Wochenpollenvorhersage Jonas - 15.01.2020

Mittwoch, 15. Januar 2020

Hasel (Corylus avellana) in voller Blüte im Berliner Tiergarten am 15.01.2020 ©Matthias Werchan

"Antiwinter" verschärft die Pollenflugsituation bei Hasel und Erle

Deutscher

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Lateinischer

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Tendenz für die nächsten 7 Tage

Erle

(Alnus)

Hasel

(Corylus)

 

Für viele Pollenallergiker beginnt das Jahr 2020 recht unangenehm. Das vorherherrschend milde Wetter gibt der Natur wenig Anlass zur Einhaltung der Winterruhe. Besonders die temperatursensiblen allergenen Frühblüher Hasel (Corylus) und Erle (Alnus) lassen sich bei 10 °C und mehr schnell aus der Ruhe bringen und starten mit der Pollenreifung. Ist diese einmal abgeschlossen, genügt ein wenig Wind und trockene Luft und schon wirbeln deren Pollen durch die Luft. Recht außergewöhnlich sind derzeit Meldungen aus Schweden und den baltischen Ländern, wo statt Schnee und strengem Frost ebenfalls Pollenflug eingesetzt hat, zumindest in der Nähe der Ostseeküste. Das kann für die Pollenallergiker hierzulande natürlich nichts Gutes bedeuten.
Die Haselblüte hat weiter Fahrt aufgenommen, so dass sich immer mehr Haselbüsche (Corylus avellana) und Haselbäume (C. colurna) mit langen gelben Kätzchen schmücken, die auf deren Blühhöhepunkt hindeuten, just zur Zeit des Höhepunkts des Winters. Zunehmend werden nun auch die Allergiker im ost- und norddeutschen Tiefland geplagt. Hier ging es ja bisher noch recht „gesittet“ zu, während die Hasel im Tiefland des Südens, Südwestens und Westens schon während der vergangenen Tage für erste mittlere Belastungen gesorgt hat. Weiterhin treten teils deutliche Entwicklungsvorsprünge der Haselkätzchen innerhalb (groß)städtischer Wärmeinseln gegenüber dem Umland auf. Hierdurch kann es zu einem Belastungsgradienten vom Land (schwächere Belastung) in die Stadt (stärkere Belastung) kommen, der auch auf der jahreszeitlich bedingten schwachen Thermik beruht. Diese limitiert die Durchmischung der Luftschichten und damit die Transportmöglichkeiten für Pollen. Vergleichbares tritt möglicherweise auch zwischen den bekannten, kaltluftgefüllten Nebellöchern (z.B. den Flussniederungen in Süddeutschland) und deren nebelfreier und damit wärmerer Umgebung auf.
Wie geht´s nun weiter? Da die Saison der Hasel gerade erst begonnen hat, sind weiter steigende Belastungen in allen Regionen möglich. Zurückgehenden Temperaturen am Wochenende bremsen jedoch sowohl die weitere Kätzchenentwicklung als das Ausbreitungsvermögen der Pollen in der Luft. Wiederholte großflächige Niederschläge, die für das Auswaschen der Pollen aus der Luft sorgen könnten, bleiben jedoch ebenfalls weiter rar. Insgesamt sind die Belastungen daher meist schwach bis mäßig, örtlich aber auch stark (Westen, Süden und Großstädte).

Unsere heimischen Erlen (Alnus glutinosa) hinken der Entwicklung der Haseln aufgrund ihrer höheren Aktivierungstemperatur (Erle ca. 8°C; Hasel ca. 5°C) hinterher. Dafür können sie bei entsprechenden Bedingungen – man erinnere sich nur an die letzte undefinedErlenpollensaison – einiges mehr an Pollen produzieren und in die Luft abgeben als Haseln, so sie denn blühbereit sind.
Aktuell können bereits blühende Erlen beobachtet werden. Wie auch bei der Hasel sind lokale, regionale und überregionale Unterschiede im Reifungsprozess der Kätzchen und damit im Pollenflug möglich, die von unserem Messnetz nur unvollständig abgebildet werden können. Allergiker sollten sich jedoch auf (lokal sprunghafte) Anstiege der Pollenbelastung einstellen, zumindest solange die Pollenflugbedingungen hinreichend gut sind. Von schwacher, sporadischer Belastung bis zu hoher Belastung ist deutschlandweit ab sofort alles möglich. Belastungen durch lokale Purpurerlenanpflanzungen (Alnus × spaethii) sind dagegen vorüber.

Neben Hasel- und Erlenpollen können auch schon einzelne Pollen des Ahorns (Acer) und der Ulme (Ulmus) aus heimischer Produktion, sowie der Esche (Fraxinus) und Zypressengewächse (Cupressaceae) aus südeuropäischer Produktion mit in der Luft sein.

Die Sporenzahl allergener Schimmelpilzsporengattungen wie Alternaria und Cladosporium in der Außenluft bleibt vernachlässigbar gering und für Allergiker unbedenklich. Veränderungen sind in den kommenden Tagen nicht zu erwarten.

Matthias Werchan, 15.01.2020

 

Ärztliche Hinweise (Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann):

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Newsletter der Stiftung wird diejenigen unter Ihnen, die an einem Heuschnupfen oder einem durch Pollen ausgelösten allergischen Asthma leiden, wieder durch das neue Jahr begleiten. Zusätzlich zu den Angaben zum Flug der Pollen wollen wir Ihnen im ärztlichen Teil weitere medizinische Informationen zur Verfügung stellen. Denn, es gilt auch für den Heuschnupfen: „Wer seine Krankheit kennt, leidet weniger unter ihr.“

Wie kann man „seinen Heuschnupfen“ oder Pollenasthma kennen? Am wichtigsten ist sicher der erste Schritt, das ist eine allergologische Untersuchung mit einer entsprechenden Diagnostik. Diese beinhaltet die Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese), die Feststellung der Symptome und der bisher benutzten Medikation sowie schließlich die Suche nach spezifischen Antikörpern gegen Pollenallergene. Dies geschieht durch einen „Allergietest“ oder „Hauttest“. Dabei werden Extrakte aus den verschiedenen Pollen, wie Hasel, Birke oder Gräser, auf die Haut des Unterarms getropft und durch den Tropfen wird mit einer kleinen Lanzette in die Haut gestoßen – ein wenig Extrakt gelangt dadurch in die Haut. Liegen Antikörper gegen die Pollenallergene in der Haut vor, dann wird es um die Einstichstelle innerhalb von ca. 15 min rot, die Haut juckt und schwillt etwas an. Der Test ist positiv und man spricht von einer Sensibilisierung. Rötung und Schwellung verschwinden von alleine innerhalb der nächsten 20 min.
Dies bedeutet noch nicht, dass die getestete Person auch wirklich eine Allergie hat, d.h. erkrankt ist, sondern zunächst nur, dass Antikörper vorliegen. Diese Antikörper schwimmen auch im Blut und man kann sie deshalb im Blut im Labor auch nachweisen.
Personen, die sensibilisiert sind, können eine Allergie entwickeln, müssen dies aber nicht tun. Wer gegen Pollen Antikörper gebildet hat entwickelt auch in ca. 80-90 % eine Pollenallergie. Bei Antikörpern gegen Katze ist das deutlich seltener, nur in ca. 50 % und bei Hausstaubmilben auch etwa in diesem Bereich.
Ist der Übeltäter Ihrer Beschwerden erkannt, dann können Sie sich gezielt über diese Pollenart informieren – dabei helfen Pollenflugvorhersagen, über die wir im nächsten Newsletter informieren.

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH und der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Hasel und der Erle für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Erle in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

Für die Anmeldung unseres wöchentliches Newsletters schreiben Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Anmeldung des PID Newsletters“ an barbora.werchan[at]charite.de Dankeschön!

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