Wochenpollenvorhersage Carina - 24.07.2019

Mittwoch, 24. Juli 2019

Blühendes Doldengewächs (Apiaceae) am Wegesrand in Brandenburg 20.07.2019 © Matthias Werchan

Bei den Kräutern ist jetzt einiges los – Gräser bereiten kaum noch Kummer.

Deutscher

Name

Lateinischer

Name

Tendenz für die nächsten 7 Tage

Ampfer

(Rumex)

Beifuß

(Artemisia)

Brennnessel

(Urtica)

Gänsefuß

(Chenopodiaceae)

Gräser

(Poaceae)

Hopfen

(Humulus)

Traubenkraut

(Ambrosia)

Wegerich

(Plantago)

 

Recht ruhige „Pollen“-Tage liegen hinter uns. Der befürchtete deutliche Belastungsanstieg beim allergenen Beifuß (Artemisia) im Nordosten Deutschlands fiel erst einmal schwächer aus, als vorhergesagt und im Rest des Landes blieb es bei fast ausschließlich geringen Belastungen. Aber aufgeschoben ist leider nicht aufgehoben. Immer mehr Beifußpflanzen blühen und geben – bevorzugt in den Morgen- und Vormittagsstunden – ihre Pollen ab. Auch wenn die sommerliche Hitze derzeit stärker erschöpft als der Pollenflug, so steigt für Beifußpollen-Allergiker spätestens jetzt das Risiko, deutliche Allergiesymptome zu entwickeln. Orte mit größeren Beifußbeständen sollten Betroffene möglichst meiden, da Beifußpollen in der unmittelbaren Nähe ihres Herkunftsortes besonders zahlreich auftreten und sich deren Zahl mit größerer Entfernung zu diesen Quellen rasch verringert. "Größere Beifußbestände" bedeutet dabei eng begrenzte Beifußansammlungen mit einer Anzahl von Blütenständen im wenigstens dreistelligen Bereich. Beifuß wächst bevorzugt in Ruderal- und Unkrautfluren, auf Ackerbrachen, Halden oder an Wegrändern, sowohl auf dem Land, als auch inmitten großer Städte. Die räumliche Belastung über die Saison ist innerhalb Deutschlands im Nordosten allgemein höher als im Südwesten. Höhere Berglagen sind vom bevorstehenden Belastungsanstieg noch ausgenommen.

Neben Beifußpollen machen sich allmählich erste Pollen des stark allergenen Traubenkrauts (Ambrosia) bemerkbar. Noch fliegen die Pollen unstet und bevorzugt in den bekannten Regionen mit Schwerpunktvorkommen des Traubenkrauts (Südost-Brandenburg, Nord-Sachsen, Aachener Raum). Erste geringe Belastungen sind dort aber ab jetzt möglich. Ambrosia profitiert als wärmeliebende Art von der derzeitigen Witterung. Sofern genug Feuchtigkeit vorhanden ist, können gut entwickelte Ambrosiapflanzen bis zu 1 Milliarde Pollen pro Saison produzieren.

Die Gräserpollensaison (Poaceae) ist zwar noch nicht vorüber, die Hauptbelastungszeit ist aber für das laufende Jahr definitiv ausgestanden. Außer in den Hochlagen der Alpen und lokal an Orten mit ausreichender Bodenfeuchte (künstlich beregnete Grünanlagen, Flussauen, niederschlagsbegünstigte Gegenden) machen sich Gräserpollen rar. Die geringe Belastungsstufe wird meist nicht mehr (wesentlich) überschritten. Dort wo die Wachstumsbedingungen es zulassen, können spätblühende Gräserarten Blütenstände in größerer Zahl entwickeln. Auch eine schwache Nachblüte einiger anderer Gräserarten ist nach erfolgter Mahd möglich. Problematisch sind für Gräserpollenallergiker die vielen Maisfelder (Zea mays), die sofern ausreichend wasserversorgt, zu blühen begonnen haben. Direkt neben oder innerhalb von Maisfeldern können bei Wind ausreichend Mengen der großen und schweren Maispollen in der Luft sein, um starke Allergiesymptome hervorzurufen.

Die Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae/Amaranthaceae), die sich gleichfalls auf temporären Brachen und in Ruderalfluren ansiedeln, geben ihre Pollen in etwa auf dem Niveau der Vorwoche ab, das heißt schwacher bis maximal mäßiger, aber oft unsteter Pollenflug in der Fläche und punktuell starker Pollenflug an Orten mit ausgedehnten blühbereiten Beständen dieser Pflanzenfamilie.

Von der Rückkehr warmen Sommerwetters und guten Pollenflugbedingungen konnten zuletzt die Brennnesselgewächse (Urticaceae) profitieren. Die gemessene Pollenzahl stieg deutlich an. Aktuell und innerhalb der kommenden ca. 4 Wochen werden die jährlichen Maximalwerte erwartet. Die Pollen der Brennnesselgewächse führen die Rangliste häufiger Pollen mit Abstand an. Weiter steigende Pollenzahlen sind an den meisten Standorten zumindest in den kommenden Tagen wahrscheinlich.
Unter die Pollen der omnipräsenten, allergologisch aber wenig auffälligen Brennnessel (Urtica) mischen sich in den Zentren und an den Rändern städtischer Wärmeinseln oder anderen wärmebegünstigten Gegenden auch die Pollen des sehr allergenen Glaskrauts (Parietaria). Die Intensität des Pollenflugs und damit das Allergierisiko durch Glaskrautpollen bleibt jedoch aufgrund der unmöglichen lichtmikroskopischen Differenzierbarkeit von Brennnessel- und Glaskrautpollen unklar und kann nur anhand der Größe der Vorkommen dieser Pflanzengattung geschätzt werden. Das zunehmend wärmere Klima fördert die Ausbreitung des Glaskrauts in unseren Breiten.

Die Intensität des Pollenflugs der beiden Kräutergattungen Ampfer (Rumex) und Wegerich (Plantago) hat in den besonders von Trockenheit betroffenen Regionen deutlich nachgelassen. Es sind dort meist nur noch einzelne Pollen unterwegs, die allergologisch keinen Einfluss nehmen. Einzig in Berglagen (Alpenregion) und auf feuchten (oder bewässerten) Standorten werden weiter Blüten produziert, die in der Umgebung zu stetigem Pollenflug und zumindest geringen Pollenkonzentrationen in der Luft führen.

Die Blüte des wilden Hopfens (Humulus) weitet sich allmählich aus. Daher gehen in den kommenden Tagen mehr und mehr Hopfenpollen in unsere Pollenfallen. Die optisch ähnlichen Pollen des Hanfs (Cannabis) sind derzeit ebenfalls in der Luft. Hopfen und Hanf bilden die beiden einzigen heimischen Vertreter der Hanfgewächse (Cannabaceae). Beide besitzen moderat allergenen Pollen. Die Pollenzahl der beiden Arten in der Luft ist in der Fläche gesehen relativ gering, wodurch Allergiesymptome die Ausnahme bilden dürften. Dort wo Hanf angebaut wird (z.B. in der Uckermark in Brandenburg) oder Hopfen in größerer Zahl wächst (z.B. feuchte, stickstoffreiche Weg- und Waldränder) ist die Pollenzahl mitunter (deutlich) größer und Allergiesymptome stärker.

Baumpollen spielen keine Rolle mehr im Luftstaub. Sie ordnen sich für den Rest der Pollensaison „unter ferner liefen“ ein – mit einer Ausnahme, den Zedernpollen (Cedrus), die zu Herbstbeginn von lokalen Anpflanzungen bereitgestellt werden.

Weitere Pollenarten die noch, bereits oder weiter in kleiner Menge messbar sind, gehören vor allem zu Linde (Tilia), Esskastanie (Castanea), zu Zypressengewächsen (Cupressaceae), Heidekrautgewächsen (Ericaceae), Binsengewächsen (Juncaceae) und Doldenblütlern (Apiaceae –  Siehe Foto). Zahlreich blühen weitere insektenbestäubten Kräuter. Daher können sporadisch Pollen von z.B. Natternkopf (Echium), Mädesüß (Filipendula) und neben Beifuß und Traubenkraut zahlreichen weiteren Korbblütlern (Asteraceae) in unseren Pollenflugmessgeräten auftauchen.

Schimmelpilzsporen-Allergiker sind derzeit teils sehr hohen Konzentrationen der beiden allergologisch bedeutsamen Sporengattungen Alternaria und Cladosporium ausgesetzt. Wir befinden uns in der Zeit der jährlichen Maximalwerte. Daran wird sich auch in den nächsten Tagen nichts ändern. Das Allergierisiko bleibt unverändert hoch. Gerade durch das Abernten von Gerste, Weizen, Raps und Co. werden immer große Sporenmengen in die Luft geschleudert und weithin (auch bis in die Städte hinein) verfrachtet. Die allergologisch ebenfalls relevante Sporengattung Epicoccum bleibt vorerst noch weit hinter der Belastungsintensität der erstgenannten Sporengattungen zurück. Sie erlangt eine gewisse Relevanz im Übergang zwischen Sommer und Herbst.

Matthias Werchan, 24.07.2019

 

Diese Wochenpollenvorhersage trägt den Namen Carina. Sie ist Carina aus Berlin gewidmet, die bei unserem Allergiequiz auf der Langen Nacht der Wissenschaften Berlin/Brandenburg am 15. Juni 2019 den 2. Platz belegt hat. Herzlichen Glückwunsch!

 

*** Wir danken der AstraZeneca GmbH für das Sponsoring dieser Wochenpollenvorhersage. ***

 

Tägliche Pollenbelastungsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und des Traubenkrauts für Deutschland finden Sie undefinedhier.

Tägliche Pollenkonzentrationsvorhersagen der Gräser, des Beifußes und des Traubenkrauts in der Luft in Europa finden Sie undefinedhier.

 

 

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