker haben die Holzgewächse unseres Landes nun nicht mehr.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Kiefer - z.B. der Latschenkiefer (Pinus mugo) im Hochgebirge,  zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Sauergräsern (Cyperaceae), Binsengewächsen (Juncaceae) und Doldenblütlern (Apiaceae), in den Hochlagen auch noch Holunder (Sambucus). Zahlreich blühen die unterschiedlichsten insektenbestäubten Kräuter und Sträucher. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), Mädesüß (Filipendula), diversen Korbblütlern (Asteraceae) oder Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) in unseren Pollenflugmessgeräten auftauchen. In den Alpenregionen können noch immer allergene Pollen der Grünerlen (Alnus viridis) die Besucher der Hochlagen reizen. Mit Südwind werden einzelne Grünerlenpollen bis in den Norden Deutschlands getragen.

Der frühe Beginn der Getreideernte hat die Sporenbelastung im nord- und mitteldeutschen Tiefland in den vergangenen Tagen recht sprunghaft ansteigen lassen. Die beiden allergologisch wichtigen Schimmelpilz-Gattungen Alternaria und Cladosporium belasten die Außenluft stark. Betroffene müssen mit dem Auftreten von (auch deutlichen) Symptomen rechnen. Weiter ansteigende Konzentrationen sind in Trockenphasen zu erwarten. In den Höhenlagen der Berge, in waldreichen Gegenden und an den Küsten bei Seewind sind die Belastungen teils deutlich schwächer.

Matthias Werchan, 10.07.2019

 

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Beifußes für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Beifußes in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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