Wochenpollenvorhersage Kilian - 19.06.2019

Mittwoch, 19. Juni 2019

Sommerwiese mit blühenden Gräsern und Kräutern

Gräserpollenflug – Zenit größtenteils überschritten.

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Brennnessel

(Urtica)

Esskastanie

(Castanea)

Gräser

(Poaceae)

Holunder

(Sambucus)

Linde

(Tilia)

Wegerich

(Plantago)

 

Gegenüber der Vorwoche unverändert warm bis heiß präsentiert sich der Juni in Deutschland in diesem Jahr. Prognostiziert ist sogar weiteres Steigerungspotential zum Ende dieses Vorhersagezeitraums. Mit der Wärme wird das Gedeihen und Vergehen von Gräsern und Kräutern beschleunigt. Nachdem die Gräserblüte (Poaceae) durch den kühlen Mai erst spät in Schwung gekommen ist, geht sie nun umso zügiger vonstatten, insbesondere im heißen Osten Deutschlands. Viele verschiedene Gräserarten blühen gleichzeitig und sorgen für ein meist hohes Belastungslevel. Dennoch vollführen die Gräser in der laufenden Saison keine pollenflugtechnischen Meisterleistungen. Die saisonalen Spitzenkonzentrationen fielen bislang überall im Land recht verhalten aus. Das Potential an blühenden Gräserarten, die im Saisonverlauf theoretisch noch höhere Belastungen als derzeit hervorzurufen können, ist kaum noch gegeben. Bis auf Regionen im äußersten Norden des Landes und in den Hochlagen der Gebirge, wo weiter ansteigende Belastungen noch möglich erscheinen, liegt Deutschland nun am Scheitelpunkt der diesjährigen Gräserpollensaison, das heißt, dass die Konzentrationen an sonnigen und windigen Tagen auch weiterhin noch im Bereich hoher Belastungen angesiedelt sind, tendenziell jedoch bereits leicht abnehmen können. Eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden dürfen Allergiker unmittelbar an den Küsten bei Seewind erwarten und in den Alpenregionen oberhalb der Baumgrenze. Auch im Inneren stark versiegelter Ballungsräume und innerhalb dichter Waldgebiete könne die Beschwerden weniger stark sein.
Die Blüte des Roggens (Secale) ist bis auf wenige „Ecken“ im Norden und im Bergland ausgestanden; Pollenflug findet nicht mehr statt. Weitere Kulturgräser, wie etwa der Weizen (Triticum), können stellenweise noch zum Gräserpollenflug beitragen, sind aber ebenso auf dem Rückzug. Im Laufe des Julis folgt als letztes der hierzulande großräumig angebauten Kulturgräser noch der Mais (Zea). Allen Pollenkörnern der bei uns kultivierten Getreidearten und des Maises ist deren „stattliche“ Größe gemein, die deren Ausbreitungsvermögen limitiert. Sehr hohe Pollenkonzentrationen sind auf der windabgewandten Seite blühender Getreidefelder möglich, während umgebenden Regionen deutlich weniger zufliegt.
Achtung! Häufig sind gerade zu Beginn durchziehender Gewitterschauer nach einer länger andauernden Schönwetterperiode Allergiesymptome und Symptome des allergischen Asthmas besonders heftig. Stichwort: undefinedGewitterasthma! Daher bitte erst Wohnung oder Büro lüften, wenn der Regen wenigstens 10-15 min angehalten hat. Ab da ist die Luft weitgehend pollen- und allergenfrei.

Die beiden Kräutergattungen Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) blühen zahlreich auf Wiesen und Wegrainen vom Tiefland bis in die Höhenlagen der Gebirge. Auch nach wiederholter Mahd können diese, im Gegensatz zu den Gräsern, wieder zahlreich neue Blüten ausbilden, so dass deren Pollen den gesamten Sommer über in der Luft angetroffen werden, ohne jedoch vorhersagbare Saisonspitzen im Pollenflug auszubilden.
Allmählich beginnen die Pollen der Brennnesselgewächse (Urticaceae) den Pollen der Gräser den ersten Rang im Luftstaub streitig zu machen, bei auch in den kommenden Tagen weiterer Intensivierung des Pollenflugs. Zu den Brennnesselgewächsen gehört neben der allseits bekannten und weit verbreiteten Brennnessel (Urtica) auch das in unseren Breiten noch vergleichsweise rare Glaskraut (Parietaria). Allergologisch unterscheiden sich die Pollen der beiden Gattungen – Brennnesselpollen gilt als wenig auffällig, Glaskrautpollen dagegen als stark allergen. Glaskräuter bevorzugen ein warmes Klima und sind deshalb in der Mittelmeerregion häufig anzutreffen. Der sich vollziehende Klimawandel begünstigt die Ausbreitung in Deutschland, mit zu vermutender Auswirkung auf die Allergieproblematik hierzulande. Trotz der allergologischen Unterschiede sind Glaskrautpollen mikroskopisch nicht von Brennnesselpollen unterscheidbar. Ein höherer Anteil von Glaskrautpollen ist an Ruderalstellen und Wegrändern am Rande oder innerhalb städtischer Wärmeinseln oder in anderen wärmebegünstigten Gegenden zu erwarten.

Andere, der später im Sommer häufiger auftretenden Kräuterpollen, können gelegentlich schon im Luftstaub mitmischen. So blühen erste Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae), erste Hanfgewächse (Cannabaceae) – jedoch noch nicht der Hopfen (Humulus), sondern der Hanf (Cannabis) und in den wärmsten Regionen (z.B. in Berlin) vereinzelt auch schon der allergene Beifuß (Artemisia). Von unseren Messgeräten wurden aber bisher nur von Gänsefuß- und Hanfgewächsen einzelne Pollen detektiert.

Die „kleine Baumblüte“ der „Spätblüher“ wie Linde (Tilia), Esskastanie (Castanea) und Götterbaum (Ailanthus) zeigt sich in nun im ganzen Land in voller Pracht. Die Linde, als einzige heimische Baumart, ist so gut wie überall verbreitet und belastet daher von den drei genannten Arten die Luft in der Regel am stärksten. Es sind Allergien gegen Lindenpollen bekannt. Betroffene sollten den längeren Aufenthalt bzw. die Nähe zu diesen Bäumen meiden. Der Götterbaum befindet sich in Ausbreitung und besiedelt (wild oder gepflanzt) vorwiegend Flächen innerhalb menschlicher Siedlungsgebiete, wo dann dessen Pollen in geringer bis mitterer Zahl in der Luft sein kann. Götterbaumpollen vermag zu sensibilisieren und allergische Reaktionen hervorzurufen. In der chinesischen Heimat des Götterbaumes reagieren ca. 1/3 der Pollenallergiker im Pricktest auf dessen Pollen. Esskastanienpollen können gelegentlich zu schwachen Reaktionen bei Birkenpollenallergikern führen. Allerdings ist deren Pollenzahl hierzulande im Vergleich zur Pollenzahl der Birke verschwindend gering, da Esskastanien nur in wenigen, meist kleinen Anpflanzungen vorkommen. Ferntransporte aus größeren Beständen auf der Alpensüdseite Ländern sind möglich und führen bei uns dann zu einem kurzzeitigen Anstieg der Pollenzahlen.

In den wärmsten Regionen (Ostdeutschland) ist die Holunderblüte (Sambucus) weitgehend beendet. Letzte weiße Blütendolden werden in den kommenden Tagen abgeblüht sein und der Pollennachschub versiegt. Nach Norden und Westen hin und im höheren Bergland hält sich die Blüte noch ein paar Tage länger. Dadurch sind Holunderpollen weiterhin messbar aber mit abnehmender Tendenz. In der Nähe zu noch blühenden Büschen können die Pollenkonzentrationen hoch sein, im Allgemeinen bewegen sich die Werte aber meist auf nur geringem Niveau, da der überwiegende Teil der Pollen durch Insekten übertragen wird. Holunderpollen – so denn in ausreichender Zahl vorhanden – kann bei einigen Pollenallergikern ebenfalls Symptome hervorrufen.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Birke (Betula), Kiefer (Pinus), Fichte (Picea), Liguster (Ligustrum), zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Rosengewächsen (Rosaceae), Sauergräsern (Cyperaceae), und Doldenblütlern (Apiaceae). Zahlreich blühen die unterschiedlichsten insektenbestäubten Kräuter und Sträucher. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), Pfeifenstrauch (Philadelphus), Mädesüß (Filipendula), diversen Korbblütlern (Asteraceae) oder Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) in unseren Pollenflugmessgeräten auftauchen.
In den Alpenregionen können gebietsweise noch Grünerlenpollen (Alnus viridis) die Besucher der Hochlagen belasten. Mit Südwind werden einzelne Grünerlenpollen bis in den Norden Deutschlands getragen.

Die Sporenbelastung durch Schimmelpilze der beiden allergologisch wichtigen Gattungen Alternaria und Cladosporium erreicht an immer mehr Messstationen ein Niveau, welches ausreicht, bei den Betroffenen auch deutliche Symptome hervorzurufen. Das warme Wetter ist dem Wachstum und der Ausbreitung der Schimmelpilze förderlich. Weiter ansteigende Konzentrationen sind in Trockenphasen zu erwarten. Die höchsten Werte treten aber erst im Zusammenhang mit der Getreideernte auf und können die derzeitigen Messwerte nochmals um ein Vielfaches übertreffen. 

Matthias Werchan, 19.06.2019

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Roggens für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Beifußes in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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Ihr Team des Polleninformationsdienstes

 

 

 

 

 

 

 

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