Wochenpollenvorhersage Maik - 14.08.2019

Mittwoch, 14. August 2019

Blütenstand des Beifußes (Artemisia vulgaris) mit deutlich sichtbaren gelben Pollensäcken. © Matthias Werchan

Kräuter bleiben aktiv – Intensität des Pollenflugs kann bereits nachlassen (Ausnahme Ambrosia!)

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Hopfen

(Humulus)

Traubenkraut

(Ambrosia)

Wegerich

(Plantago)

 

Das leicht wechselhafte Wetter der letzten Tage führte zu schwankenden Pollenbelastungen. An trockenen Tagen mit Sonne und Wind können die häufig hohen Belastungswerte mit Beifußpollen (Artemisia) für starke Allergiebeschwerden verantwortlich gewesen sein, speziell im Norddeutschen Tiefland (siehe Foto). Auch in den kommenden Tagen bleibt der Beifuß noch „Hauptdarsteller auf der Allergiebühne“, vermag aber nicht mehr überall an die hohen Werte der beiden Vorwochen anzuknüpfen, eine leicht fallende Belastungstendenz stellt sich ein. Weiterhin ist das Risiko für hohe Beifußpollenbelastungen in Richtung Norden und Osten unseres Landes am größten, am geringsten im hohen Bergland und innerhalb geschlossener Wälder.

Unterstützung bekommt der schwächelnde Beifuß nun durch das Aufblühen des Traubenkrauts (Ambrosia). Beifuß und Ambrosia sind nahe miteinander verwandt, so dass allergische Kreuzreaktionen zwischen diesen beiden Pollenarten möglich sind. Dazu enthält der Pollen der Ambrosia den höchsten Allergengehalt unter den bekannten „Allergiepflanzen“ Europas. Die invasive Ausbreitung der aus Nordamerika stammenden Ambrosia ist –  auf Deutschland bezogen – im Südosten Brandenburgs schon seit Jahren mit Abstand am weitesten fortgeschritten. Hier übersteigen aktuell die Belastungen mit Ambrosiapollen diejenigen durch Beifußpollen, mit weiter steigender Tendenz. In der Region zwischen Berlin und Nordsachsen sind damit bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums die Belastungen bereits hoch, in allen anderen Region im Vergleich niedriger. Weitestgehend verschont von Ambrosiapollen bleiben Allergiker im äußersten Norden und Nordwesten Deutschlands. In den anderen Gebieten hängt es vom Ausmaß der Expansion dieser Art aus, wie hoch die Belastungen werden. Größere zusammenhängende Vorkommen sind noch die Ausnahme und finden sich am ehesten entlang von Autobahnen und Fernstraßen, auf Baustellen oder auf Erdzwischenlagern jeder Art, wobei generell die Tieflagen Süddeutschland, die Region um Aachen und um Berlin befallen sind. Da der Ausbreitungsprozess der Ambrosia in anderen Länder Europas (z.B. Ukraine, Ungarn) deutlich weiter fortgeschritten ist, kann es überall in Deutschland tageweise zu Ferntransporten aus diesen Ländern kommen, sofern der Wind „günstig“ steht.

Der Pollenflug der Gräser (Poaceae) ist allergologisch mittlerweile relativ unbedeutend und basiert auf der schwachen Nachblüte/Zweitblüte einiger Gräserarten des Früh- und Hochsommers und der Blüte einiger bekannter Spätblüher, wie z.B. dem Hundszahngras (Cynodon dactylon), den Borstenhirsen (Setaria) oder dem Chinaschilf (Miscanthus). Mehr als ein anhaltend (sehr) geringes Belastungsniveau ist in den nächsten Tagen nicht mehr drin. In höheren, grünlandreichen Berglandregionen (Almwiesen) sind durch den verzögerten Blühbeginn der Gräser stellenweise auch noch stärkere Symptomausprägungen denkbar. Die Maisblüte (Zea mays) klingt ab. Gräserpollenallergiker sollten den Aufenthalt in den Feldern dennoch vermeiden. Die Blüte ist nicht mit einem Schlag vorbei und das Berühren blühender Pflanzen kann große Pollenmengen von den häufig übermannsgroßen Pflanzen von oben herabregnen lassen und zu starken Symptomen führen. In einigen duzend Metern Entfernung von den Feldern ist die Gefahr Symptome zu entwickeln gleich Null, da der Flug der schweren Maispollen durch ihr hohes spezifisches Gewicht sehr limitiert ist.

Pollen der Gänsefußgewächse (Chenopodiacea/Amaranthaceae) fliegen weiterhin in etwa gleichbleibender Menge. Unterschiedlichen Arten dieser Familie verbreiten kleine Mengen Pollen in die Luft die sich aber nur punktuell in der Nähe größerer Pollenquellen zu einer allergologisch bedeutsamen Menge verdichten.

Die Blüte der Brennnesselgewächse (Urticaceae) geht weiter. Ihre Pollen nehmen nach wie vor den größten Anteil im Luftstaub ein. Der Zenit des Pollenflugs scheint aber überschritten. Die heimischen, als wenig allergen geltenden Brennnesseln (Urtica) und die allergenen Glaskräuter (Parietaria) teilen sich den Pollenkuchen der Brennnesselgewächse. Mit dem höchsten Anteil an Glaskrautpollen müssen Betroffene an Ruderalstellen und Wegrändern am Rande oder in städtischen Wärmeinseln oder in anderen wärmebegünstigten Gegenden rechnen.

Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) blühen nach niederschlagsbasierter Regeneration und Blütenneubildung stellweise wieder etwas mehr auf, so dass der schwache Pollenflug der beiden Gattungen über die kommenden Tage erhalten bleibt.

Hopfenpollen (Humulus) und die Pollen des Hanfs (Cannabis) sind bevorzugt im Tiefland engagiert. Hopfen und Hanf bilden die beiden einzigen heimischen Vertreter der Hanfgewächse (Cannabaceae). Beide besitzen moderat allergenen Pollen. Die Pollenzahl der beiden Arten in der Luft ist in der Fläche gesehen relativ gering, wodurch Allergiesymptome die Ausnahme bilden dürften. Dort wo Hanf angebaut wird (z.B. in der Uckermark in Brandenburg) oder Hopfen in größerer Zahl wächst (z.B. feuchte, stickstoffreiche Weg- und Waldränder) ist die Pollenzahl mitunter (deutlich) größer und Allergiesymptome stärker.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Esskastanie (Castanea), zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Heidekrautgewächsen (Ericaceae), Binsengewächsen (Juncaceae), Knöterichgewächsen (Polygonaceae), Doldenblütlern (Apiaceae) und Efeu (Hedera). Zahlreich blühen weitere insektenbestäubten Kräuter, neben Beifuß und Traubenkraut beispielsweise zahlreichen weitere Korbblütlerarten (Asteraceae).

Die Belastung der Luft mit allergenen Schimmelpilzsporenarten wie Alternaria und Cladosporium ist leicht rückläufig. Es können aber regional und tageweise weiterhin Konzentrationen erreicht werden, die bei Pilzsporenallergikern starke Allergiesymptome auslösen können. Die Sporenzahl der allergologisch ebenfalls relevanten Gattung Epicoccum nimmt bis in den September hinein weiter zu. Die Flugsaison der Pilzsporen geht noch über das Ende der Pollenflugsaison hinaus und endet für gewöhnlich erst im Spätherbst.

Matthias Werchan, 14.08.2019

 

Medizinische Hinweise(Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann):

Liebe Leserinnen und Leser der aktuellen Pollenflugvorhersage,
wie Sie dieser Vorhersage entnehmen können, sind nach dem Ablauf der Gräserpollensaison, die Kräuterpollen vorherrschend. Dabei sind in Deutschland die Beifußpollen die wichtigsten ihrer Art, gefolgt von den Pollen der Ambrosia. Letztere haben auf Grund der nur regionalen Verbreitung bisher nur für wenige Allergiker eine klinische Bedeutung - und viele Bemühungen von Behörden, Institutionen und auch engagierten Einzelnen sind weiter notwendig, um diese "ungebetene Art" in ihrer Verbreitung zu behindern. Die Beifußpollen führen, ebenso wie Baum- und Gräserpollen, zu den typischen Symptomen des Heuschnupfens. Das sind die juckende Nase, die wechselnd läuft oder durch ein Anschwellen der Schleimhaut in der Nase verstopft sein kann, dazu ein Niesreiz; bei vielen Betroffenen gesellen sich Augenbeschwerden hinzu: gerötete Augenlider, die dazu auch jucken können und zugleich tränen die Augen. Etwa 80 % aller Heuschnupfenallergiker haben neben der Nase auch Augenbeschwerden.
Die Beschwerden einer Beifußallergie sind in vielen Fällen nicht so schlimm, wie beispielsweise beim Flug der Birkenpollen, aber auch sie können bis zum Asthma führen - dann sind sie alles andere als harmlos! An der Berliner Charité haben wir ein Zentrum für Schweres Asthma und ich muss dort immer wieder erleben, dass es bei Betroffenen mit einem scheinbar "einfachen Heuschnupfen" vor 10 oder 15 Jahren begonnen hat und nun mit sehr intensiv wirkenden Medikamenten behandelt werden muss. Und immer wieder wird auf meine Frage "Haben Sie mal eine Immuntherapie" gemacht mit "Nein" geantwortet. Heuschnupfen geht häufig in ein Asthma über; der oft genannten "Etagenwechsel" von der Nase in die Bronchien findet statt! Die Erfolge der Immuntherapie sind heute deutlich besser als vor 20 Jahren, ihre Anwendung durch die Aufnahme der therapeutischen Allergene als Tablette oder Tropfen (sog. sublinguale Immuntherapie) zu Hause und ohne Arztbesuch viel einfacher und ihre Sicherheit besser. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeit der Immuntherapie auch bei Ihnen - nach einer allergologischen Diagnostik. Auch diese ist heute viel einfacher geworden. In den kommenden Wochenpollenvorhersagen unserer Stiftung werde ich mehr über die verschiedenen Arten und Erfolge der Immuntherapie gegen die Pollenallergie berichten; bleiben Sie neugierig!

 

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und des Traubenkrauts für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und des Traubenkrauts in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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Ihr Team des Polleninformationsdienstes

 

 

 

 

 

 

 

 

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