Wochenpollenvorhersage Daniel - 17.07.2019

Mittwoch, 17. Juli 2019

Blühendes Mädesüß (Filipendula) an einer brachgefallenen Uferböschung am 16.07.2019 © Matthias Werchan

Beifuß ist auf dem Vormarsch – Gräser belasten häufig nur noch schlapp.

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Hopfen

(Humulus)

Wegerich

(Plantago)

 

Die Pollensaison verlief während der letzten sieben Tage ohne größere Besonderheiten. Das bislang wichtigste Aeroallergen des Sommers – der Pollen der Gräser (Poaceae) – flog landesweit, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, in nur noch schwacher bis mäßiger Konzentration. Damit ist die Allergiesituation für die meisten Gräserpollenallergiker bereits recht entspannt.  Die Anzahl der in Blüte befindlichen Gräserarten ist überschaubar geworden, die Trockenheit verschärft sich (wieder) und lässt die Gräser verkümmern und die meisten Wiesen wurden (wiederholt) abgemäht. Damit stagniert im größten Teil des Landes die Gräserpollenbelastung bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums auf einem weiter schwachen bis mäßigen Niveau. Deutliche höhere Belastungen sind allerdings weiterhin in grünlandreichen Höhenlagen der Gebirge um 1000 m NN und darüber möglich, sowie örtlich in den grünlandgeprägten Regionen des Nordens der Republik. Einen längeren Spaziergang durch ungemähte Wiesen und Raine sollten Gräserpollenallergiker aber in allen Regionen besser vermeiden. Ferner kann der Zeitpunkt der Mahd oder des Heuwendendens nochmals viele, auch bereits sedimentierte Pollen, von der bearbeiteten Fläche in die Luft wirbeln und die unmittelbare Umgebung kurzzeitig stark belasten.

Etwas gänzlich Neues im Vergleich zur Vorwoche kann auch bei den Kräutern nicht erwartet werden. Für Pollenallergiker wird der Beifuß (Artemisia) allmählich wichtiger. Peu à peu nähern wir uns der Hauptflugzeit dieses wichtigen Allergens des Spätsommers. Bescheiden geblieben sind allerdings bisher die Pollenkonzentrationen. Nur selten waren mehr als nur geringe Belastungen zu verzeichnen. Auf mehr Schwung in den Belastungen sollten sich Betroffene jedoch in den kommenden Tagen einstellen. Die Beifußblüte weitet sich immer mehr aus, hinzu kommen hervorragende Pollenflugbedingungen, sprich Niederschlagsarmut, Sonne und ansteigende Temperaturen mit guter Thermik, die für eine großzügigere Verteilung der Beifußpollen sorgt. Vor allem in Richtung Norden und Osten treten dann häufig mäßige teils sogar schon starke Belastungen auf, ansonsten zumindest regelmäßig schwache und stellweise mäßige Belastungen, mit Ausnahme der höheren Berglagen, wo die Beifußblüte noch auf sich warten lässt. Einschränkend könnte sich auf leichten Böden des Tieflands die teils andauernde Trockenheit auswirken. Generell am stärksten mit Beifußpollen belastet ist die Luft in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden, wenn die Beifußblüten geöffnet sind und die Pollen entweichen können. Abstand nehmen sollten Beifußallergiker von großen Beifußbeständen mit vielen reifen Blütenständen. Im nahen Umfeld dieser Bestände kann das Belastungsniveau weit über dem Durchschnittswert der Region liegen. Beifuß wächst bevorzugt in Ruderal- und Unkrautfluren, auf Ackerbrachen, Halden oder an Wegrändern, sowohl auf dem Land, als auch inmitten großer Städte.

Die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae), die sich gleichfalls auf temporären Brachen und in Ruderalfluren ansiedeln, geben ihre Pollen in etwa auf dem Niveau der Vorwoche ab, das heißt schwacher bis maximal mäßiger, aber oft unsteter Pollenflug in der Fläche und punktuell starker Pollenflug an Orten mit ausgedehnten blühbereiten Beständen dieser Pflanzenfamilie.

Die weitaus häufigsten Pollen im Luftstaub entstammen bis auf weiteres den Brennnesselgewächsen (Urticaceae). Zwar verblieben die Pollenkonzentrationen der letzten Tage auf recht konstantem Niveau oder stiegen nur leicht an, sollten aber im Verlauf der nächsten Tage im Zusammenhang mit der Rückkehr „echten“ Sommerwetters deutlich zulegen und im Tiefland mehr und mehr in den Bereich der Jahreshöchststände vordringen. Unter die Pollen der omnipräsenten, allergologisch aber wenig auffälligen Brennnessel (Urtica) mischen sich in den Zentren und an den Rändern städtischer Wärmeinseln oder anderen wärmebegünstigten Gegenden auch die Pollen des sehr allergenen Glaskrauts (Parietaria). Die Intensität des Pollenflugs und damit das Allergierisiko durch Glaskrautpollen bleibt jedoch aufgrund der unmöglichen lichtmikroskopischen Differenzierbarkeit von Brennnessel- und Glaskrautpollen unklar und kann nur anhand der Größe der Vorkommen dieser Pflanzengattung geschätzt werden. Das zunehmend wärmere Klima fördert die Ausbreitung des Glaskrauts in unseren Breiten.

Die beiden Kräutergattungen Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) leiden genauso „Durst“ wie andere Pflanzen. Mit dem absehbar trocken-warmen Hochdruckwetter gerät die Ausbildung neuer Blüten ins Stocken. Die wechselnden Belastungen der Vorwochen – von meist schwach, mal mäßig – schwächen sich zusehends ab zu: schwach bis unstet.
Mit dem Einsetzten der Hopfenblüte (Humulus) gesellen sich zu den bereits seit einigen Wochen hin und wieder in unseren Pollenfallen auffindbaren Pollen des Hanfs (Cannabis) erste, optisch dem Hanfpollen ähnelnde Hopfenpollen. Hopfen und Hanf bilden die beiden einzigen heimischen Vertreter der Hanfgewächse (Cannabaceae). Ihre Pollen sind moderat allergen.

Baumpollen spielen nun endgültig keine Rolle mehr im Luftstaub. Sie ordnen sich für den Rest der Pollensaison „unter ferner liefen“ ein – mit einer Ausnahme, den Zedernpollen (Cedrus), die zu Herbstbeginn von lokalen Anpflanzungen „frisch angeliefert“ werden.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Kiefer (Pinus), Linde (Tilia), Esskastanie (Castanea), zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Heidekrautgewächsen (Ericaceae), Sauergräsern (Cyperaceae), Binsengewächsen (Juncaceae) und Doldenblütlern (Apiaceae). Zahlreich blühen die unterschiedlichsten insektenbestäubten Kräuter und Sträucher. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), Mädesüß [(Filipendula) siehe Foto], diversen Korbblütlern (Asteraceae) oder Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) in unseren Pollenflugmessgeräten auftauchen. Die Blüte der Grünerlen (Alnus viridis) in den Höhenlagen der Alpen ist weitestgehend beendet.

Seit dem frühen Beginn der Getreideernte im Juni sind Schimmelpilzsporen-Allergiker häufig mit hohen Sporenbelastungen in der Außenluft konfrontiert. Die beiden allergologisch bedeutsamen Sporengattungen Alternaria und Cladosporium belasten bis zum Ende des aktuellen Vorhersagezeitraums die Außenluft in weiten Teilen Deutschlands teils sehr stark. In den Höhenlagen der Berge, in waldreichen Gegenden und an den Küsten bei Seewind sind die Belastungen schwächer. Die allergologisch ebenfalls relevante Sporengattung Epicoccum ist ebenfalls immer häufiger mit von der Partie, bleibt aber aktuell weit hinter der Belastungsintensität der erstgenannten Sporengattungen zurück.

Matthias Werchan, 17.07.2019

 

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser und des Beifußes für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser und des Beifußes in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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